Im zweiten Leben Ort der Kunst

Fast ein Dreivierteljahrhundert war der Bahnhof Püttlingen eine Station an der Köllertalstrecke. Der Stilllegung vor gut 30 Jahren folgte ein vier Jahre währender gefährlicher Dornröschenschlaf. Aber das Kulturforum Köllertal stoppte diesen schleichenden Verfall und brachte neues Leben in die Gemäuer.

 Dieses Gebäude in Von der Heydt, ehemals das Zuhause von Bergbeamten, ist wie der Kulturbahnhof Püttlingen in der Broschüre „Industriekultur im Köllertal“ zu finden. Foto: Janson/Schmidt
Dieses Gebäude in Von der Heydt, ehemals das Zuhause von Bergbeamten, ist wie der Kulturbahnhof Püttlingen in der Broschüre „Industriekultur im Köllertal“ zu finden. Foto: Janson/Schmidt Foto: Janson/Schmidt

Der Bahnhof Püttlingen ist in mancherlei Hinsicht außergewöhnlich.

Zuerst wäre da seine Lage nahe am Ortsausgang. Dann ist er heute ein beliebter Veranstaltungsort für die verschiedensten Kultur events und ein Gastronomiebetrieb. Aber auch die Architektur des Gebäudes ist bemerkenswert.

Der Bahnhof besteht aus einem Hauptgebäude mit einem steilen, schiefergedeckten Satteldach, einem kleineren Anbau für den Wartesaal und einer eingeschossigen Stückguthalle. Das Hauptgebäude ist heute hellgelb gestrichen. Die sichtbaren Holzteile sind in Dunkelrot gehalten. Beide Farbtöne sind historisch belegt.

Die Stückguthalle ist ein Fachwerkbau mit großen, roten Holztoren, im Inneren unverputzt und mit sichtbarem Fachwerk aus Holz und Ziegeln. Auch das Gelände hinter dem Gebäude mit Bahnsteig und altem Ortsschild, Waggons und grünen Unterführungspavillons verrät bis heute seinen eigentlichen Nutzen. Gebaut wurde der Bahnhof Püttlingen im Jahr 1911 als königlich-preußischer Bahnhof, von dem aus die Arbeiter zur Völklinger Hütte fahren konnten.

Er war eine Station der Eisenbahnlinie zwischen Völklingen und Lebach, der "Köllertalbahn", und ist daher ein Relikt der Industriekultur des Köllertals. Bis 1985 war der Bahnhof in Betrieb. Dann wurde er stillgelegt. "In den nächsten vier Jahren fiel er in einen Dornröschenschlaf. Das war aber keineswegs romantisch", erzählt Clemens Sebastian, der 1. Vorsitzende des Kulturforums Köllertal.

1988 schlossen sich einige kulturinteressierte Püttlinger Bürger zusammen, um den Verfall des Bahnhofs zu stoppen und um ihn zu einem Kulturort zu machen. 1989 wurde der Bahnhof unter Denkmalschutz gestellt. Bei der Restaurierung des Gebäudes wurde viel Wert auf behutsame Instandsetzung gelegt. "So wurden die noch erhaltenen Fliesen im Stellwerk entfernt, nummeriert und nach Sanierung der Mauer wieder sorgfältig angebracht", sagt Heike Kolling-Krumm, Geschäftsführerin des Kulturforums Köllertal.

Mit Unterstützung der Stadt Püttlingen , des Regionalverbandes Saarbrücken und des Saarlandes eröffnete das Kulturforum im Jahr 1993 das Hauptgebäude für Veranstaltungen. Seither finden in dem alten Bahnhofsgebäude mehrmals im Monat Kleinkunstabende, Konzerte und Ausstellungen statt.

Die Dienstwohnung des Bahnhofsvorstehers unter dem steilen Satteldach bietet Räume für Vereine und die Volkshochschule. Die Stückguthalle, die vorher noch gewerblich genutzt wurde, kam im Jahr 2004 hinzu. "Die Ziegelsteine, die in der Halle verbaut sind, stammen nicht von hier. Es war ja ein königlich-preußischer Bahnhof. Als die Halle restauriert wurde, fehlten die Steine. Ein Vereinsmitglied hat im Urlaub in Brandenburg zufällig eine Baracke entdeckt, deren Ziegelsteine genau passten. Und diese Steine haben wir dann gekauft und verbaut", erzählt Clemens Sebastian.

Gerade die aufwendig restaurierte Stückguthalle mit ihrem sichtbaren Mauerwerk und historischen Beschriftungen ist heute als Veranstaltungsort für Konzerte, aber auch für Tanzkurse und Ausstellungen sehr beliebt. Und dank der sorgfältigen Restaurierung spürt man hier immer noch etwas von der Industriekultur des Ortes.

bahnhof-puettlingen.de