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Historisches kann auch tragisch sein - Jahrbuch Köllertal erschienen

Heimatgeschichte : Historisches kann auch tragisch sein

Das neue Köllertaler Jahrbuch wurde im Püttlinger Schlösschen vorgestellt – 37 Berichte auf 146 Seiten.

„Das neue Köllertaler Jahrbuch setzt sich mit Ereignissen auseinander, die das Köllertal entscheidend geprägt haben“, sagte die Püttlinger Bürgermeisterin Denise Klein bei der Vorstellung des Buches im Püttlinger Schlösschen. Auch diesmal wieder verbindet das Werk Historie und Gegenwart mit Erinnerungen von Zeitzeugen. Die neue Publikation der Arbeitsgemeinschaft Köllertaler Jahrbuch präsentiert auf 146 Seiten insgesamt 37 Berichte von 16 Autoren zu Regionalgeschichte und Volkskunde, über Natur, Kultur und Freizeitkunde sowie Porträts Köllertaler Persönlichkeiten, verbunden mit acht Statistiken und 104 Fotos, die Redaktionsleitung hatte Monika Jungfleisch.

Schwerpunkte lagen diesmal auf den Jahren 1919, 1939, 1959 und 1989. So beschreibt Pfarrer Professor Joachim Conrad die Zeit des Völkerbundes an der Saar bis zur ersten Saarabstimmung 1935. Bärbel Speicher erinnert daran, wie die Frauen 1919 das Wahlrecht erhielten, und Monika Jungfleisch befasst sich mit der ersten Evakuierung des Köllertals im Jahr 1939.

Aufwühlende und erschütternde Beiträge liefern Jungfleisch und Georg Fox. So hat Monika Jungfleisch recherchiert, dass die Nazis auch Köllerbacher Psychiatriepatienten in der Tötungsanstalt Hadamar ermordeten. Und Georg Fox erinnert nach Gesprächen mit Zeitzeugen daran, wie zwei junge Soldaten im Köllerbacher Steinbruch hingerichtet wurden. Die beiden 19-Jährigen hatten etwa zwei Wochen in Köllerbach, nicht besonders stark bewacht, wegen Fahnenflucht in Gefangenschaft verbracht. Das Hinrichtungskommando muss für sie überraschend gekommen sein, denn fünf Mitglieder eines „Sonderstandgerichts“ in Köllerbach hatten die Erschießung – also die Ermordung der 19-Jährigen angeordnet, das „Urteil“ wurde nicht verkündet, sondern gleich vollstreckt.

Rainer Freyer ruft im Jahrbuch den „Tag X“ ins Gedächtnis zurück, als die wirtschaftliche Angliederung des Saarlandes an die Bundesrepublik Deutschland vollzogen wurde. Und Rudi Müller befasst sich mit dem Mauerfall im Jahre 1989 und seinen Auswirkungen auf das Köllertal.

Weitere historische Beiträge liefern Konrad Hansen, der vom Brand der katholischen Kirche St. Josef im Jahr 1949 erzählt, Monika Jungfleisch, die an 50 Jahre Pflugscheidschule erinnert und Jürgen Conrad, der sich mit dem Ende des Bergbaus an der Saar befasst. Wichtige Ereignisse aus dem Jahre 2019 runden das neue Jahrbuch ab. Musikalisch umrahmt wurde die Buchpräsentation von dem 13-jährigen Pianisten Elias Kalla von der Musikschule Püttlingen.

Die Gräber der beiden 19-jährigen Soldaten, die das Nazi-Regime kurz vor Kriegsende in Köllerbach hinrichteten ließ. 1954 wurden sie von Köllerbach zum Soldatenfriedhof in Schwalbach-Elm umgebettet. Foto: Georg Fox

Erhältlich ist das Köllertaler Jahrbuch für zwölf Euro in Püttlingen bei der Buchhandlung Balzert, Schreibwaren Conrad, Schreibwaren Kimmling und im Kulturbahnhof, im Post-Shop Köllerbach, in Riegelsberg in der Bücherstube, bei Schreibwaren Darimont, Zapp und Komma, bei Geschenke La Casa in Heusweiler, bei Schreibwaren Mariani in Dilsburg, bei Schreibwaren Altmeier in Holz sowie bei BPS Imkereiausrüster in Eiweiler.