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Illegale Müllentsorgung nimmt kein Ende

Püttlingen. Im Grunde sind Ferkel ja reinliche Tiere – mit Ausnahme der Umwelt-Ferkel: Jahr für Jahr berichten die vier ehrenamtlichen Püttlinger Umweltbeauftragten von illegalen Müllablagerungen – obwohl doch richtige Müllentsorgung nicht teuer, ja manchmal kostenlos ist. Monika Jungfleisch

Einmal im Jahr berichten die vier Naturschutzbeauftragten der Stadt Püttlingen im Werksausschuss des Stadtrates über ihre Tätigkeiten. Und alljährlich zeigt sich dabei, dass die Umwelt-Sünder offenbar unbelehrbar sind, denn trotz Wertstoffhof, gelber Säcke, blauen, grünen und grauen Mülltonnen wird der Müll in den Wäldern und Auen der Stadt Püttlingen nicht weniger. Das jedenfalls zeigen die Berichte der vier Ehrenamtler Stefanie Bauer, Elmar Besch, Franz-Josef Nickels und Christian Zeller.



Alle vier Naturschutzbeauftragte rückten voriges Jahr mehrfach zu illegalen Müllablagerungen aus. Christian Zeller, zuständig für den Bereich östlich des Köllerbachs im Stadtteil Püttlingen , versuchte sogar, an Hand der Fundstücke die Umweltfrevler zu enttarnen, allerdings ohne Erfolg. Gefunden wurden etwa "halbe Hausstände" mit Toilettensitz, Bauschutt, Möbel und zerbrochene Fenster samt Rahmen, zählte der für den Stadtteil Berg zuständige Elmar Besch auf. Gegenstände, die oft nur mit Hilfe von Traktoren wieder aus dem Wald abtransportiert werden konnten und die auch eine Verletzungsgefahr für Mensch und Tier darstellen. Immer wieder trafen die Naturschutzbeauftragten auch auf Elektroschrott, obwohl der doch kostenlos im Wertstoffhof abgegeben werden kann.

Franz-Josef Nickels, zuständig für den Bereich westlich des Köllerbachs im Stadtteil Köllerbach, musste sich unter anderem mit ungeklärten Abwassereinleitungen in den Sellerbach beschäftigen. Sogar Umweltalarm hatte er ausgelöst, da die Abwässer ein auffälliges Fische- und Schildkrötensterben zur Folge hatten.

Stefanie Bauer, zuständig für den Bereich östlich des Köllerbachs im Stadtteil Köllerbach, war durch Wildschweinschäden häufig rund um den Sommerberg unterwegs zu verärgerten Grundstücksbesitzern, denen sie erklären musste, dass Wildschäden weder von den Jagdpächtern noch von der Stadt Püttlingen ersetzt werden. Grundstückseigner müssen ihre Grundstücke selbst wildsicher machen.

Alle Naturschutzbeauftragten beteiligten sich an Baumpflanzaktionen und der Picobello-Aktion, ebenso am Beweidungsprojekt für die Köllerbach-Aue zwischen Köllerbach und Püttlingen , mit dem Büffel und Wildpferde angesiedelt wurden - man hofft, dass sich bald Weißstörche hinzugesellen. Aktiv waren die Naturschutzbeauftragten auch in Puncto Krötenwanderung sowie beim Umsiedeln von Hornissen, Wespen und Bienen, beim Aufdecken von illegalen Bauvorhaben in der freien Landschaft und beim Kinderferienprogramm.

Häufig waren die Naturschutzbeauftragten auch Ansprechpartner für Bürger, die Fragen etwa übers Baumfällen oder den Umgang mit Wildtieren im eigenen Garten hatten. Die Naturschutzbeauftragten würdigten die gute Zusammenarbeit mit dem Bauhof, während Fraktionen und Bürgermeister einmütig das Engagement, den Einsatz von Zeit, Energie und Herzblut der Natur-Beauftragten hervorhoben. Die Berichte der Naturschutzbeauftragten führten im Werksausschuss zu Überlegungen, wie man illegalen Müllentsorgungen zu Leibe rücken könnte. Hans-Josef Schwindling (DKP) fragte, ob es keine Möglichkeit gebe, den uneinsichtigen Bürgern mit Kameras zu Leibe zu rücken, die an den bevorzugten Plätzen für wilde Müllablagerungen aufgehängt werden könnten. Ein Überwachungssystem, das schon an verschiedenen Standorten von Altpapier- und Glascontainern zum Einsatz gekommen sei.

Bürgermeister Martin Speicher sagte: "Wir müssen einen sehr hohen Aufwand für die Reinigung rund um Containerstandorte bezahlen. Es ist wirklich bedauerlich, dass Vernünftige wegen der Unvernunft anderer deren Dreck wegmachen müssen. Aber gegen die Unvernunft mancher Mitmenschen ist kein Kraut gewachsen."

Gert Müller (SPD ) befürchtet, dass die Mengen illegaler Müllentsorgung noch zunehmen, sollte die Stadt Püttlingen das "Verwiegesystem" für den Hausmüll einführen. "Eine Diskussion, der sich der Stadtrat noch vor der Sommerpause stellen muss", erklärte Bürgermeister Martin Speicher . Der Entsorgungsverband Saar, über den die Stadt Püttlingen den Müll entsorgen lässt, will in vier Informationsveranstaltungen in den nächsten Wochen die Bürger über das Müll-Verwiegesystem informieren.

Zur Zeit werden die Müllgebühren der Püttlinger Bürger anhand der Anzahl der Tonnenleerung berechnet. Der Stadtrat wird hierzu eine Entscheidung treffen müssen.

Robert Knecht (CDU ) schrieb den Umweltfrevlern ins Stammbuch: "Ich glaube, dass viele, die ihren Müll in den Wald fahren, gar nicht wissen, was eine legale Müllentsorgung kostet. Viele verfahren mehr Benzin für ihre illegalen Entsorgungen als eine zusätzliche Leerung ihrer Mülltonne kosten würde." Außerdem riskieren sie einen Strafbefehl.