1. Saarland
  2. Saarbrücken
  3. Püttlingen

Kann sich der Püttlinger Wochenmarkt am neuen Standort halten?

Kann sich der Püttlinger Wochenmarkt am neuen Standort halten?

Schön ist er, der neu gestaltete Marktplatz in Püttlingen. Doch ist er auch der richtige Standort für den kleinen Wochenmarkt? Der ist, nach 15 Jahren am Kardinal-Maurer-Platz, wieder zurück gezogen. Doch nur die ersten drei Wochen lockte „das Neue“ verstärkt Publikum. So sind die Ansichten über den neuen Standort geteilt.

Nach langen Jahren des Überlegens ist der Püttlinger Wochenmarkt im Oktober vom Kardinal-Maurer-Platz auf den Marktplatz zurückgekehrt, wo er bis 1999 seinen Stammplatz hatte. Hübsch schaut es hier aus - der Platz ist erst kürzlich saniert worden. Bäume rund herum, Bänke zum Ausruhen, ein Brunnen.

Die ersten drei Wochen lief es ganz gut. Da kamen Leute, um den neu gestalteten Platz anzuschauen. Die Neugier hat sich gelegt. Die Besucher machen sich rar. Gewürzhändlerin Susanne Zeitz-Hoffmann macht Kaffee-Klatsch mit Textilhändler Christian Mayer, "weil so wenig los ist". Der Platz ist schön, das finden die beiden auch. "Aber wir leben nicht von einem schönen Platz. Wir leben vom Verkaufen", sagt Mayer. Er komme seit 35 Jahren nach Püttlingen , schon sein Vater hatte hier einen Stand.

"Vielleicht gewöhnen sich die Leute daran", sie sei ja schließlich auch extra hierher gekommen, meint Kundin Lydia Greif-Linz. Marktbesucherin Dunja Balzert findet den neuen Standort "schöner und ruhiger". Auch Besucher Karl Becker erklärt, es sei "prima hier" und "sehr in Ordnung". Es sei wieder wie früher. Der Markt sei da, wo er hin gehört. Der Obst- und Gemüsehändler fühlt sich auf dem Marktplatz ebenfalls wohl.

Die Kritiker vermissen jedoch die Laufkundschaft. Leute, die auf dem Weg zur Bank oder Apotheke vorbeikommen. Auch das Rathaus steht drüben, am Kardinal-Mauer-Platz. Dorthin war der Wochenmarkt 1999 wegen Renovierungsarbeiten "vorübergehend" verlagert worden. Das "Provisorium" währte 15 Jahre, weil es Marktkaufleuten besser gefiel, vielleicht auch, weil der Kardinal-Mauer-Platz so etwas wie die "gefühlte Stadtmitte" ist.

Die "echte" alte Mitte ist der Marktplatz. Schon die alten Römer hatten, wie Historiker Michael Müller erläutert, hier auf dem hochwasserfreien Platz ihren Siedlungsmittelpunkt. 1858 sei zum erstenmal amtlich angeordnet worden, an welchem Wochentag hier der Markt in Püttlingen abgehalten werden soll. Marktrechte habe Püttlingen schon im Mittelalter gehabt. Schließlich seien Märkte wichtig für die Versorgung der Bevölkerung gewesen.

Alles, was in der Umgebung erzeugt wurde, auf dem Feld gedieh, im Garten wuchs, im Stall stand, kam auf den Wochenmarkt. Und einmal im Jahr reisten Händler aus der Ferne zum Krammarkt an, mit Stoffen, Nähzeug und Töpfen im Gepäck - Sachen, die im Umland nicht produziert wurden.

Da in früheren Zeiten auch die Herrschaftsgebäude hier standen, war dieser Marktplatz das Zentrum. Heutzutage sind die klassischen Märkte nicht mehr (über)lebensnotwendig, Doch sie bringen Flair in die Stadt, sind schöne Treffpunkte, erweitern das Warensortiment.

Wenn die Kunden wegbleiben, bleiben allerdings auch die Händler weg. Und umgekehrt. Textilhändler Christian Mayer sieht den neuen alten Platz als "Verbannung" und "Gnadenstoß". Eiline Nickels, Sachbearbeiterin bei der Stadt für das Püttlinger Marktwesen, bangt um das Fortbestehen. Wie es weitergeht, liegt beim Publikum. Abgestimmt wird mit den Füßen.

Zum Thema:

Auf einen BlickDer Püttlinger Wochenmarkt ist montags und freitags, 8-12 Uhr. Die Standgebühr beträgt ein Euro pro laufenden Meter. Für die erste Adventwoche hat sich ein Stand mit weihnachtlichen Gebinden angesagt. Infos und Anmeldung im Rathaus bei Sachbearbeiterin Eiline Nickels, Tel. (0 68 98) 69 11 47. hof