Frieden bei Kaffee und Kuchen

Am Mittwoch ging es sehr harmonisch zu, in Köllerbach beim ersten „Offenen Begegnungstreff“ der Flüchtlingsinitiative mit vielen freiwilligen Helfern und mit Familien aus Syrien und Afghanistan. Das Treffen ist von nun an regelmäßig alle zwei Wochen.

Treffen im Pfarrheim der Begegnungskirche, rechts Dolmetscher Rachid Jaman, von links, sitzend, Haifa Othman und Lebensgefährte Siamand Davod mit seinen Enkeln und Tochter Mirdia Tito – der syrischen Familie gelang die Flucht über das Meer, seit 45 Tagen lebt sie in Püttlingen. Stehend Pastoralreferent Christoph Morgen.

Eine syrische Familie hat ihrem hier geborenen Kind die Vornamen "Alois Ibrahim" gegeben. Ein schönes Beispiel dafür, wie Integration gelingen kann. Das will erklärt sein: Alois Himbert, Namensgeber und "gefühlter Opa" des hier geborenen arabischen Kindes, kümmert sich mit weiteren Ehrenamtlichen seit gut zwei Jahren um syrische Flüchtlinge im Köllertal, in der Flüchtlingsinitiative der Pfarreiengemeinschaft (PG) Riegelsberg/Köllerbach .

"Unsere Helfer begleiten die Familien zum Arzt, zu Behörden, zum Jobcenter, in Kindergärten und Schulen", sagt Pastoralreferent Christoph Morgen vom Dekanat Völklingen. Dort entwickelte man die Idee, einen "Offenen Begegnungstreff von und mit Flüchtlingen und Bürgern aus dem Köllertal" einzurichten. Mit ins Boot nahm das Dekanat das schon erfahrene Hilfenetzwerk Riegelsberg, freiwillige Helfer aus den Püttlinger Pfarreien sowie die Stadt Püttlingen mit ihrer Abteilung Bildung, Soziales und Integration.

Zum allerersten Termin, am Mittwoch in der Köllerbacher Begegnungskirche, kamen bestimmt 200 bis 300 Gäste, es war ein ständiges Kommen und Gehen, von Menschen zwischen null und 60 Jahren, aus Syrien und aus Afghanistan, die nach ihrer Flucht im Köllertal wohnen. Kaffee und Kuchen gab's, die Möglichkeit zum Gespräch und einen Spieltreff für Kinder. Was verstanden sich deutsche und ausländische Kinder gut!

"Die Hilfsbereitschaft der deutschen Bevölkerung überwältigt mich", sagt die junge Mutter Mirdia Tito, die seit 45 Tagen im Köllertal lebt, mit ihren Kindern Siamond und Davud. "Mein Mann ist noch unterwegs auf der Flucht, und ich hoffe sehr, dass er es auch nach hier schafft."

Raschid Jaman, Dolmetscher und Integrationshelfer der Stadt Püttlingen, stellt den Kontakt mit der Familie Farsad her, Vater, Mutter, ein Kind. Hamza Farsad sagt: "Das deutsche Volk ist sehr hilfsbereit. Wir haben eine schöne Wohnung, sind im Sprachkurs und hoffen, dass ich danach in meinem Beruf als Elektroingenieur Arbeit finde." Der 16-jährige Yasser ist erst seit vier Monaten in Deutschland und braucht schon keinen Dolmetscher mehr. "Sprachkurs, Schule, dann kommt der Beruf. Ich erfahre viel Hilfe, und alles hier gefällt mir gut." Damit die Integration gelingt, bemühen sich gut 100 Freiwillige im Hilfe netzwerk Riegelsberg um etwa 185 Flüchtlinge in der Gemeinde. Jutta Christmann: "Wir haben einen Nähkurs und eine Fahrradwerkstatt gegründet. Wir stellen den Familien Paten für wichtige Behördengänge oder Arzttermine zur Verfügung, bieten Deutschkurse, Wanderungen und Schwimmtraining an."

Professionell, über die Sozialpädagogin Julia Pistorius mit mehreren hauptamtlichen Mitarbeitern, aber auch freiwilligen Helfern, geschieht die Integration von etwa 280 in Püttlingen wohnenden Flüchtlingen innerhalb der Stadtverwaltung, etwa durch das Bereitstellen von Wohnraum, über Sprachkurse oder über Sozialarbeit (Bericht folgt).

"Wichtig ist es jetzt, die vorhandenen Hilfsangebote zu bündeln und zu koordinieren", so Pastoralreferent Christoph Morgen. So kam es beim ersten Begegnungstreff beispielsweise zur Bildung von ergänzenden Sprachkursen, für deren Leitung sich Rentner mit pädagogischem Hintergrund, etwa frühere Lehrer, angeboten haben.

Bei soviel Zulauf zum ersten Treffen steht außer Frage, dass das Angebot zur "Begegnung bei Tee, Kaffee und Kuchen , Getränken und Snacks, mit einem Spielkreis für Kinder bis sechs Jahre, mit Deutschunterricht, Gesprächen, Spielen und Information" (so der Flyer) angenommen wird: Immer an jedem zweiten Mittwoch im Monat, 15 bis 18 Uhr, in den Räumen der Begegnungskirche Köllerbach , Kirchstraße 11, gut zu erreichen mit der Buslinie 196, die zwischen Riegelsberg und Völklingen verkehrt (Haltestelle Sommerberg/Kirchstraße).

Infos: www.pfarreiengemeinschaft-riegelsberg-koellerbach.de;www.bistum-trier.de (dort "Dekanat Völklingen"), www.puettlingen.de;www.hilfenetzwerk-riegelsberg.de .

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