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Festumzug zum Stadtjubiläum: Ganz Püttlingen auf den Beinen

Festumzug zum Stadtjubiläum : Ganz Püttlingen auf den Beinen

Festumzug führt von der Eisenbahnstraße bis zum Zentralen Omnibusbahnhof. Tausende Besucher an der Strecke.

„Besser so, als noch schlechter!“ Findet Hermann Schindler am frühen Sonntagnachmittag in Püttlingen und meint das Wetter. „Gut bedacht“ hat Monika Klein ihren Besuch, und ihr mitgebrachtes Campingstühlchen unter der Markise eines Geschäftes regensicher platziert. Die „Heinzelmännchen“ der Stadt haben rot-weiße Fähnchen verteilt, zum Winken. Die Stimmung wirkt erwartungsvoll. Die Regenschleusen bleiben vorerst verschlossen.

Der Zug kündigt sich, mit leichter Verspätung, mit Musik an. „Das schönste Blümlein, das ist das Edelweiß“ spielen die Orchester, „In einem Polenstädtchen“ und „Ich bin ein freier Wildbretschütz“. Was haben sich die Vereine Mühe gegeben, ihre Fahrzeuge, Ziehwänscher, Fahrräder und so fort fein zu präsentieren! Dem Vernehmen nach wurden Traktorreifen 50-jähriger Farmerfahrzeuge mit Schuhwichse auf neu poliert. Tieflader verwandeln sich in blühende Landschaften, in denen Wasserbüffel grasen, Delfine springen, Läufer sprinten.

Der Umzug bewegt sich mit allergrößter Umsicht, gesichert von der Polizei und den Hilfsdiensten, von der Eisenbahnstraße hinab zum Zentralen Omnibusbahnhof. Besonders die Chauffeure der großen Lastwagen, der historischen Schweizer Postbusse, der Landmaschinen vom riesigen PS-Protz bis hinunter zum putzigen Einzylinder-Trekker der Firma Eicha aus dem Jahr 1963 riskieren mit Recht keine Karambologe, zumal bei diesem langen Spalier von Menschen links und rechts der Strecke.

Die Gartenbauer aus den Stadtteilen servieren milde Hausbrände, leckeren Apfelsaft und sogar „Sonnige Grüße“ zum Selbstaussäen auf der Fensterbank oder im Garten. Die Rittenhofer Backhaus-Hexen locken, nicht mit Pfefferkuchen, sondern mit Weizenbrötchen aus eigener Produktion. Sport wird groß geschrieben beim Umzug, sei es von der agilen Herzsportgruppe, den Turnern, Handballern (mit eigenem Jubiläum, ebenfalls 50 Jahre), Tanzsportgruppen. Den Vogel schießen die Püttlinger Tischtennisspieler ab. Deren Vorsitzender Adrian Thome steuert einen Uralt-Traktor der Marke Mc Cormick, deren Aktive schmettern sich auf dem fahrenden Heuwagen die Bälle um die Ohren. Zwei Islandpferde, „Hildinger von Bucherbach“ und „Nör von Bucherbach“, präsentieren stolz ihre preisgekrönten Junghengst-Nüstern. Die „Gelben Husaren“, die Fußballer vom Jungenwald, bringen Farbe ins Spiel, mit ihren eigelben Trikots. Die Bergmänner tragen ihre historischen Trachten ins Dorf. Pardon, so hieß es früher.

Heute nicht mehr, ist Püttlingen doch jetzt schon ein halbes Jahrhundert stolze Stadt. Auf dem Marktplatz wird das Zuggeschehen laut kommentiert. Auf dem Kirmesplatz lässt sich Opa Walter dazu überreden, mit dem Enkel Tobias eine Runde auf dem Autoscooter zu drehen.

Auf dem Marktplatz fließen Bier, Wein, Cremant, Cocktails, werden Würstchen gegrillt, spielt die Musik Rock’n’Roll, Country, Schlager. Multikulti ist unübersehbar, unter den Besuchern sehen wir Menschen aus allen Erdteilen. Ungeachtet der alten Bauernregel „Der Mai kühl und nass, füllt dem Bauern Scheun und Fass“ legt der Regengott für die Dauer des Umzuges, bis auf einige wenige Nieseltröpfchen, tatsächlich eine Pause ein.

Hexen vom Backhaus Rittenhofen in prächtiger Laune. Foto: Iris Maria Maurer
Die Fußballer des FV 08 Püttlingen setzten gelbe Farbtupfer. Foto: Iris Maria Maurer
Blumenmann Charlie Engels war auch dabei beim Festumzug durch Püttlingen. Foto: Iris Maria Maurer

An diesem Montag endet das Frühlingsfest „50 Jahre Stadt Püttlingen“ ab 8 Uhr mit dem traditionellen Jahrmarkt in der Innenstadt, mit Frühschoppen und Mittagstisch ab 12 Uhr und dem Kehraus mit Livemusik mit Party-Sound.
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