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Märchenhafte Martinskirche
Märchenhaftes in der Martinskirche

Der weltberühmte dänische Märchendichter Hans Christian Andersen (1805 – 1875).
Der weltberühmte dänische Märchendichter Hans Christian Andersen (1805 – 1875). FOTO: - / dpa
Köllerbach. Die Märchenwoche „zum Nachdenken“ wurde mit Hans Christian Andersen und Heinrich Böll eröffnet.

Für eine Märchenlänge dem Alltag entfliehen! Das kann man im Rahmen der 18. Märchenwoche in der Köllerbacher Martinskirche, noch dreimal in dieser Woche, jeden Abend um 18 Uhr. – Wir waren bei der ersten Lesung am Montagabend dabei.



Ein Märchen aus Sicht eines Baumes? – Nun, wer sagt denn, dass eine kleine Fichte das Dasein nicht zu reflektieren wüsste? Im Märchen „Der Tannenbaum“ des Dänen Hans Christian Andersen, 1844 erstmals erschienen, gelingt das auf nachdenklich machende Weise. Professor Joachim Conrad, Pfarrer, Historiker, Mitveranstalter im Advent, las die Geschichte zum Auftakt der 18. Märchenwoche in der Martinskirche. Gut 40 Gäste sind da, die aufmerksam zuhören.Zumal die Psyche des Tannenbaumes der einiger Menschen zu gleichen scheint: Erst am Lebensende wird begriffen, wie wenig man das Schöne, Gute, Zufriedenmachende, zu würdigen wusste, und wie vielmehr man sich sozusagen „eitler Ziele“ widmete.

„Leben verfehlt!“, möchte man fast urteilen, folgt man den Lebensetappen des erzählenden Baumes. Erst träumt er im Wald von Meer, Wellen, weiter Welt. Dann der Aufstieg zum strahlenden Weihnachtsbaum – kann’s noch schöner werden? „Bestimmt!“, denkt unser Baum. „Denkste!“ Es folgt die Abschiebung auf den stockdusteren Dachboden. Auch dort, unter Mäuschen und Ratten, welk und dürr, hofft unser Bäumchen auf einen weiteren, noch schöneren Heilig Abend, oder wenigstens auf die frische kalte Winterluft, damals, im Wald, als er noch der kleinste unter allen Bäumen war. – Es kommt natürlich anders, zum traurigen Ende als Brennholz.

Eine nachdenklich machende Geschichte, aber auch gut zu hören, weil Pfarrer Conrad fesselnd lesen kann, die Martinskirche, anständig beheizt ist und, gut durch die Zeit gekommen, die richtige Atmosphäre bietet. Und da die Veranstaltung den Titel „Weihnachten – Erzählungen aus alter und neuer Zeit“ trägt, liest Joachim Conrad gleich noch die „Kunde von Bethlehem“ des bekannten deutschen Schriftstellers Heinrich Böll, in der das Geschehen in der Weihnachtsnacht aus dem Blickwinkel eines eher am Rande des Geschehens stehenden Zeitzeugen geschildert wird. Viel Anerkennung gab’s vom Publikum für die anregenden „Lesereisen“ direkt vor der eigenen Haustür.

Auch am zweiten Abend der Köllerbacher Märchenwoche, am Dienstag, halten sich neue und alte Dichtkunst die Waage, zum einen im „Weihnachtszauber“ der amerikanischen Romanschreiberin Carson Mc Cullers (bekanntestes und auch verfilmtes Werk: „Das Herz ist ein einsamer Jäger“) und zum anderen wieder in dem wohl anrührendsten Märchen Hans Christian Andersens, dem vom „Mädchen mit den Schwefelhölzern“, gelesen von Dr. Susanne Poro. Auf die Beine gestellt wird die Märchenwoche von Pfarer Conrad, der bisherigen Initiative „Kunst im Köllertal“ und dem Kulturamt der Stadt Püttlingen

Fortgesetzt wird diese Lesereise am heutigen Mittwoch, 6. Dezember, morgen am Donnerstag und übermorgen zum Finale am Freitag. Es lesen Günter Himber, Dorothee Henrici-Bund und Margret Roeckner. Der Eintritt ist frei.

Der Schriftsteller und Nobelpreisträger Heinrich Böll (1917 - 1985).
Der Schriftsteller und Nobelpreisträger Heinrich Böll (1917 - 1985). FOTO: Harry Melchert / dpa