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Spannende Mördersuche
Durch die Buchhandlung fliegen munter die Kugeln

In der Püttlinger Buchhandlung Balzert las Isabell Valentin aus ihrem neuen Kriminalroman „Die Zeit des Erwachens“ vor.
In der Püttlinger Buchhandlung Balzert las Isabell Valentin aus ihrem neuen Kriminalroman „Die Zeit des Erwachens“ vor. FOTO: Marco Reuther
Püttlingen. Isabell Valentin las in Püttlingen aus ihrem neuen Roman „Die Zeit des Erwachens“ vor. Wer hat den Insolvenzverwalter Richard Roth ermordet?

„Wann schreiben Sie eigentlich?“, fragt am Donnerstagabend in der proppenvollen Buchhandlung Balzert eine Zuhörerin die Autorin. Die ist nämlich Mutter von drei Kindern, Grafik-Designerin, Illustratorin, Dozentin für Malerei und für Kreatives Schreiben, war jüngst Herausgeberin der Krimi-Anthologie „Mörderisches Saarland“ und ist eben auch Krimi-Autorin – noch dazu eine gute. „Na ja, der Jüngste ist jetzt auch im Kindergarten – und abends“, antwortet Isabell Valentin auf die Frage. Die Autorin, Jahrgang 1978, lebt mit ihrer Familie und zwei Katzen in der Nähe von Lebach, dementsprechend sind ihre Romane Saarland-Krimis – allerdings nicht so, dass alle zwei Minuten jemand mit einem Baguette unterm Arm durchs Kapitel radelt.


In der Buchhandlung ist es, bei heimeliger Atmosphäre, so voll, dass Buchhändlerin Christina Barbian beim zuletzt hereingekommenen Gast, für den noch schnell ein Klappstuhl herbeigeholt wird, flachst: „So, jetzt ist auch das letzte Sitzkissen weg“, während sie ihm selbiges in die Hand drückt. Und dann geht‘s auch schon los. In Püttlingen hatte Isabell Valentin schon ihren Erstling vorgestellt, „Der Fährmann“. Ihr neuestes Werk, „Die Zeit des Erwachens“ (UB Verlag), ist ebenfalls ein Damian-Johannsson-Krimi, mit der gleichnamigen Hauptfigur und deren väterlichem Freund und Kollegen Aaron Breuer. Und wer den Erstling kennt, der weiß, dass die Autorin besonderen Wert auf interessante Chraktere und spannende Beziehungsgeflechte zwischen den Figuren legt. Daher ist man als Zuhörer überrascht, dass die Luft schon auf der ersten Seite des neuen Kriminalromans sehr bleihaltig wird und die Kugeln munter durch den Raum fliegen. Doch nach einem kurzen „Hä???“ kommt gleich ein „Ah!!!“ - die Autorin hat den Leser augenzwinkernd auf den Arm genommen. Wie, das wird hier natürlich nicht verraten.

Um einen Mord geht es allerdings schon: „Immer wieder schlug er mit dem kostbaren Jadefuß der kleinen Tischlampe zu. Auf und nieder. Wie ein Schmied bei seiner Arbeit. Endlich kam ihm in den Sinn, dass der Mann zu seinen Füßen schon lange tot war.“ So haucht der Insolvenzverwalter Richard Roth sein Leben aus. In Verdacht stehen ehemalige Mandanten des Toten und eine rumänische Einbrecherbande, der die Polizei schon seit einigen Monaten das Handwerk zu legen versucht. Dabei folgt die Autorin in ihrem Roman nicht nur „den Guten“ und ihren privaten Verwicklungen – so wird Damian, dessen frühere Drogenprobleme ihn an seiner Bindungsfähigkeit zweifeln lassen, in eine für ihn ungewöhnliche Familienrolle gedrängt –, sondern auch der Einbrecherbande. In der gibt es einen Machtkampf um die Führung, denn der Muskelprotz unter den Bandenmitgliedern will es nicht hinnehmen, dass die einzige Frau der Truppe auch deren Kopf ist.



Eine Zuhörerin will denn auch wissen, ob die Autorin schon selbst Erfahrungen mit Einbrechern gemacht hat. Ja, in ihrem Elternhaus wurde eingebrochen, als sie noch ein Kind war. Und durch einen Einbruch in der Nachbarschaft hatte sie zum ersten Mal von den so genannten Gaunerzinken erfahren, mit denen durchreisende Banden markieren, ob es in dem Haus etwas zu holen gibt und wie es bewohnt wird. Diese Gaunerzinken spielen auch eine Rolle in „Die Zeit des Erwachens“. Nur Insolvenzverwalter Roth, der wird natürlich nicht mehr erwachen. Wer dafür gesorgt hat?

(mr)