Leben braucht mehr als ein Dach

Kriegsflüchtlingen mehr bieten als nur ein Dach über dem Kopf – auch im Sinne einer gelungenen Integration: Im Auftrag des Stadtrates arbeiten die Stadtverwaltung und die Köllertaler Integrationsstelle für Zugewanderte (KIZ) ein Konzept aus und bemühen sich, über die KIZ eine Mitarbeiterin fest einzustellen, die Flüchtlinge unterstützt.

Dank der Köllertaler Integrationsstelle für Zugewanderte (KIZ) sieht sich Püttlingen auch in der aktuellen Flüchtlingslage gut gerüstet. Der Umfang der Fürsorge für die Zugewanderten gelte sogar landauf, landab als vorbildlich, hieß es in der letzten Püttlinger Stadtratssitzung des Jahres.

Zum Jahreswechsel könnte die bisher stabile Lage jedoch ins Wanken kommen, denn mit dem Wegfall der Bürgerarbeit droht auch die bisher noch vorhandene Vollzeitstelle bei der KIZ zu kippen. Deshalb beauftragte der Stadtrat nun die Verwaltung damit, zusammen mit dem Verein für Aussiedler im Köllertal und seiner Integrationsstelle ein Konzept für die Betreuung von Flüchtlingen und Asylbewerbern zu erarbeiten. Zusammen mit dem Konzept soll auch ein Finanzierungsvorschlag für die KIZ-Vollzeitstelle erarbeitet werden, so ein gemeinsamer Antrag von CDU und SPD .

Anders als in öffentlichen Stadtratssitzungen üblich, nannte Bürgermeister Martin Speicher auch den Namen der Betroffenen - sei doch der Name Irina Rust und ihr engagiertes Wirken ohnehin allen Beteiligten lange geläufig. Irina Rust ist die stellvertretende KIZ-Vorsitzende, die sich bereits unter anderem für syrische Flüchtlinge einsetzt.

"Uns allen dürfte klar sein, dass es vor allem unter humanitären Gesichtspunkten und vor dem Hintergrund des Integrationsgedankens nicht ausreichend sein dürfte, Flüchtlingen lediglich Wohnraum zur Verfügung zu stellen und sie dann sich selbst zu überlassen", begründet Norbert Rupp im CDU-Antrag - auch wenn es einen entsprechenden gesetzlichen Auftrag für Städte und Gemeinden nicht gibt. Rupp weiter: "Ein eigentlich untragbarer Zustand, denn niemand von uns wird ernsthaft bestreiten können, dass wir uns um die Zugewanderten verstärkt kümmern müssen, wenn wir wollen, dass sie sich in unserer Stadt wohlfühlen." Für CDU und SPD sei folglich die Unterstützung des KIZ unverzichtbarer Bestandteil der Willkommenskultur in Püttlingen .

Mit einem weiteren Antrag konnte sich die CDU nicht durchsetzen. Sie forderte im Zusammenhang mit dem fünf Millionen Euro schweren Maßnahmen-Paket des neuen Innenministers Klaus Bouillon , in einem Leerstandskataster festzuhalten, welche privaten Anbieter Wohnraum für Asylbewerber zur Verfügung stellen könnten und welche Immobilien zu diesem Zweck kurzfristig erworben werden könnten. Der Punkt, die Verwaltung zu ermächtigen, bei Vorliegen der Zuschussrichtlinien entsprechende Zuschussanträge zu stellen, ging SPD-Fraktions-Chef Reinhold Schmidt zu weit. Zumal Bürgermeister Speicher die Stadt für die anstehenden Monate gerüstet sieht, da im Bedarfsfall noch 17 Wohnungen bereit stehen.

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HintergrundDie Köllertaler Integrationsstelle für Zugewanderte (KIZ) wurde im August 2004 eröffnet. Träger ist der Verein Aussiedler im Köllertal (AiK). Die KIZ betreut etwa 100 Menschen im Jahr, bisher waren es überwiegend Frauen aus Staaten der ehemaligen Sowjetunion. Die KIZ hilft etwa bei Sprachproblemen im Zusammenhang mit Behördengängen oder Arztbesuchen, macht politische Bildungsangebote oder bietet EDV-Kurse an. Die KIZ hat einen Jahresetat von 50 000 Euro. Für zehn bis 15 Prozent kommt der Verein AiK auf, dabei ist er auf Zuschüsse angewiesen, der Rest kommt vom Land und aus dem Europäischen Sozialfonds. Zu erreichen ist die KIZ unter Telefon (0 68 98) 6 98-1 73, E-Mail: kiz-puettlingen@web.de. Öffnungszeiten: dienstags von 9.30 bis 11 Uhr, mittwochs von 15 bis 17 Uhr, donnerstags von 14.30 bis 16 Uhr oder nach Vereinbarung. red