Kühle Lesung im wildromantischen Garten

Kühle Lesung im wildromantischen Garten

Köllerbach. "Wie haben mich lieblich die Elfen umflattert! Ein luftiges Völkchen, das plaudert und schnattert!" Ein wenig fühlte es sich am Freitagabend tatsächlich nach dem Gedicht "Waldeinsamkeit" von Heinrich Heine, aus dem dieser Vers stammt, an

Köllerbach. "Wie haben mich lieblich die Elfen umflattert! Ein luftiges Völkchen, das plaudert und schnattert!" Ein wenig fühlte es sich am Freitagabend tatsächlich nach dem Gedicht "Waldeinsamkeit" von Heinrich Heine, aus dem dieser Vers stammt, an. Dagmar Schlingmann, Intendantin des Saarländischen Staatstheaters, trug es vor, dazu Geschichten vom Herrn Keuner, die von Bert Brecht stammen. Anlässlich der Reihe Literatissimo war Schlingmann im Garten von Wolfgang Regneri zu Gast.Literatissimo ist eine Püttlinger Kulturserie mit Lesungen in heimischen Gärten. Regneri besitzt einen, der sich, auf dem Köllerbacher Sommerberg, vorne kultiviert, hinten geheimnisvoll gibt. Beherrscht wird der rankenüberwucherte und wildromantische Garten von einer "Alten", wie Regneri die mächtige Eiche im Zentrum nennt. Die Püttlinger Autorin Eva Dörr-Vieregge hat diesem Garten Verse gewidmet - rund 60 Zuhörer lauschen der Dichterin "Abendliches Gartengeheimnis" gerne. Gegen abendliche Kühle helfen Tweedjacken, Wolldecken und Rotwein, den der Gastgeber anbietet. Krähen kreischen, ein altes Dieselfahrzeug fährt in der Nachbarschaft Kartoffeln aus, vom fernen Kirchturm klingt die Abendglocke und Dörr-Vieregge zitiert: "Manche mögen Poesie. Ich halte mich daran fest, wie an einem rettenden Geländer."Die dritte Frau im lesenden Bunde auf dem hölzernen Liegesofa ist die Schriftstellerin Margret Roeckner. Sie ist in der Nähe daheim. Roeckner kennt die knallroten Sonnenuntergänge auf dem Sommerberg, die "windumtoste Weite", den "geheimnis-umwitterten Garten, von Vögeln bewacht" des Nachbarn Regneri aus eigener Anschauung und beschreibt in wohlgesetzten Reimen, was sie dabei fühlt.Oder sie zitiert allzu menschliche Tiergeschichten des baltischen Lyrikers Manfred Kyber wie die von der superschönen Haselmaushochzeit. Zitat: "An einem alten Gemäuer stand ein Haselnussstrauch. Feine Spinnwebfäden spannen sich von der alten Mauer zum Haselnussstrauch hinüber. Der Mond stand groß und silbern am Himmel." So fügt sich, wie beim lustigen Haselmaus-Reigen, in Regneris Garten auch eins zum anderen und das Publikum darf im kommenden Jahr auf ein neues Literatissimo in Püttlinger Gärten hoffen.

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