HSV Püttlingen spielt für seine tödlich verunglückte Mitspielerin

HSV Püttlingen : Ein Sieg für „Charly“

Handball-Oberligist Püttlingen muss am Tag nach der Beerdigung von Charlotte B. aufs Spielfeld. Die Mannschaft will für ihre verunglückte Mitspielerin spielen. Und wie sie das tut: Der HSV bezwingt den Favoriten HSG Hunsrück mit 25:21.

Es war ein ganz schwerer Gang für alle beim Handball-Oberligisten HSV Püttlingen auf das Spielfeld im Püttlinger Trimm-Treff. Es war das erste Spiel nach dem Unfalltod der Polizistin Charlotte B., die beim HSV spielte. „Charly“, wie sie genannt wurde, war bei einer Einsatzfahrt in Saarbrücken-Güdingen ums Leben gekommen (wir berichteten mehrfach). Ihre Mannschaft musste am Tag nach der Beerdigung der 22 Jahre alten Polizei-Kommissarin gegen den Tabellenzweiten HSG Hunsrück antreten.

„Die ganze Mannschaft war anwesend bei der Beerdigung. Wir haben uns im Anschluss bei Co-Trainerin Karoline Bittern getroffen und gesagt, dass wir für ,Charly’ spielen. Die Mannschaft ist mit diesem Willen aufgetreten, das Spiel für sie zu gewinnen“, sagt Püttlingens Trainer Hans-Werner Müller. Und seine Spielerinnen holten den Sieg für ihre verunglückte Mitspielerin. Die Püttlingerinnen bezwangen den Favoriten aus dem Hunsrück am vergangenen Sonntag vor 70 Zuschauern mit 25:21 (16:10).

„Es war sehr, sehr emotional“, sagt Müller. Nach einer Schweigeminute für Charlotte B. vor dem Anpfiff legte der HSV Püttlingen einen Blitzstart hin. Den ersten Treffer erzielten die Gäste aus dem Hunsrück. Deren Fans waren im Vorfeld darum gebeten worden, aus Respekt vor der Situation auf den Einsatz von Trommeln während des Spiels zu verzichten. Sie kamen dieser Bitte nach. Nach dem 0:1 drehten die Gastgeberinnen das Ergebnis binnen zwei Minuten zu ihren Gunsten – und waren von da an nicht mehr zu stoppen. Linksaußen Aline Engel vollendete mit ihrem Treffer in der 9. Minute einen 6:0-Lauf.

„Wir hatten das Spiel im Griff. Das war schon überraschend“, sagt Müller. Er lobt: „Wir hatten eine überragende Torhüterin mit Claudine Bendun. Und vorne hat Aline Engel auf Außen alle ihre Chancen weggemacht.“ Sie war am Ende des Tages mit sechs Treffern die beste Werferin der Partie. Bendun, die bis auf einen Strafwurf, bei dem Cornelia Franz einsprang, über die kompletten 60 Minuten im Tor stand, hielt den stärksten Angriff der Liga in Halbzeit eins bei nur zehn Treffern. Von sechs Siebenmetern konnten die Gäste nur zwei verwandeln.

Dabei mussten die Püttlingerinnen nicht nur den Tod ihrer Mitspielerin verkraften, sondern auch personell arg gebeutelt spielen. Blerta Ilazi und Fabienne Hoffmann fehlten urlaubsbedingt. Alexandra Bos verletzte sich in der ersten Halbzeit am Knie, konnte nicht weiterspielen. Eine endgültige Diagnose ihrer Verletzung steht noch aus. Auch der Einsatz von Lisa Vogt, die aus der zweiten Mannschaft aufgerückt war, war vorzeitig beendet. In der 25. Minute sah sie nach einem Zweikampf die Rote Karte.

„So hatten wir in der zweiten Halbzeit nur eine Auswechselspielerin“, sagt Müller. Die Mannschaft des 62-Jährigen führte zur Pause mit 16:10. Allen Widrigkeiten zum Trotz spielte sie auch in der zweiten Halbzeit für „Charly“. Die HSG Hunsrück kam zehn Minuten nach dem Seitenwechsel bis auf 15:18 heran. Doch die Püttlingerinnen erzielten vier schnelle Treffer in Folge – und hielten den Gegner bis zum Schluss auf Distanz. Müller sagt: „Es gab viele Tränen nach dem Spiel. Die Mannschaft hat gesagt, dass ,Charly’ bei uns war und das Spiel von oben dirigiert hat.“

Der HSV Püttlingen belegt Tabellenplatz zehn. Sein nächstes Spiel bestreitet er am Samstag, 9. März, um 18 Uhr in der Waldsporthalle beim Drittletzten Sportfreunde Budenheim.