Mit Stahlnadeln Pfeiler verbinden

Köllerbach. Die Martinskirche Kölln muss renoviert werden und ist deswegen ab kommenden Montag geschlossen. Die Strebepfeiler des evangelischen Gotteshauses, das unter Denkmalschutz steht, sind teilweise nicht mehr mit dem Mauerwerk verbunden, so dass der Gebäudeschub des gotischen Deckengewölbes ohne Gegendruck auf das Außengemäuer einwirkt, erklärte Pfarrer Dr

Pfarrer Joachim Conrad vor der Martinskirche. Foto: Becker & Bredel.

Köllerbach. Die Martinskirche Kölln muss renoviert werden und ist deswegen ab kommenden Montag geschlossen. Die Strebepfeiler des evangelischen Gotteshauses, das unter Denkmalschutz steht, sind teilweise nicht mehr mit dem Mauerwerk verbunden, so dass der Gebäudeschub des gotischen Deckengewölbes ohne Gegendruck auf das Außengemäuer einwirkt, erklärte Pfarrer Dr. Joachim Conrad im Gespräch mit der SZ. "Die Gründe für das Abreißen sind uns unklar", rätselt Pfarrer Conrad. Vermutlich seien dafür Grubensenkungen vor 1950 verantwortlich. Gleich welcher Auslöser, die Folgen, die sich dadurch ergeben, sind mit bloßem Auge zu erkennen. Die Gewölbekappen der linken Deckenseite des Innenraums sind mit dicken Rissen durchzogen. Auch erste Putzstücke seien bereits heruntergebrochen, berichtet Conrad. "Ein Gewölbemonitoring hat aber ergeben, dass das Gewölbe zum Stehen gekommen ist. Es herrscht also keine akute Einsturzgefahr. Trotzdem müssen die Strebepfeiler dringend vernadelt werden." Bei diesem Verfahren werden die Pfeiler und die Wand mit den auf der Außenseite liegenden, abgerissenen Stützpfeilern durch lange Stahlnadeln wieder verbunden. Die Stützpfeiler gewinnen dadurch ihre ursprüngliche Funktion. "Die Vernadelung sorgt natürlich für eine Menge Staub. Wir müssen die Orgel und das Deckengewölbe komplett wegpacken. Auch die Kirchenbänke werden während der Bauarbeiten an einem anderen Ort gelagert." Nach Schätzungen des mit den Bauarbeiten betreuten Architekten Professor Klaus Köehler belaufen sich die Gesamtkosten auf etwa 124000 Euro, erklärt der Pfarrer. "Erfahrungsgemäß trägt der Staat bei solchen Renovierungsmaßnahmen lediglich zehn Prozent der Kosten. Den Rest muss die Gemeinde aufbringen. Die versteht es aber." Die Arbeiten sollen bis Weihnachten abgeschlossen sein, das hofft zumindest Pfarrer Conrad. In der Zwischenzeit müsse seine Köllner Kirchengemeinde auf die Gotteshäuser in Püttlingen und Walpershofen ausweichen. Er verspricht aber: "Für Ältere werden wir Fahrdienste eingerichten. Die Leute müssen sich einfach rechtzeitig im Pfarramt melden. Dann kümmern wir uns darum."