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„Fünf Stunden sind schließlich superlang“

Bereit für den zweiten Schultag: die Klasse von Doris Bommersbach. Foto: Jenal
Bereit für den zweiten Schultag: die Klasse von Doris Bommersbach. Foto: Jenal FOTO: Jenal
Püttlingen. Auch den zweiten Schultag gibt's nur einmal im Leben. Und er ist mindestens genauso spannend wie die Einschulung. Die „SZ“ hat sich an der Püttlinger Pater-Eberschweiler-Schule eine Stunde unter die Abc-Schützen gemischt und festgestellt: Vor das Schreiben und Lesen haben die Pädagogen das Erlernen der Schulregeln gesetzt. Walter Faas

Gestern Morgen, Punkt acht Uhr: An der Püttlinger Grundschule Pater Eberschweiler schrillt die Glocke, der zweite Schultag beginnt. "An dieser Stelle verabschieden und begrüßen sich Eltern und Kinder", steht an der Schultüre. Nicht alle halten sich daran, zu viele ungeklärte Fragen gilt es, noch mit der Lehrerin zu besprechen.



21 Kinder führt Doris Bommersbach im ersten Schuljahr in den sogenannten Ernst des Lebens ein. Wichtigste Prämisse für die ersten zwei Wochen ist: "Dass die Kinder sich erst mal an den Schulalltag gewöhnen, fünf Stunden sind schließlich superlang", sagt Bommersbach. Der Klassenraum wirkt freundlich, mit bunten Blumenbildern an den Wänden und tollem Ausblick auf den Püttlinger Stadtteil Berg mit seiner riesigen Pfarrkirche.

Erst mal gibt's ein Begrüßungslied "Guten Morgen, guten Morgen!", das die Kinder ratzfatz auswendig können. Dann sammelt die Lehrerin die ersten Hausaufgaben ein - die ausgemalten Schultüten. Danach vermittelt sie die wichtigsten Regeln per Bildtafeln: "Gut zuhören! Melden! Nicht dazwischenrufen!" Einer hat vergessen, seine Mütze abzunehmen, ein anderer will mal schnell einen Papierflieger basteln, ein Mädchen muss zur Toilette, ein anderes hantiert mit seinem Rechenrakete-Buch, möchte am liebsten sofort addieren oder subtrahieren, ein Stoffball fliegt durchs Klassenzimmer, ein Kind hampelt herum. Die Lehrerin bleibt ruhig, aber bestimmt. Dann bilden die Kinder einen Stuhlkreis. Eine Herausforderung, erst mal für die Pädagogin, die nun beweisen muss, dass sie schon alle 21 Namen kennt und richtig zuordnen kann. Gemeistert! Das schaffen auch die Kinder mit ihren Stühlen. Leicht sind die nicht zu bugsieren, vorbei an Bänken und Tischen, ohne anzustoßen, und auch noch an der richtigen Stelle zu platzieren! Klappt aber prima, und schon stellen die Kinder sich selbst und ihren Stuhlkreis-Nachbarn vor, samt ausgiebig beschriebener Geschenke aus der gestrigen Schultüte - eine Gedächtnisübung einerseits und Gelegenheit, sich extrovertiert, zurückhaltend oder gar scheu zu zeigen, je nach Temperament. Dann liest die Lehrerin den jetzt mucksmäuschenstillen Schulneulingen vor - die spannende Bilderbuchgeschichte "Vom Löwen, der nicht lesen konnte".

Schon ist die erste Stunde geschafft. Zeit für den Toilettengang, immer zu zweit, um sich im noch riesig wirkenden Schulgebäude nicht zu verlaufen und leise genug, um den Unterricht in den anderen Klassensälen nicht zu stören.