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Kein EU-Geld mehr für Aussiedlerverein

Zu russisch, zu wenig arabisch? Die Matrjoschka im Vordergrund deutet darauf hin. Der Verein „Aussiedler im Köllertal“ beim Malunterricht in Räumen der früheren Waschkaue Püttlingen (linkes Bild) stellt die russlanddeutsche Identität in den Mittelpunkt seiner Arbeit. Zweite von rechts (stehend) ist die Vorsitzende Tatjana Hempel. Rechtes Foto: Die Bauchtanzgruppe unter Leitung von Olga Amann 2010 bei einer Veranstaltung in Riegelsberg. Fotos: Faas (1)/ Gemeinde Riegelsberg (1)
Zu russisch, zu wenig arabisch? Die Matrjoschka im Vordergrund deutet darauf hin. Der Verein „Aussiedler im Köllertal“ beim Malunterricht in Räumen der früheren Waschkaue Püttlingen (linkes Bild) stellt die russlanddeutsche Identität in den Mittelpunkt seiner Arbeit. Zweite von rechts (stehend) ist die Vorsitzende Tatjana Hempel. Rechtes Foto: Die Bauchtanzgruppe unter Leitung von Olga Amann 2010 bei einer Veranstaltung in Riegelsberg. Fotos: Faas (1)/ Gemeinde Riegelsberg (1) FOTO: Die Bauchtanzgruppe unter Leitung von Olga Amann 2010 bei einer Veranstaltung in Riegelsberg. Fotos: Faas (1)/ Gemeinde Riegelsberg (1)
Püttlingen. Engagiert im Einsatz für Aussiedler, doch der Verein soll bei der Integrations-Arbeit die Flüchtlinge zu wenig berücksichtigt haben. Die Püttlinger Stadtverwaltung hatte ihm nahegelegt, keinen neuen Förderantrag zu stellen. Walter Faas

Seit 15 Jahren leistet der Verein "Aussiedler im Köllertal" (AIK) Integrationsarbeit. Doch momentan drohen dem Verein, der sich insbesondere um Aussiedler aus Russland und den Ländern der ehemaligen Sowjetunion kümmert, finanzielle Probleme. Woran liegt's? Am mangelnden Willen des Vereins, sich auch um Syrer, Afghanen und Afrikaner zu kümmern?



"Wir sind für alle offen", sagt Tatjana Hempel, Vorsitzende des Vereins. Sie selbst kam 1993 als Russlanddeutsche aus einer kasachischen Großstadt mit 150 000 Einwohnern ins Köllertal. Im AIK mit seinen Vereinsräumen in der ehemaligen Waschkaue der Püttlinger Grube Viktoria fand Tatjana Hempel, wie andere, ein Stück Heimat, etwa mit russlanddeutscher Folklore, in der Bauchtanzgruppe, mit Kaffeenachmittagen, Malunterricht und weiteren gesellschaftlichen Aktivitäten. Diese Arbeit wurde zeitweise mit Geld aus dem Europäischen Sozialfonds unterstützt. Nun klagt die heutige AIK-Vorsitzende im SZ-Gespräch darüber, dass seitens der zuständigen Behörden diese Mittel eingestellt wurden, insbesondere die Gelder für die Integrationsarbeit mit Frauen und Jugendlichen: "Das stellt den Verein vor große Probleme. Die genauen Gründe kennen wir nicht."

Die Saarbrücker Zeitung hat beim saarländischen Ministerium für Gesundheit, Familie und Frauen nachgefragt. Dort hieß es unter anderem: Eine Fortsetzung der Förderung "Berufliche Integration zugewanderter Frauen" beim AIK sei schon deswegen nicht erfolgt, weil der entsprechende Antrag vom Verein zurückgezogen worden sei. "Einem erneuten Antrag steht nichts im Wege", so der Ministeriumssprecher. Genau hier liege aber das Problem, betont Max Kuhnert, Leiter der Abteilung Bürgerservice der Stadt Püttlingen im SZ-Gespräch. Kuhnert: "Die Europäische Union stellt hohe Qualitätsansprüche, wenn sie solche Projekte genehmigt und finanziert." Unter anderem sei der Einsatz professioneller Sozialarbeit vorgesehen, um zielgerichtet Integrationsarbeit zu leisten. Dies aber sei im Fall der AIK Püttlingen, nach dem Rückzug eines sozialpädagogischen Trägers, nicht mehr gewährleistet gewesen, so Kuhnert. So hatte die Stadt dem Verein empfohlen, diesmal keinen Antrag zu stellen, wonach sich der Verein dann offenbar auch gerichtet hatte. Man sei jedoch von Seiten der Stadt jetzt "in aussichtsreichen Verhandlungen mit einem anderen Träger, so dass in wenigen Monaten die Voraussetzungen für die erneute Gewährung von Zuschüssen gegeben sein könnten."

Zum Thema:

Kontakt & Öffnungszeiten Das Büro des Vereins "Aussiedler im Köllertal" (AiK) ist zu erreichen unter Tel. (0 68 98) 69 81 73 oder per E-Mail an: verein.aik@gmail.com. Die Öffnungszeiten des Büros sind montags, mittwochs und freitags jeweils von 8.30 bis 12 Uhr. Geboten werden unter anderem verschiedene Tanzgruppen, ein Chor und das Projekt "Berufliche Integration von zugewanderten Frauen".