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Von wegen Zickenkrieg
Geballte Frauenpower an Püttlinger Klinik

Medizinische Frauenpower am Knappschaftsklinikum Saar in Püttlingen, von links: Dr. Ulrike Ossig (Chefärztin Gefäßchirurgie), Dr. Christiane Jochum (Leiterin Gefäßzentrum), Dr. Sabine Ruffing (Chefärztin Anästhesie).
Medizinische Frauenpower am Knappschaftsklinikum Saar in Püttlingen, von links: Dr. Ulrike Ossig (Chefärztin Gefäßchirurgie), Dr. Christiane Jochum (Leiterin Gefäßzentrum), Dr. Sabine Ruffing (Chefärztin Anästhesie). FOTO: Klinikum
Püttlingen. Dr. Ulrike Ossig, Dr. Christiane Jochum und Dr. Sabine Ruffing sind in leitenden Positionen tätig. Von Carolin Merkel

„Die Medizin wird weiblich“ – grundsätzlich kann das Dr. Ulrike Ossig, seit Oktober 2017 als Nachfolgerin für Dr. Alfons Scherber als Chefärztin der Gefäßchirurgie am Knappschaftsklinikum in Püttlingen tätig, bestätigen. „Doch im Fachbereich der Chirurgie sind wir Frauen leider immer noch deutlich in der Unterzahl“, sagt sie.


Gemeinsam mit Dr. Sabine Ruffing, die als Chefärztin der Radiologie kürzlich die Nachfolge von Dr. Gerhard Frenzl in Püttlingen angetreten hat, und Dr. Christiane Jochum, leitende Ärztin der Angiologie, bildet Ossig das dreifach zertifizierte Gefäßzentrum im Klinikum – geballte Frauenpower. Manche, so verrät sie, hatten anfangs Zweifel, ob das mit drei Frauen gut gehen kann, doch von „Zickenalarm“ keine Spur, wie sie betont. „Ich glaube, wir Frauen können besser ausdiskutieren, auch unangenehme Themen ansprechen. Das haben wir uns von Anfang an zugesichert, und es funktioniert ganz klasse“, sagt sie nach den Erfahrungen der ersten Monate.

Während Dr. Ruffing bereits seit 2005 in Püttlingen tätig ist, kam Dr. Ossig neu hinzu. Neu im Saarland ist die in Hohenlohe/Franken aufgewachsene Medizinerin nicht, hat bereits 2006 ihren Lebensmittelpunkt ins Saarland verlagert, als sie als Gefäßchirurgin am Caritasklinikum in Saarbrücken ihre Arbeit aufnahm. Ein Jahr sind ihr Mann und ihre Tochter am Wochenende gependelt, ehe sich die Familie entschloss, ganz ins Saarland zu ziehen.

„Ich habe das Gefühl, uns eint unser Dialekt, ich habe mich gleich wohl gefühlt“, sagt sie. Der Wunsch, Ärztin zu werden, verrät sie, kam bei ihr eher durch einen Zufall. „Ich habe Jura studiert und kam mit der Rechtsmedizin in Kontakt. Da habe ich gemerkt, dass mich die Medizin viel mehr fasziniert“, erinnert sie sich. Ihre Ausbildung hat sie in Schwäbisch Hall absolviert, hat ihren Facharzt in Chirurgie gemacht, sich anschließend als Gefäßchirurgin spezialisiert. Gerade in den letzten Jahren, erzählt sie, haben sich die Methoden und Therapien deutlich weiterentwickelt, nicht zuletzt sei auch die Zusammenarbeit mit der Radiologie immer bedeutender geworden.

In Dr. Sabine Ruffing, betont sie, habe sie eine Kollegin, mit der dieses Miteinander bestens funktioniert. Dr. Ruffing ist eine „waschechte“ Saarländerin, hat nach dem Abitur erst einmal Zahnarzthelferin gelernt, dann das Medizinstudium begonnen. Nach ihrem Studium in Homburg ging es zu einer kleinen rheumatologischen Klinik, dort hat sie die Radiologie als Fachgebiet lieben gelernt. Über Bonn und Bremen kam sie zurück ins Saarland, landete als Assistenzärztin in Püttlingen. „Chefarzt kann man nicht lernen. Wir hätten wohl beide anfangs nicht gedacht, mal in eine solche Position zu kommen“, sagt Dr. Ossig stellvertretend für beide.



Sehr viel Verantwortung, dazu ein wirtschaftliches Arbeiten, der Zeitdruck auf der einen Seite, all das kann die positiven Erfahrungen im Klinikalltag, von denen beide viel lieber erzählen, nicht schmälern. „Es ist einfach toll, wenn man Patienten direkt helfen kann, ein Feedback bekommt“, sagt Dr. Ossig. Die Arbeit nicht nur im Kämmerchen als Diagnosestellerin, sondern auch die Arbeit direkt am Patienten, die Intervention, betont Dr. Ruffing, mache sie zufrieden im  Püttlinger Krankenhaus.

Beide sind in ihrer Freizeit gerne mit Wanderschuhen unterwegs, Ruffing geht schwimmen, Ossig fährt lieber Fahrrad,  gerne auch mal zur Arbeit. Und beide, das betonen sie, haben einen Partner an ihrer Seite, der diesen beruflichen Weg mitgetragen hat. Beide haben schließlich auch einen sehr ähnlichen Wunsch, was ihre Zukunft betrifft: „Ich könnte mir gut vorstellen, hier in Rente zu gehen. Ich möchte gerne etwas Bleibendes hinterlassen. Und ich wünsche mir, dass meine Familie gesund bleibt“, sagt Dr. Ulrike Ossig. „Dem kann ich mich nur anschließen, zudem habe ich den Wunsch, dass aus meiner kommissarischen Stelle als Chefärztin noch mehr wird“, verrät Dr. Sabine Ruffing.