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Leckere Völkerverständigung

Im Backhaus Rittenhofen trafen sich Einheimische und Flüchtlinge aus Syrien zum gemeinsamen Essen. Foto: Jenal
Im Backhaus Rittenhofen trafen sich Einheimische und Flüchtlinge aus Syrien zum gemeinsamen Essen. Foto: Jenal FOTO: Jenal
Köllerbach. Dem Dorfverein Rittenhofen, der Kirchengemeinde Herz Jesu Köllerbach und der Rastbachtalschule Saarbrücken gelingt die Integration syrischer Bürgerkriegsflüchtlinge. Dabei hilft auch das gemeinsame Ausprobieren arabischer Küche, deutscher Brotback-Kultur und des saarländischen „Gudd gess“. Walter Faas

Vorigen Freitagabend, im Rittenhofer Backhaus: Arabisch wird heute hier gesprochen, auch schon leidlich Deutsch von jüngeren Flüchtlingen. Die Syrer sind, zum zweiten Mal, eingeladen. Die deutschen Gastgeber bemühen sich ums Hochdeutsche, der besseren Verständlichkeit wegen. Beim ersten syrischen Abend vor wenigen Wochen kochten die Syrer arabische Speisen: Das Menü wurde mit einer Labanesuppe, mit Geflügelbrühe und Joghurt, eröffnet. Es folgten Molokhiea (ein traditionelles Spinatgericht), gefüllte Weinblätter, auch Dolma genannt, Köfte, also Hackfleischspieße, Reis und eine süße Nachspeise. Letztere "mit Rittenhofer Haselnüssen", sagt Alois Himbert, der für den Anlass seinen Nussbaum geschüttelt hatte.

Himbert, auch Vorsitzender des Pfarrgemeinderates, ist der "Kümmerer" der Kirchengemeinde Herz Jesu Köllerbach für die syrischen Bürgerkriegsflüchtlinge . Es handelt sich um zwei Familien, von denen eine im Pfarrhaus lebt. Himbert begleitet die Familien ehrenamtlich zu Ärzten, Behörden oder in das Heusweiler Jobcenter. Oder er spielt mit den Kindern Luyai, Mahmut, Huda und Murat, "die sehe ich alle als meine Enkelkinder an", sagt er.

Jetzt, bei der zweiten Begegnung der deutschen und syrischen Familien im Backhaus, revanchiert sich der Dorfverein um den Vorsitzenden Werner Telke, bekannt als guter Koch, mit einem typisch deutschen Festtagsmenü. Es gibt Rindfleischsuppe, dazu gekochtes Rindfleisch mit frisch geriebenem Sahnemeerrettich, plus Bauernbrot und Flammkuchen, frisch aus dem Steinbackofen.

Das Mahl schmeckt den syrischen Gästen offensichtlich, wie auch die Rittenhofer vor wenigen Wochen mit ihrem gutem Appetit das Sprichwort "Was der Bauer nicht kennt, isst er nicht" widerlegten.

Die Integration syrischer Immigranten gelingt offenbar, zumindest in Rittenhofen, dazu Mutter Hanifa: "Das Leben hier gefällt uns gut. Wir sind besonders beeindruckt von der freundlichen Aufnahme durch die Nachbarschaft in der Gemeinde." Der 17-jährige Jan Titó, der, dank sprachlicher Aufbaukurse und der Mitgliedschaft im Turnverein Köllerbach , bereits bestens Deutsch spricht, bestätigt das und sagt: "Wir wollen uns hier integrieren. Mein Bruder Siamand ist 21 Jahre. Er will Dolmetscher für Arabisch, Englisch und Deutsch werden. Ich möchte Bäcker werden, später vielleicht auch studieren."

Fünf Schülerinnen der Klasse 12 der Rastbachtalschule Saarbrücken haben bei der Kirchengemeinde Herz Jesu Köllerbach und beim Dorfverein Rittenhofen ihre Hilfe bei der Betreuung von Flüchtlingsfamilien angeboten.



Zum Thema:

HintergrundDie erwähnten arabischen Kochrezepte kann man gut im Internet nachlesen, unter Angabe der im Text genannten Namen, beispielsweise unter www.kochen-international.de , unter www.chefkoch.de oder unter www.lecker.de . et