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Knappschaftsklinikum Saar in Püttlingen und Sulzbach
Krankenkasse will 500.000 Euro von Klinik

Ein Schlaganfall-Rettungswagen mit eingebautem CT (Computertomografen) ist auch an der Püttlinger Klinik stationiert.
Ein Schlaganfall-Rettungswagen mit eingebautem CT (Computertomografen) ist auch an der Püttlinger Klinik stationiert. FOTO: BeckerBredel
Püttlingen. Kassen klagen gegen Krankenhäuser: Es geht insbesondere um Schlaganfall-Patienten und deren Transport ins nächste Krankenhaus. Von Marco Reuther

Der Gesetzgeber hatte es wohl gut gemeint, dadurch aber Kliniken und Krankenkassen in Zugzwang gebracht: Die Fristen für die Kassen, um Klagen für spezielle Rückforderungen gegen Kliniken rückwirkend einzureichen, wurden verkürzt. So stehen nun viele Klagen an, die bei einigen Kliniken so richtig ins Geld gehen könnten. Auch das Knappschaftsklinikum Saar in Püttlingen und Sulzbach (die gemeinsame Verwaltung ist in Püttlingen) ist betroffen. An beiden Standorten zusammen waren bis vorige Woche erst Klagen in Höhe von etwa 50 000 Euro anhängig gewesen, berichtet die stellvertretende Geschäftsführerin Andrea Massone. Doch jetzt ist noch die Klage einer Kasse in Höhe von etwa einer halben Millionen Euro eingegangen.


Die Frist, um eine Klage einzureichen, war zwar bereits am 8. November abgelaufen, doch bis alle Klageschriften zugestellt sind, kann es bis zu etwa zwei Monaten dauern, so dass auch die jetzt eingegangene Klage noch zulässig ist.

Hintergrund der Rückforderungen, die sich saarlandweit auf etwa vier Millionen Euro belaufen könnten: Es geht dabei insbesondere um Schlaganfall-Patienten und deren Transport in die nächste Klinik. Einige Krankenhäuser, so auch die in Püttlingen und Sulzbach, haben eine so genannte Stroke-Unit, ein Team mit Spezialisten für Schlaganfallpatienten. Das bei einem Schlaganfall im Gehirn entstehende Blutgerinnsel wird von diesen Spezialisten – verkürzt ausgedrückt – mit Hilfe der Thrombolyse oder Lyse aufgelöst, dafür sorgen spezielle, hochdosierte und exakt abgestimmte Medikamente. „In zwei bis sechs Prozent der Fälle zeigt die Lyse aber nicht den gewünschten Erfolg“, berichtet Andrea Massone. Der Patient muss dann in eine Klinik mit einer Neuroradiologie gebracht werden, wo dann versucht wird, das Gerinsel mit einem speziellen Katheter-Eingriff zu entfernen. Und dieser Transport darf maximal 30 Minuten dauern. Die Rückforderungen hängen nun unter anderem mit Fällen zusammen, in denen die Kassen davon ausgehen, dass der Transport länger gedauert hat. .



Und wie lange dauert der Transport von den Kliniken in Püttlingen und Sulzbach zur nächsten Neuroradiologie? Das sei für die Zukunft kein Problem, meint Massone. Zumal mit den 30 Minuten, wie inzwischen offiziell bestätigt, tatsächlich die reine Transportzeit gemeint ist, und nicht die Zeit ab Erkennen des Schlaganfalls. Die Püttlinger Klinik hat eine Kooperation mit der Neuroradiologie auf dem Saarbrücker Winterberg, der Transport dauert etwa 24 Minuten. Die Sulzbacher Klinik kooperiert mit der Uni-Klinik Homburg, der Transport dauert etwa 25, 26 Minuten. Zudem werden die Röntgenbilder direkt an den Kooperationspartner übermittelt, was Zeit spart. Für die – problemlos zertifizierten – Schlaganfall-Einheiten in Püttlingen und Sulzbach gibt es also so ziemlich Entwarnung. Es könne aber nicht ausgeschlossen werden, dass bestimmte Krankenhäuser im Saarland ihre Stroke-Unit nicht mehr betreiben dürfen.

Was die anstehenden Klagen und deren Ausgang betrifft, zeigen sich die Kliniken in Püttlingen und Sulzbach verhalten gelassen – nicht zuletzt wegen der günstigen Transportzeiten.