| 20:15 Uhr

Saarlandkrimi-Lesung
Mord in der Muckibude

Leicht erkältet, doch gut gelaunt ließ Krimi-Autorin Elke Schwab am Donnerstagabend in Püttlingen ihre Zeitbombe ticken und ließ das Publikum rätseln, wer den armen Hausmeister mittels Stromschlag ins Jenseits beförderte und noch weitere Schandtaten auf dem Kerbholz hat. 
Leicht erkältet, doch gut gelaunt ließ Krimi-Autorin Elke Schwab am Donnerstagabend in Püttlingen ihre Zeitbombe ticken und ließ das Publikum rätseln, wer den armen Hausmeister mittels Stromschlag ins Jenseits beförderte und noch weitere Schandtaten auf dem Kerbholz hat.  FOTO: BeckerBredel
Püttlinge. Sodom und Gomorrha in der Muckibude. Die Autorin Elke Schwab las am Donnerstagabend in der Püttlinger Buchhandlung Balzert aus ihrem neuesten Saarland-Krimi „Tickende Zeitbombe“. Von Walter Faas

Rilchingen-Hanweiler. Das klingt nach Sprudel, barmherzigen Brüdern, herrlich warmem Thermalwasser, großen Wiesen zu Sitterswald und Saargemünd zu, auf denen sich Fuchs, Hase & Wildschwein gute Nacht sagen. Denkste! Die saarländische Autorin Elke Schwab, heute zuhause im Krummen Elsass, aber mit einem Fuß schon wieder zurück im Saarland, trainiert selbst in einem Fitnessstudio in Hanweiler, direkt neben der Saarlandtherme. Und während sie in der so genannten „Funktional-Arena“ den „Unterstützten Klimmzug“ übt, hat sie ihr Aha-Erlebnis für ihren nächsten Krimi: In echt fummelt der Hausmeister an der Deckenverkleidung herum. „Das isses!“, hat sich Schwab gedacht, der Stoff für einen neuen Krimi nämlich. Und lässt, im Buch, den Hauswart, immerhin einen gelernten Elektriker, am Stromschlag sterben.


Es war – wie sich erst später herausstellt – ein gezielt herbeigeführter Defekt, der dem armen Hausmeister das Leben kostet. Und schon bald darauf landet die Reinemacherfrau des Studios, mit dem Kopf nach unten, im eiskalten Wasser eines (auch „in echt“ existierenden) Schachtes unter den Kellerräumen der Muckibude. Das ist nur der Beginn des Romans. Die „Tickende Zeitbombe“, so der Titel, nimmt Fahrt auf. Das Ermittlertrio, Lukas Baccus, Theo Borg, Insidern aus früheren Schwab-Krimis bekannt, plus der beleibte Staatsanwalt Helmut Renske gehen auf Mördersuche – zunächst eher zufällig, denn sie haben sich selbst mehr Sport verordnet, und sind so „undercover“ als Gäste im Studio. Und dort sehen sich plötzlich, mit weiteren Geiseln, entschlossenen Gangstern mit Kalaschnikow-Maschinengewehren gegenüber. Die Situation eskaliert, die saarländische Polizei richtet ein Lagezentrum ein, eine Zeitbombe tickt und eine Explosion gibt’s dann tatsächlich auch … Die Hintergründe für die schwerkriminellen Machenschaften im beschaulichen Heilbad Hanweiler? Die verrät Elke Schwab während der Lesung natürlich nicht.

Das alles erleben Zuhörer, am vergangenen Donnerstagabend, im gemütlichen Ambiente der Püttlinger Buchhandlung Balzert, bei mediteranen Hors d`oeuvres, einem Gläschen Rotwein, oder mit Mineralwasser – ob`s wohl aus Rilchingen kommt? – Wie auch immer: Dem Publikum gefällt, wie Schwab ihre Handlungen mit Lokalkolorit anreichert. „Hab’ alles von ihr gelesen und mag besonders den regionalen Bezug. Einmal hat sie die Handlung an unseren Köllerbacher Lauftreff gelegt. Da meint man, man wär dahemm“, freut sich Rainer Sander aus Rittenhofen.

Schwab plaudert auch aus der Schriftstellerschule, wie man beispielsweise recherchiert: Der Ort der Handlung gehöre möglichst exakt beschrieben, die Nebenfiguren auch, der Rest bleibe der Fantasie überlassen: „Dann sprudeln die Ideen!“ Die Zuhörer revanchieren sich mit Rezepten gegen das unüberhörbare Halskratzen der Autorin: „Homöpathische Kügelchen schlucken, Salbeitee gurgeln, oder Whisky, das hat den gleichen Effekt, schmeckt aber besser.“ Ein weiterer vergnüglicher Abend in der Püttlinger Buchhandlung endet mit Selfies und signierten Erstausgaben der „Tickenden Zeitbombe“.