Mittelalterliches Treiben in Köllerbach

Fest mit Schwertträgern, Feuerschluckern und Musikern : Mittelalterliches Treiben in Köllerbach

Beim dreitägigen Mittelalterfest auf Burg Bucherbach gab es viel zu sehen – unter anderem Schwertträger, Feuerschlucker und Musiker mit historischen Instrumenten.

Ludwig Heil ist Vorsitzender des Vereins „Die Tafelrunde“. Am Wochenende hat der Verein mit der Stadt Püttlingen das 15. Mittelalterliche Treiben auf Burg Bucherbach im Püttlinger Stadtteil Köllerbach veranstaltet.

Heil gab da den Hofnarren – mit Narrenschelle und knallbuntem Eulenspiegel-Gewand. „Schauen Sie nicht mich an, blicken Sie auf Aaron von der Rolle, das ist ein wirklich begnadeter Gaukler“, sagte Heil. Und es stimmte. Dieser Aaron wippte gekonnt auf einem Rollabolla-Balancierbrett und jonglierte gleichzeitig mit fünf Bällen.

Die Stimmung im rustikalen Burggeviert wirkte erstaunlich ausgelassen. Zu sehen gab es Gewandete, Schwertträger und Feuerschlucker, dazu eine Dienstmagd beim Gockelrösten und einen Prediger, der das Jüngste Gericht anmahnte. Wer wollte, genehmigte sich eine mastige Schlemmerix-Specksoße mit Knödeln und danach ein doppeltes Märtyrerblut aus vergorenem Honig.

Das dreitägige Fest begann in „St. Martin zu Kölln“. Kölln hieß ein uralter Ortsteil von Köllerbach, seine Martinskirche wurde erstmals 1223 urkundlich erwähnt. Pfarrer Joachim Conrad, Historiker und Hausherr, plauderte ein gutes Dreiviertelstündchen über 800 Jahre Geschichte, dann durften die Musiker von „Pipes’n’Strings“ ran: mit Keltensongs, höfischen Tänzen und Revolutionsliedern.

Am Tag darauf traten sie erneut auf – mit historischen Instrumenten, etwa einer Bombarde, diversen Flöten, Zupfgeigen, dem Hümmelchen, und einer Sackpfeife, dem kleinen Brüderchen des schottischen Dudelsackes. Die Gewandeten posierten dazu im drollig wirkenden Bauerntanz, angeführt vom Giacomo und der dicken Kaltmamsell.

Bjerg – der Name stammt aus dem Dänischen – Kettenmann, Schneidersfrau aus Schwalbach, erklärte den Besuchern das Wesen mittelalterlicher Nähkunst an ihrem eigenen Outfit. Bjerg trug ein bodenlanges Obergewand, stahlblau, mit aufwändiger „Sticcerey“, nachempfunden historischen Steinschnitzereien, dazu einen superbreiten Ledergürtel sowie eine Bernsteinkette „Freyas Tränen“, die schön mit ihrem roten Haar harmonierte.

Ihre Begleiterin Annette Haink – „der Nachname kommt aus dem Sächsischen“ – freute sich am schönen Bild des Marktreibens „und der coolen Atmosphäre in der Burg“. Ihre Einschätzung bestätigte „Werner der Schreyber“, ein Kunstschaffender aus dem Hunsrück, der Lederarmbänder, Kuhhörner und Schiefertafeln beschriftete – entweder mit Vornamen oder mit Sprüchen wie „Wer hier nicht verrückt wird, der kann nicht normal sein“.

Daneben bot Marita Pohl, Marketenderin aus Oberotterbach in der Pfalz, in ihrer „Krämerey Allerley“ appetitlich wirkende Hundeleckerli wie „Barbarossapupse, Wiesenkrallen, Kleewaffeln“ feil.

Im „Amt für Altersangelegenheiten“ ging die Zeitreise zur „Seidigen Seifensiederey“, zu Schmuck- und Waffenhändlern, Bogenschützen und Schwertkämpfern. Und überall im mittelalterlichen Lager qualmten die Küchenfeuer unter pechschwarzen Dreifußtöpfen; darüber schwebte der Dunst von Gebratenem und Gesottenem.

www.die-tafelrunde.net

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