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Tiere Vögel Wildvogelauffangstation : Hier werden gefiederte Patienten aufgepäppelt

Tiere Vögel Wildvogelauffangstation : Hier werden gefiederte Patienten aufgepäppelt

In der ehemaligen Püttlinger Stadtgärtnerei ist nun die Zentrale Wildvogelaufauffangstation für das Saarland untergebracht.

Am Samstag in der Zentralen Wildvogelauffangstation, kurz WiVo genannt, in Püttlingen. Die Anlage befindet sich am Stadtrand zu Völklingen in der ehemaligen Stadtgärtnerei. Die hat die Stadt Püttlingen dem Naturschutzbund Saar (Nabu) und den örtlichen naturschutztreibenden Vereinen zum Betrieb der WiVo. überlassen. Jetzt finden alle kranken oder verletzten Piepmätze, ja sogar anerkannte Jäger der Lüfte, den Weg hierher.

Die ehrenamtlichen Helfer und geringfügig Beschäftigten wurden für ihre Aufgabe geschult. Sie füttern Ästlinge – so heißen Jungvögel, die aus dem Nest gefallen sind – mit Pinzetten, bringen Mauersegler ins dafür eingerichtete Zentrum in Frankfurt, lassen Rauchschwalben oder Mönchsgrasmücken, wenn’s sein muss, mit vorgewärmten Kräuterkissen überwintern. Ein Türkentäubchen hat sich den Flügel gebrochen. Und der Waldkauz, der so apathisch daliegt, bekommt Opium gegen die Schmerzen – er erlitt ein Anflugtrauma. In Wochen, wenn’s ihm besser gehen sollte, zieht er nach Weiskirchen-Rappweiler in die große Voliere von Stefan Klasen um, um erst seine Flugmuskalatur so zu stärken, dass er auch das Leben im Wald wieder packt. „Sie sehen, Vogelschutz tut not“, sagt Karl Rudi Reiter, 2. Vorsitzender des Nabu Saar. Reiter ließ am Samstag bei der offiziellen Einweihung die Geschichte der WiVO Revue passieren. 2015 mussten im Saarland gleich zwei ehrenamtlich betriebene Stationen, die sich um Kleinvögel kümmerten, schließen.

Die Mauerseglerkrise im gleichen Jahr mit Bullenhitze verschärfte die Situation. Problem erkannt, Problem gebannt. Im Rahmen eines Kooperationsvertrages zwischen der Stadt Püttlingen, die mit der alten Gärtnerei über nahezu ideale Räume verfügt, dem saarländischen Umweltministerium, der Tierschutzstiftung, weiteren Beteiligten und vielen freiwilligen Helfern wurde zunächst das „Haus Waldkauz“ des Natur- und Vogelschutzvereins Püttlingen auf der Ritterstraße als Provisorium genutzt, bis der endgültige Umzug erfolgen konnte.

Viel Herzblut und Fördergeld seien in den vergangenen Monaten in das Projekt geflossen, betonten die Grußwortgeber, Bürgermeister Martin Speicher aus Püttlingen und Bürgermeister Thomas Redelberger aus Heusweiler. Roland Krämer, Staatssekretär im saarländischen Umweltministerium, ergänzte: Das Ministerium beteilige sich am Um- und Ausbau der Station, an den Medikamenten- und Futterkosten sowie an der dauerhaften Finanzierung von zwei Stellen im Rahmen eines Freiwilligen Ökologischen Jahres. Krämer: „Unser Ziel ist es, die zentrale Wildvogel­auffangstation so zu etablieren, das sie mit anderen Stationen im Land in Weiskirchen, Blieskastel und Eppelborn vernetzt wird.“

Diese Auffang- und Pflegestationen dienten zum einen dem Artenschutz und leisteten darüber hinaus  einen wesentlichen Beitrag zum Tierschutz, das heißt zum Schutz des Lebens und des Wohlbefindens der Tiere als Mitgeschöpfe des Menschen. Nabu-Vorstand Reiter griff den Gedanken auf: „Wir erfüllen hier auch eine wichtige soziale Aufgabe, wenn Sie einmal bedenken, dass unsere 1500 gefiederten Patienten von schätzungsweise 3000 Menschen hierher gebracht worden sind. Die Leute, besonders Kinder, nehmen großen Anteil an unserer Arbeit.“

Geöffnet ist die WiVo Saar in Püttlingen, An der Kläranlage 1, während der Winterperiode ab dem 1. Oktober montags bis freitags von 10 bis 12 beziehungsweise von 15 bis 17 Uhr, an Wochenenden und an Feiertagen zwischen 10 und 11 Uhr sowie von 15 bis 16 Uhr. Die Rufnummer der Hotline lautet (01 73) 9 42 20 01.

www.nvv-puettlingen.jimdo.com