Naturschützer retten wertvolles Laichgebiet an Püttlinger Stadtgrenze

Naturschutz : Die Unken-Retter vom Jungenwald

Naturschützer wollen wertvolles Laichgebiet an Püttlinger Stadtgrenze schützen. Dafür trotzen sie fast jedem Wetter.

Es ist eisig im Püttlinger Jungenwald an der Grenze zu Bous. Theo Schröder, Vorsitzender des Natur- und Vogelschutzvereins Püttlingen (NVV), Bärbel Wolsdorfer, Monika Müller, Bettina und Lisa Maul, warm verpackt, gleichwohl frierend,  suchen den alten Panzergraben auf. Der liegt direkt unter den neuen Windkraftanlagen der Gemeinde Bous.

Johannes Altmeyer, Jahrgang 1963, führt den freiwilligen Arbeitstrupp zum „Tatort“. Tatort? „Kann man so sagen“, sagt Altmeyer und denkt an einen Tag im August 2016: Es sollte ein erholsamer Spaziergang werden, bewährtes Mittel, um im Jungenwald Kraft zu tanken.

Altmeyer schätzt den Forst zwischen Püttlingen, Völklingen und Bous seit Kindertagen. „Und jetzt wurde aus Erholung  Entsetzen“, schildert Altmeyer seine ersten Eindrücke von der damals gerade eingerichteten Baustelle.

Schneisen, tiefe Fahrrinnen, unzählige gefällte Bäume. Altmeyer sah noch mehr. Zuständig für den Amphibienschutz im NVV, kennt er die schützenswerten Laichgewässer von Feuersalamander, Gelbbauchunke, Berg- und Fadenmolch, Wasserläufer, Ringelnatter, Erdkröte und  zahlreichen Libellenarten im Jungenwald.

Genau im Quellbereich des Röderbaches und des Seebornes gluckert das „kühle Brünnchen, an dem wir schon als Kinder unseren Durst gelöscht haben“.

Durch die reichlichen Wasservorkommen in Verbindung mit Niederschlägen hat sich seit Kriegsende in den kaum bekannten Panzergräben des Westwalles ein Lebensraum für Amphibien aller Art gebildet. Sanft unterstützt durch Pflegemaßnahmen des NVV.

Und was geschah dann? „Die Gräben waren zugeschüttet  –  höchste Alarmstufe“, sagt Altmeyer. Er wurde sofort aktiv. Zuerst verhandelte er mit dem Umweltministerium, dem Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz, den Kommunen Püttlingen und Bous, den Windkraftbetreibern und dem Saarforst-Revierleiter Martin Wollenweber. Dann ging es umgehend an den Bau von Rinnen und Ausgleichsbecken, und mit klammen Fingern wurden die weitläufigen Wassergräben von Laub, Ästen, Geröll und einigem mehr befreit, um den Salamandern, Fröschen, Kröten und Unken nach der Winterstarre einen möglichst großen Lebensraum für ihren Laich zu bieten.

So soll sich der Nachwuchs der Tiere im Umfeld des Rödelbaches und des Seeborns trotz der dort stehenden Windkraftanlagen  artgerecht entwickeln können.

Trotz aller erfolgreich erkämpften Ausgleichsmaßnahmen bleibt Altmeyer skeptisch: „In der Vergangenheit waren diese Gräben immer schön beschattet, ein idealer Amphibienraum.“ Da aber nun durch die Baumaßnahmen mitten im Wald die Wasserflächen an vielen Stellen von der Sonne beschienen werden, sei ungewiss, wie sich dort das Kleinklima entwickelt. Altmeyer: „Es ist fraglich, ob sich das hohe erforderliche Engagement nachhaltig auszahlt und ob der NV  trotz aller Mühen die Population stabil halten kann. Und es ist fraglich, ob die Amphibien die neu geschaffenen Lebensräume auch annehmen.“

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