Internet macht Einzelhändler nicht glücklich

Köllertal · Die Einzelhändler im Köllertal schreien nicht gerade vor Glück über die Konkurrenz aus dem Internet. Es gibt aber auch Branchen, die wenig davon betroffen sind, zeigte unsere Umfrage.

 Alles kann der Internet-Handel eben doch nicht ersetzen – zum Beispiel die unmittelbare Beratung vor Ort und das Begutachten der Ware mit eigenen Augen. Karikatur: Christophe Tupinier

Alles kann der Internet-Handel eben doch nicht ersetzen – zum Beispiel die unmittelbare Beratung vor Ort und das Begutachten der Ware mit eigenen Augen. Karikatur: Christophe Tupinier

 Alles kann der Internet-Handel eben doch nicht ersetzen – wie die unmittelbare Beratung vor Ort und das Begutachten der Ware mit eigenen Augen. Karikatur: Christophe Tupinier

Alles kann der Internet-Handel eben doch nicht ersetzen – wie die unmittelbare Beratung vor Ort und das Begutachten der Ware mit eigenen Augen. Karikatur: Christophe Tupinier

 Christina Barbian

Christina Barbian

 Barbara Quandt

Barbara Quandt

 Claudia Griss Fotos: Becker&Bredel

Claudia Griss Fotos: Becker&Bredel

 Birgit Becker

Birgit Becker

 Petra Schäfer

Petra Schäfer

 Sabine Schneider

Sabine Schneider

Der Internethandel hat in den vergangenen Jahren kräftig zugelegt. Es gibt viele Angebote, und man muss nicht aus dem Haus. Doch der Einzelhandel leidet unter dem Online-Shopping - auch im Köllertal , wie unsere Umfrage zeigte. Allerdings sind nicht alle Branchen gleichermaßen betroffen.

"Die Internetkonkurrenz ist nicht zu unterschätzen. Es gibt aber auch Kunden , die sich zwar im Internet schlau machen, wegen des guten Service aber bei uns buchen", schildert Barbara Quandt, Inhaberin des Reisebüros Quandt in Püttlingen . Der 40-jährigen Reiseverkehrskauffrau ist persönliche Beratung wichtig. Das Internet hat ihren Handel auch ganz unmittelbar beeinflusst: "Viele Angebote, die im Internet stehen, bieten wir auch an, sonst wären wir nicht konkurrenzfähig." Anfragen über die eigene Internetseite des Reisebüros seien auch möglich.

Die 43-jährige Augenoptikermeisterin Claudia Griss merkt von der Problematik nicht viel: "Für uns ist das Internet keine wirkliche Konkurrenz . Tatsächlich machen wir sogar mehr Umsatz als im vorigen Jahr", so Griss. Um regelmäßig Kunden anzulocken, starte das "Optikland" in Heusweiler Rabattaktionen und halte die Kunden auf seiner Internetseite auf neuestem Stand. "Ich glaube nicht, dass die Konkurrenz steigt, da Servicekräfte und Fachkenntnisse einfach fehlen, wenn man etwas im Internet kauft", erklärt die Püttlingerin.

"Die Konkurrenz aus dem Internet ist groß, aber sie ist zwangsläufig da. Konzepte können wenig dagegen tun", so Christina Barbian, Buchhändlerin im Familienbetrieb "Buchhandlung Barbian" in Püttlingen . Die Buchhandlung wird meist von Stammkunden und älteren Menschen besucht. "Wir beteiligen uns an vielen Ereignissen, um mitzuhalten. Zum Beispiel starten wir verschiedene Aktionen zum Weltbuchtag", erläutert die 49-Jährige. Eine Internetseite gibt es aus finanziellen Gründen nicht, dafür postet sie alle Neuigkeiten auf ihrer Facebook-Seite.

Die pharmazeutisch-technische Angestellte Birgit Becker merkt in der Brunnen-Apotheke in Heusweiler wenig von der Internetkonkurrenz: "Kranke Menschen gibt es immer. Allerdings lassen sich einige Leute bei uns beraten, um dann günstiger im Internet zu bestellen. Das ist schon ärgerlich." Die 44-Jährige aus Püttlingen glaubt, dass im Internet weniger die Zeitersparnis eine Rolle spielt, sondern eher der Preis, doch: "Eigene Rabattaktionen sind bei uns nur selten möglich, da die Produkte im Einkauf zu teuer sind. Deswegen gehen viele Menschen eher in eine Verbundapotheke." Die Brunnen-Apotheke in Heusweiler besitzt eine Internetseite, über die Möglichkeit zum Online-Shopping denke man nach.

Die Inhaberin des Fitnessstudios "Mrs. Sporty" in Riegelsberg, Petra Schäfer, ist der Meinung, dass die Internetkonkurrenz zum Zeitgeist gehört. Auch für Fitnessstudios gibt es Internet-Konkurrenz, etwa durch Übungsvideos. "Dabei fehlt aber der persönliche Kontakt. Um den aufrecht zu erhalten, rufen wir unsere Kunden gerne an und motivieren sie", erzählt die 51-Jährige. "Außerdem korrigiert im Fitnessstudio eine Fachkraft, denn falsche Körperstellungen könnten fatale Folgen haben." Um Kunden zu gewinnen und zu halten, geht das Studio mit der Zeit: "Wir haben als einziges Studio im Saarland die neuen Pixformance-Geräte. Ein elektronischer Personal-Trainer, der über persönliche QR-Codes Trainingspläne erstellt. Aber auch das funktioniert nicht ohne Fachkraft." Übungen, Rezepte und Mitglieder des Monats werden auf ihrer Internetseite vorgestellt.

"Wir unterstützen den Einzelhandel und kaufen selbst sehr ungern über das Internet", sagt Sabine Schneider, Schuhverkäuferin im Dörr-Wilms Schuhhaus in Riegelsberg. Sie versuchen die Kunden mit regelmäßigen Angeboten und guter Beratung zu halten: "Hauptsächlich kommen Stammkunden zu uns, die schon von klein auf bei uns einkaufen." Das Schuhhaus sei auf Kinderschuhe spezialisiert, da es in der Umgebung recht wenig davon gebe. "Wir sind auch im Internet präsent und bieten online eine Beratung an", sagt die 56-Jährige aus Saarbrücken, "aber wir wollen lieber, dass die Leute persönlich vorbeikommen, deswegen existiert kein Online-Shopping."

Was die Käufer über den heimischen Computer erstehen, so Yvonne Schmieder von der Verbraucherzentrale des Saarlandes, unterscheidet sich nicht sehr vom herkömmlichen Handel. "Unterhaltungselektronik und Bekleidung sind am häufigsten", sagt Schmieder. Die 37-Jährige ergänzt: "Auch Möbel und Lebensmittel sind übers Internet zu ordern." Sogar Frischlebensmittel legten in der Gunst zu. Die Belieferung funktioniere dann in der Regel über lokale Vertragspartner. Insgesamt gesehen werde im Netz immer mehr bestellt.

Doch die Expertin weist auch auf eine wichtige Neuerung für Verbraucher im Internethandel hin: Wer Ware, die ihm doch nicht so gut gefällt, zurück schickt, der muss das nun selbst bezahlen, wenn es das Unternehmen verlangt. Bisher hatten in Deutschland die Unternehmen das Porto tragen müssen. Doch meist nehmen die Internetfirmen das Rücksende-Porto auch weiterhin auf die eigene Kappe. Allerdings werden diese in der Summe hohen Portokosten wohl letztlich auf den Kaufpreis umgelegt, sagt Schmieder. Und diesen verdeckten Aufschlag hat dann jeder Kunde zu berappen.

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