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Jetzt macht es „Muh“ auf Ungarisch

Jetzt macht es „Muh“ auf Ungarisch

Ponderosa in Püttlingen: Gestern wurde das neue Beweidungsprojekt offiziell vorgestellt, diesmal mit Ungarischen Steppenrindern am Köllerbach. Der Umweltminister schaute vorbei, und es gab Erklärungen zum „Naturnahe Köllertal“

Die „alteingesessenen“ Wasserbüffel haben schon ein dickeres Fell und ließen sich von Umweltminister Reinhold Jost füttern – unter anderem mit dabei in der roten Regenjacke der Püttlinger Bürgermeister Martin Speicher. Foto: Jenal Foto: Jenal

Als der saarländische Umweltminister Reinhold Jost gestern Vormittag bei strömendem Regen auf Tuchfühlung mit den Wasserbüffeln am Ortsausgang Köllerbach ging, zeigte sich, wovon Dr. Hans-Friedrich Willimzik, Landestierschutzbeauftragter und Tierarzt in Köllerbach , zuvor im Sitzungssaal des Rathauses gesprochen hatte.

Denn trotz heftigen Regens zauberten die Tiere Jost ein Lächeln ins Gesicht, beim Füttern der bulligen Tiere mit Äpfeln schien das schlechte Wetter völlig vergessen. "Das macht unser Projekt ‚Naturnahes Köllertal' aus. Es geht uns nicht allein um den Schutz von Tieren und Natur - das sind natürlich wichtige Aspekte. Aber noch vielmehr steht für uns der Mensch im Mittelpunkt", erläuterte Willimzik das Beweidungsprojekt, das im dritten Jahr sichtbare Erfolge verzeichnet. So gibt es Jungtiere bei den Büffeln, erneut sind Kühe trächtig und erwarten bald wieder Nachwuchs. Ihre Heimat ist die Aue am Köllerbach geworden, dort sind auch drei Konikpferde zu Hause. Weitere von ehrenamtlichen Helfern betreute Projekte befassen sich mit der Ansiedlung von Wildbienen, geplant ist zudem ein Bienenlehrpfad.

Deutlich scheuer als die Büffel zeigten sich die Ungarischen Steppenrinder in der Köllertal-aue, für die es gestern eigentlich ihr offizieller "Vorstellungstermin" war; doch die Tiere, die erst kürzlich in Etzenhofen angesiedelt wurden, müssen sich wohl noch an die neue Umgebung gewöhnen. Aber auch sie, so betonte Püttlingens Bürgermeister Martin Speicher , werden immer zutraulicher, haben bereits die ersten Annäherungsversuche gestartet.

Die Rinder teilen sich am Köllerbach unter anderem mit Bibern das Revier. Und nach der Demontage von Stromleitungen sollen, wie Willimzik erläuterte, die Masten stehen bleiben und als weitere Storchennisthilfen und als Unterschlupf für Fledermäuse dienen.

Wenn es nach dem Tierschutzbeauftragten geht, könnte das Projekt, das bereits interkommunal angelegt ist und neben der Stadt Püttlingen auch in Völklingen, Heusweiler und Riegelsberg für die Begegnung zwischen Mensch und Tier sorgen soll, als einmaliges Modellprojekt für das Saarland weiter vorangetrieben werden. Willimzik betonte, dass es sich bei der Ansiedlung der Tiere auf den früheren Landwirtschafts-flächen um weit mehr als nur um ein externes Beweidungsprojekt handele: "Wir haben ganz klar mehrere Projektziele definiert". Neben dem Erhalt der Auenlandschaft und dem Schutz von bedrohten Tierarten solle das Projekt entlang des Köllerbachs von der Quelle bis zur Mündung auch die Infrastruktur der Orte, nicht zuletzt durch Tourismus, stärken und auch die Lebensqualität der Bevölkerung steigern. "Ich bin sicher, mit all diesen Zielen hat das Projekt gute Chancen, Modellprojekt für das Saarland zu werden", gab er Jost mit auf den Weg ins Ministerium. Dieser bescheinigte Willimzik, "ein liebenswerter Juppengänger" zu sein, "er ist der richtige Mann am richtigen Platz zur richtigen Zeit", so der Minister. Er lobte das Engagement der Ehrenamtlichen, "das nicht zuletzt zeigt, wie gut das Projekt von der Bevölkerung angenommen wird". Von Seiten des Ministeriums wolle man auch "die finanziellen Mittel in unserem Rahmen nochmals überprüfen".