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Kurznachrichtendienst ersetzt Karte

Kurznachrichtendienst ersetzt Karte

Weihnachten steht vor der Tür. Eine Zeit, in der man seinen Lieben nur das Beste wünscht. Früher schrieb man eifrig Weihnachtspost. Doch mittlerweile dominieren SMS und Co. Uns hat interessiert, ob Menschen aus dem Köllertal noch traditionelle Weihnachtspost versenden oder ob sie mittlerweile einen anderen Weg nutzen.

Der 94-jährige Gerhard Tischendorf aus Holz versendet keine Weihnachtskarten mehr. "Heute mache ich das nicht mehr. Früher ja, sogar sehr gerne, meist so um die zehn Stück an meine Verwandten und Bekannten", erzählt der Rentner , als wir ihn in Heusweiler treffen. Dabei hatte sich Gerhard Tischendorf stets für allgemeine weihnachtliche Motive entschieden.

"Karten ver sende ich nicht mehr, ich bin auf den Kurznachrichtendienst Whats App umgestiegen", sagt Andreas Ries aus Kutzhof. "Ich sende meistens Grüße mit einem Foto." Früher habe er an Bekannte, die nicht in seiner Nähe wohnen, Weihnachtsgrüße per Post geschickt. "Irgendwann hört man auf, Karten zu schreiben, weil neue Medien genutzt werden", meint der 51-jährige Hausmeister im Gespräch mit der Saarbrücker Zeitung .

Jessica Fromm aus Heusweiler hält es hingegen immer noch ganz traditionell: "Ich verschicke Karten an meine Familie in Berlin", erzählt die 18-jährige Schülerin. Dabei wähle sie stets saarländische Motive aus, um ihren Angehörigen ein Stück ihrer Heimat zu schicken. Auch von ihren Freunden und Bekannten bekomme sie Weihnachtsgrüße per Post, die sie sammelt und über die sie sich sehr freut: "In meinem Zimmer habe ich eine Pinnwand, an der ich immer die schönsten Karten sammele."

Auch Paula Bleschke, der wir beim Einkaufen in Heusweiler begegnen, versendet jedes Jahr Weihnachtsgrüße per Post. Und sie gibt sich immer besonders Mühe: "Seit drei Jahren gestalte ich meine Weihnachtspostkarten selbst und überlege mir jedes Jahr ein anderes Thema, um die Leute zum Lachen zu bringen", sagt die 24-jährige Studentin. Dieses Jahr erzählt ihre Karte das typische chaotische Familienleben an Weihnachten . "Ich lasse mich fotografieren und montiere das Ganze dann mit Photoshop." Dieses Jahr haben 40 Verwandte und Bekannte die Karte bekommen, berichtet Paula Bleschke. "Zurück erhalte ich leider immer nur ein oder zwei Karten. Das finde ich schade." Aber es freue sie, Leute mit ihrer Karte zum Lachen zu bringen.

"Ich habe noch keine Karten verschickt, aber ich habe es vor", erzählt Inge Theobald (72) aus Heusweiler. An ihre Bekannten hat die Rentnerin schon immer Weihnachtspost verschickt. "Die Postkarten liegen daheim schon parat. Meistens schreibt mein Mann die", erzählt die Rentnerin. Auch ihre Enkel bekommen Weihnachtskarten. "Aber natürlich persönlich, nicht per Post. Da meine Enkelkinder Tiere sehr mögen, kaufe ich für sie meistens Motive mit Tieren im Schnee", fügt Inge Theobald hinzu.

Anders sieht es bei Manfred Schneider aus Heusweiler aus. "Ich bin kein Freund von Karten, habe noch nie welche verschickt." Seine Tochter bekomme zu Weihnachten immer eine SMS mit Weihnachtsgrüßen. "Und meine Frau bekommt die Grüße natürlich persönlich", sagt der Rentner mit einem Schmunzeln. Im Köllertal hält man es offenbar mit überlieferten Sitten und Gebräuchen. Jedenfalls ist das das Ergebnis unserer Online-Umfrage zum Thema Weihnachtsgrüße. 73 Leserinnen und Leser der Saarbrücker Zeitung , die im Köllertal leben, haben sich daran beteiligt. Und nur 27 Prozent von ihnen (20 Befragte) verzichten auf Weihnachtsgrüße. 73 Prozent hingegen, also eine überwältigende Mehrheit, grüßen Verwandte, Freunde und Bekannte zum Fest, so, wie es bei unseren Eltern und Großeltern üblich war. Repräsentativ, das sei hinzugefügt, ist unsere Umfrage natürlich nicht; sie zeigt freilich einen Trend. Aber anders als die Eltern- und Großeltern-Generation, die noch mit dem Briefeschreiben aufgewachsen sind, kennen unsere Leser viele Wege des Grüßens. Die meisten von ihnen bedienen sich moderner, sprich: digitaler Kommunikation: 30 Prozent (22 Teilnehmer) verschicken E-Mails. Doch auch Handschriftliches steht weiterhin hoch im Kurs, 25 Prozent versenden zu Weihnachten selbst geschriebene Briefe und Karten. Wobei viele Hand-Schreiber dafür sogar ein Extra-Werkzeug benutzen: 60 Prozent (44 Befragte) greifen für ihre Karten und Briefe ausdrücklich zum Lieblingskugelschreiber oder -tintenroller, für 15 Prozent muss es der Füllhalter sein. Nur 25 Prozent nehmen vorlieb mit irgendeinem Stift, der gerade zur Hand ist. Handgeschriebenes mögen auch diejenigen, die Weihnachtsgrüße erhalten: 23 Prozent der Umfrage-Teilnehmer sagen, dass sie sich besonders freuen über persönlich Formuliertes, das der Absender eigenhändig zu Papier gebracht hat. Aber an allererster Stelle steht offenbar, dass die Gruß-Schreiber persönliche Worte wählen. 41 Prozent (42 Befragte) finden es zwar ganz egal, auf welchem Weg und in welcher Form ein Gruß zu ihnen kommt - was aber zählt für die Freude, ist, dass der Brief, die Karte oder die E-Mail persönlich abgefasst ist. Auch vorgedruckte Karten können Freude bereiten, 16 Prozent der Umfrage-Teilnehmer mögen sie. Bilder, so beliebt sie beispielsweise in sozialen Netzwerken auch sein mögen, sind in Sachen Weihnachtsgrüße nicht so wichtig; nur neun Prozent freuen sich darüber am meisten.

sz-umfrage.de

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