Mord und Totschlag im Backhaus

Die Katholische öffentliche Bücherei Köllerbach und der Dorfverein Rittenhofen hatten sich zusammengetan, und so wurde das Rittenhofer Backhaus zum Leseort für gar düstere Balladen mit Gitarren-Begleitung.

Köllerbach. Hochdramatisch, komisch, tragisch und vor allen Dingen spannend war der literarische Abend im Rittenhofer Backhaus. Für die zweite Vorstellung hatte das Balladentrio zum Quartett aufgestockt: Zu den Rezitatoren Heike Lippert, Uwe Barth und Kurt Brausch gesellte sich Arno Waschbüsch mit Gitarre und mittelalterlichem Gesang. Der zum Backhaus umfunktionierte alte Bockstall bot den passenden Rahmen.Urgemütlich war es in der kleinen Stube. Die drei Vortragenden hatten reichlich Stoff zusammengetragen. 22 Balladen aus drei Jahrhunderten warteten auf die Zuhörer. Hinterher gab's Flammkuchen und zuvor eine kurze Einführung in die literarische Gattung, die Elemente aus Drama, Lyrik und Epik vereint. Uwe Barth, Leiter der Bücherei im Schwesternhaus bei der Martinskirche, meinte: "Die Wahrheit soll einer guten Geschichte nie in die Quere kommen", und: "Balladen sind Geschichten, die das Gemüt bewegen und die Zuhörer zusammenrücken lassen."

Dicke Sammelbände, ein schmales Reclam-Heftchen und auch Titel wie "Klingende Ernte" aus den 50er Jahren lieferten die Vorlagen. Brausch, der auch als Laiendarsteller schauspielerisch aktiv ist, rezitierte frei und präsentierte zusammen mit dem Gitarristen Minidramen - mit heroischen Gestalten und mit Mord, Totschlag und Naturgewalten. Er führte das Publikum in königliche Säle mit Tapetentüren, Wappen und blendend weißem Linnen. Lautmalerisch dröhnten Dielen, Treppen krachten und Böses schwante.

Schaurig war es, mit Annette von Droste Hülshoff Knäblein übers Moor zu gehn, und traumatische Bilder tauchten im Kopfkino auf, als John Maynard das brennende Schiff in Richtung Buffalo steuerte. Wenig später war man mit Heike Lippert und Clemens von Brentano in Bacharach am Rheine bei der schönen zauberischen Loreley gelandet. Erich Kästner erdichtete, wie hier zu erfahren, 1932 einen Turner auf dem sagenumwobenen Felsen. Wo früher die Schiffer mit verdrehten Hälsen an blondgelockte Weiber dachten, macht der einen Handstand, denkt an ein Lied von Heinrich Heine, stürzt ab - und bricht sich die Gebeine.

Uwe Barth hatte Nachdenkliches wie "Die alte Waschfrau" von Adelbert von Chamisso und "Jung gewohnt, alt getan" von Gottfried Keller ausgewählt. Dann war wieder Brauch dran, diesmal mit dem Herrn von Ribbeck und Kästners "Sachlicher Romanze". Und weil es so schön ist und zudem ein bisschen wie im Köllertal klingt, hatte Heike Lippert auch die "Nixe Ballada" von Kurt Schwitters im Gepäck. Also: "Es war ein Mol, der gung an eines Flusses Niederung. Am Ufer gluckste es so hohl. Wohl einmol, zwomol, hundertmol…".

Der Balladen-Abend der KöB Köllerbach wurde in Zusammenarbeit mit dem Verein Dorf Rittenhofen ausgerichtet. Wer das Thema vertiefen möchte: "Die schönsten Balladen" gibt es bei Reclam (4 Euro).

Nächste Literaturveranstaltung: Donnerstag, 11. Oktober, 16.30 Uhr, in der KöB im ehemaligen Schwesternhaus in Köllerbach. Es liest Margret Roeckner. Der Eintritt ist frei. Infos bei Rita und Uwe Barth, Tel. (0 68 06) 4 41 57.