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Eberhard Gnahs
Gnahs hängt nahezu überall

„Erzengel“ heißt dieses auf Holz gemalte Bild von Eberhard Gnahs. Ein Großformat, es misst 90 mal 200 Zentimeter. Es greift historische Realität auf: Vor 1900 waren es Frauen, die die auf der Saar ankommenden Erzkähne ausluden und den Hütten-Rohstoff in großen, schweren Körben zu den Hochöfen trugen – eine harte Arbeit. Die meist jungen Frauen, die sie verrichteten, wurden im Volksmund „Erzengel“ genannt.
„Erzengel“ heißt dieses auf Holz gemalte Bild von Eberhard Gnahs. Ein Großformat, es misst 90 mal 200 Zentimeter. Es greift historische Realität auf: Vor 1900 waren es Frauen, die die auf der Saar ankommenden Erzkähne ausluden und den Hütten-Rohstoff in großen, schweren Körben zu den Hochöfen trugen – eine harte Arbeit. Die meist jungen Frauen, die sie verrichteten, wurden im Volksmund „Erzengel“ genannt. FOTO: Karl-Heimnz Schäffner / Karl-Heinz Schäffner
Völklingen. Eberhard Gnahs war Völklingens „Hüttenmaler“. Erst spät entdeckte er sein künstlerisches Talent. Eine städtische Broschüre informiert über seine Arbeit.

Der Mann mit dem Barett war früher Hüttenarbeiter, entwickelte sich dann zum Hüttenmaler und war auch ansonsten ungeheuer produktiv. Mit seiner typischen Kopfbedeckung war er  in der Öffentlichkeit bekannt wie der sprichwörtliche bunte Hund. Und Eberhard Gnahs, verstorben 2005, hat in Völklingen viele Spuren in Form von Werken hinterlassen. Bilder wie sein eindrucksvoller Erzengel-Zyklus sind weithin bekannt. Aber nicht nur in Völklingen werden Gnahs’ Arbeiten geschätzt. Der Künstler ist beispielsweise ebenfalls in der Galerie des Köllertals (Sammlung des Püttlinger Kulturbahnhofs) mit mehreren Arbeiten vertreten.



Doch Gnahs hat auch ansonsten nicht nur viel gemalt, sondern auch eine unübersehbare Zahl von Bildern verkauft. „Er hängt immer noch in sehr vielen Wohnzimmern“, weiß Kunsthistoriker Hendrik Kersten, der als Projektleiter in Gnahs’ früherer Heimat, dem Weltkulturerbe Völklinger Hütte, tätig ist. „Und viele wissen gar nicht mehr, was sie da haben.“

Der gelernte Handwerker, der sich selbst das Malen beibrachte, hat Anerkennung in der Kunstwelt erfahren. Da nannte man ihn zum Beispiel „den Mann, der die Farbe Schwarz zum  Leuchten bringt“. Doch es ist schwer abzuschätzen, was ein echter Gnahs wert ist. Er habe stets selbst verkauft, nie einen Galeristen gehabt. Und so habe sich auch keine Preisentwicklung ergeben, sagt Kersten. Vieles von Gnahs sei künstlerisch extrem wertvoll, aber eben „nicht eingepreist“. Wenn aber jemand, der nicht wisse, was er tue, per Zufall irgendein Bild wegwerfe, entstehe „auf jeden Fall ein Riesenschaden“.

Ist das, was sich zu Hause findet, nun von Gnahs oder nicht? Beim Stilvergleich kann eine neue, reich bebilderte, 104-seitige Broschüre mit dem Titel „Ende Eisenzeit“ weiterhelfen. Kersten hat sich hier zusammen mit dem städtischen Kultur-Chef Karl-Heinz Schäffner auf den Weg gemacht, eine Werk-Übersicht zu erstellen. Die ist natürlich alles andere als vollständig. Sie konzentriert sich auf die 40 Bilder einer Sammlung, die Sohn Ralf Gnahs der Stadt vermacht hat.

Kersten erklärt hier nicht nur, wer Gnahs war und in welche Richtungen er gearbeitet hat. Der Kunsthistoriker erläutert  jeweils nebenstehend bei jedem einzelnen Bild auch die Besonderheiten. Eine Leseprobe zum Bild, das zur Wiedergabe gleich zwei Seiten (36 und 37) benötigt: „Erzengel 2004, Mischtechnik auf Holz, 90 x 200 cm.  Die Völklinger ,Erzengel’ sind ein festgefügter Teil des urbanen Mythenkanons. Frauen trugen in den Jahren vor 1900 schwere Erzkörbe auf ihren Köpfen. Auf diesem großformatigen Bild werden in der Tat schwere Körbe getragen, aber für Eberhard Gnahs sind die androgynen Silhouetten vor einem hellglühenden Kern universelle Metaphern der harten Arbeit am Hochofen.“ Einfacher ausgedrückt: Diese  Erzengel schließen auch alle anderen, die auf der Hütte geschuftet haben, mit ein.

In der Broschüre wie auch in der Realität springt der Erzengel-Zyklus sofort ins Auge. Diese Bilder sind aber so großformatig, dass die Stadt bisher nicht den Platz findet, sie in ihrer Kulturburg, dem Alten Rathaus, ständig öffentlich auszustellen. Doch Kulturamtsleiter Karl-Heinz Schäffner hat  eine Notlösung anzubieten.  Mit dem früheren Dienstzimmer der Bürgermeister hat er ein großzügig bemessenes Büro erwischt. Und dort hat er einen echten Erzengel an der  Wand hängen. Den hat er aber nicht für sich alleine reserviert. „Ich lasse gerne jeden herein“, versichert Schäffner.

Wenn man nicht unbedingt bei Schäffner klopfen will, kann man zumindest im Vorübergehen an der Wand im Flur ein Gnahs-Bild mittlerer Größe sehen. Es heißt „Wehrdener Brücke“, wirkt gekonnt, aber doch eher noch konventionell. Auch das ist typisch Gnahs: Der Maler verstand es zwischendurch auch immer wieder, sich dem Durchschnittsgeschmack, heute Mainstream genannt,  anzunähern.

Die nächste große Ausstellung der Stadt rund um Eberhard Gnahs ist fürs kommende Frühjahr geplant. Wer die Broschüre sieht und liest, wird schon einiges an Vorfreude mitbekommen.

Die Werkübersicht zu Eberhard Gnahs ist übers städtische VHS- und Kulturbüro im  alten Rathaus zu beziehen.  Die Werkübersicht wird auch auf der Internetseite www.kunstszene-voelklingen.de veröffentlicht. Übrigens: Wer Interesse an einem echten Gnahs hat, kann sich an seinen Halbbruder Werner Weber wenden. Dieser bewahrt bei sich zu Hause in Geislautern  noch zahlreiche Arbeiten auf, darunter auch Drucke und Übermalungen auf historischem Papier.

Hütten-Gemälde von Eberhard Gnahs.
Hütten-Gemälde von Eberhard Gnahs. FOTO: Stadt Völklingen
Mütze als Markenzeichen: Eberhard Gnahs.
Mütze als Markenzeichen: Eberhard Gnahs. FOTO: Eberhard Gnahs