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„Klein-Krieg“: Bakterien gegen Eichenprozessionsspinner in Püttlingen

Kostenpflichtiger Inhalt: Ein „Klein-Krieg“ auf biologischer Basis : Mit Bakterien gegen Eichenprozessionsspinner

Raupen mit Gifthaar sind auf dem Vormarsch. Püttlingen geht neue Wege und lässt Eichen mit dem bacillus thuringiensis einnebeln.

Klein sind sie und fies – weil sie Menschen schaden. Nein, ausnahmsweise ist hier nicht von Corona-Viren die Rede, sondern von den berüchtigten Härchen der Eichenprozessionsspinner-Raupe. Diese „Brennhaare“ lösen auf der Haut, wie es der Name sagt, so etwas wie Verbrennungen aus. Und die Verbreitung der Raupe nimmt stark zu. Als Gründe werden Klimawandel und erhöhte Jahres-Durchschnittstemperatur vermutet.

Bis zur vorigen „Raupen-Saison“ – die Raupe hat nur in einer bestimmten Phase ihrer Entwicklung die gefährlichen Brennhaare, in der Regel im Mai und Juni – hat die Stadt Püttlingen die Tiere aufwändig von drei Fachfirmen absaugen lassen, und zwar aus jenen Eichen, die an Orten stehen, an denen Menschen unterwegs sind, wie etwa an Spiel- oder Sportplätzen. Jetzt hat die Stadt einen neuen Weg eingeschlagen und setzt auf biologische Vorbeugung: Eine darauf spezialisierte Firma aus dem Odenwald hat mit eine Sprühkanone einen Flüssigkeits-Nebel in den Bäumen verteilt, der den bacillus thuringiensis, eine bestimmte Bakterienart enthält, die den Prozessionsspinner-Raupen den Garaus macht, ohne anderen Insekten oder gar Menschen zu schaden.

Bei fünf verschiedenen Firmen habe man angefragt und sich dann für besagte Methode entschieden, erklärt Martin Bläs (Technische Dienste Stadt Püttlingen und derzeit bei der Stadt für Umweltfragen zuständig). Das Bakterium schade zum Beispiel auch nicht Vögeln oder Fledermäusen, wenn diese die Raupen fressen. Eine frühzeitige Bekämpfung beseitige die Raupen zudem, bevor sie ihre in Eichen hängenden Gespinste mit abertausenden Brennhärchen verseuchen, die ihre schädliche Wirkung auch noch Jahre später entfalten können.

Bläs sagt aber auch: „Zu 100 Prozent können wir die Raupen so nicht entfernen“, aber die Zahl deutlich begrenzen. Ergänzend, so Bläs, sollen auch zahlreiche Nistkästen rund um die betroffenen Eichen aufgehängt werden – auf das sich die Vögel an den Raupen gütlich tun. Beim Bau haben – schon „vor Corona“ – der Nabu, die Erwerbslosenselbsthilfe Püttlingen und die Peter-Wust-Gemeinschaftsschule im Werkunterricht geholfen.

Ein weiterer Vorteil des bacillus thuringiensis: Die Raupenbekämfung ist mit seiner Hilfe deutlich preiswerter als mit dem Absaugen, das voriges Jahr etwa 20 000 Euro kostete. Während das Raupen-Problem in früheren Jahren nur vereinzelt auftrat und auch mal von der Feuerwehr erledigt werden konnte, ist der Eichenprozessionsspinner inzwischen so weit verbreitet, dass Püttlingen für dieses Jahr erstmals einen festen Betrag für dessen Bekämpfung im Haushalt eingeplant hat.

„Die Arbeit war an einem Vormittag erledigt“, schildert Eiko Leitsch, Chef der Firma „Eiko Leitsch Baumpflege“ in Nauheim, die mit ihren fünf Sprühkanonen jährlich mehrere tausend Eichen „einnebelt“. Das flüssige Mittel mit dem bacillus thuringiensis als Wirkstoff „wird in unserer Region schon seit vielen Jahren zur Schnakenbekämpfung eingesetzt“, inzwischen auch in den meisten Orten zur Raupenbekämpfung, berichtet Leitsch.

Biologische Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners: Eine auf einem Traktor montierte Sprühkanone der Firma von Eiko Leitsch „beschießt“ Eichen mit einer Flüssigkeit, mit der die Bakterienart bacillus thuringiensis auf den Blättern verteilt wird. Foto: Eiko Leitsch
Ein Gespinst-Nest von Eichenprozessionsspinnern enthält neben den Raupen Hunderttausende der giftigen Brennhärchen. Foto: dpa/Julian Stratenschulte
Böser Ausschlag nach der unliebsamen Bekanntschaft mit den Brennhärchen der Eichenprozessionsspinner-Raupe.  Foto: Saarforst

Wenn die Eichenblätter anfangen, sich zu entwickeln und somit auch mit dem baldigen Schlüpfen der Raupen zu rechnen ist, werden die Blätter besprüht. Fangen die Raupen dann an zu fressen, nehmen sie die Bakterien in sich auf und die meisten verenden. Für den Einsatz der Sprühkanone und des bacillus thuringiensis habe man nur ein schmales Zeitfenster von etwa vier Wochen, bevor die Raupen ihr Nesselgift ausbilden. „Die Brennhärchen können dann bis zu 1,5 Kilometer weit mit dem Wind fliegen, und in den ‚Tagesnestern’ der Raupen können 500 000 Haare zurückbleiben, die sieben bis zehn Jahre aktiv sind“, sagt Leitsch und empfiehlt: „Rechtzeitig kümmern!“