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Männer auf Krücken waren keine Seltenheit

Männer auf Krücken waren keine Seltenheit

Mit 90 noch ein Laufband kaufen? Warum nicht – zumal wenn man auch im Alter noch beweglich bleiben will. Fritz Ludwig jedenfalls hat es getan. Ihn und andere „VdK'ler“ trafen wir beim Adventskaffee und der Mitgliederehrung des VdK Köllerbach.

Adventskaffee beim VdK in Köllerbach . Rund 80 Mitglieder hat der Ortsverband. Gut die Hälfte saß im Vereinslokal, dem Gasthaus Meyer in der Bärenbergstraße beisammen. Darunter auch zwei Männer der ersten Stunde: Fritz Ludwig (90), früher Werksleiter bei einem Stromversorger und Willi Altmeyer (89), Lebensmittelhändler aus Herchenbach, kamen beide mit schweren Verletzungen aus dem Krieg zurück. Der eine hatte eine Schussverletzung am Kopf und einen Halsdurchschuss nur knapp überlebt. Der andere wurde in Kiew an Lunge und Ellbogen verletzt, hatte Granatsplitter im Bein.

Männer auf Krücken, ehemalige Soldaten, die ein Bein oder einen Arm verloren hatten, wären nach dem Krieg keine Seltenheit gewesen, schilderte Fritz Ludwig. Insgesamt zehn Leute hätten sich im Mai 1948 in Köllerbach zusammengeschlossen, um, wie in vielen anderen Städten und Gemeinden, gemeinsam gegenüber der Verwaltung ihre Interessen zu vertreten. Aus dem VdK (Verband der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner Deutschlands) hätten sich beispielsweise auch die Behinderten-Sportverbände entwickelt.

Heute hat sich das Aufgabenfeld verändert. Der Verband ist, wie Mitglied Rudolf Leinenbach erklärt, offen für Jedermann. Fachleute, insbesondere Juristen, würden Ratsuchende unterstützen. Oft gehe es um Versorgungsansprüche, um das Festlegen des Behindertengrades und um die Frage, wie man sich einen Behindertenausweis erstreitet. Er selbst kam eher aus geselligen Gründen hinzu. Der Verein organisiert Halbtagesfahrten und achttägige Reisen. Seine Frau Helga Leinenbach, die heute Vereinsvorsitzende ist, begleitete diese Fahrten viele Jahre im Auftrag des Roten-Kreuzes.

Die meisten Mitglieder sind zwischen 50 und 80 Jahre alt. Viele würden kurz vor der Rente dem VdK beitreten, erläutert Rudolf Leinenbach. "Kein Mensch bleibt jung, nur die meisten merken es sehr spät", meint Vereinsveteran Fritz Ludwig. Das Wichtigste sei, dass man so lange wie möglich mobil bleibe. Vor Kurzem, so der 90-Jährige, habe er sich ein Laufband zugelegt. Darauf legt er täglich 500 Meter zurück. Außerdem stehe jede Woche einmal Sauna und einmal Schwimmen auf dem Plan. Seinen Söhnen würde er immer erklären, im Alter werde der Akku kleiner. Zum Aufladen brauche er mittlerweile mindestens zwölf Stunden Schlaf. Nach einem anstrengenden Tag könnten es auch mal 15 Stunden werden.

Damit auch Köllerbacher, die nicht mehr so gut auf den Beinen sind, ungetrübte Freude an den VdK-Treffen haben, gibt es einen Treppenlift für die Toilette im Untergeschoss des Vereinslokals Gasthaus Meyer.

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Auf einen BlickGeehrt: Beim Adventskaffee wurden folgende langjährige VdK-Mitglieder geehrt.10 Jahre: Doris Schöneberger, Thekla und Winfried Martin, Erhard Himbert, Reinhard und Evelin Baldes und Gerhard Beyer. 25 Jahre: Anton Altmeyer, Hartmut Obaldsky, Anna Ziegler und Helga Leinenbach. 65 Jahre: Otto Alt und Erwin Bär. hof