Freudentaumel im Köllertal

Püttlingen

Schon nach dem ersten Tor nach drei Minuten hält es die Püttlinger beim Public Viewing nicht mehr auf den Bänken.

Püttlingen. Samstagnachmittag, punkt 16 Uhr, in Püttlingen: Vom Rathausturm klingt das Glockenspiel "Lebe wohl ade!" Auf welche Fußball-Nation passt es? Welche Mannschaft würde sich im südafrikanischen Kapstadt von der WM verabschieden müssen - Argentinien oder Deutschland? Gut 150 Zuschauer beim Public Viewing sind zuversichtlich: "Die Argentinier können sich anstrengen oder unfair spielen, wie sie wollen - die verlieren heute 3:1" orakelt Zuschauer Tim Schikofsky. "From another galaxy" steht auf dem T-Shirt einer anderen Besucherin. In der Tat passt dieser Spruch gut zur Präsentation der deutschen Mannschaft, die Fußball spielt "wie von einem anderen Stern". Ein 20-jähriger Neustar erzielt das bisher schnellste Tor dieser Weltmeisterschaft: "Müüllermüüllermüüller" jubelt das trotz der gewittrigen Stimmung bestens gelaunte Publikum in Püttlingen. Jede gelungene Aktion der Deutschen wird gelobt, jeder Schussversuch des Weltfußballers Lionel Messi belacht. "Ein Möchtegern-Superstar: Der soll sich mal ein Beispiel an unserem Schweini nehmen", ruft ein Zuschauer aus der Menge. Nach dem Wiederanpfiff haben die Argentinier ihre beste Zeit. Doch darunter leidet weder das ungeheure Selbstbewusstsein unserer Nationalmannschaft am Kap, noch die Zuversicht der Menschen im "Stadion" beim Kardinal-Maurer-Platz in Püttlingen. Ihnen dreht Herry Weiland von der Feuerwehr im Viertelstundentakt den Sprenkler der Feuerwehr auf, so dass ein herrlich kühler Wasserschleier auf die herabregnet, die das wollen - und das sind wegen der Hitze nicht wenige. Zwei Mal Miroslav Klose und sogar ein deutscher Abwehrspieler - Arne Friedrich nach sensationellem Slalomlauf von Sebastian Schweinssteiger - besorgen schließlich den 4:0-Entstand, der sogar von Angela Merkel in Südafrika heftig beklatscht wird. "Da hat die Frau endlich auch mal was zu lachen", kommentiert Josef Gottfreund den TV-Jubel der Kanzlerin.Nach dem Abpfiff bricht im Ganzen Köllertal Freude aus. Allerdings riskieren manche Zeitgenossen Kopf und Kragen, um beispielsweise mit quietschenden Reifen und drei ungesicherten Grundschulkindern im Kofferraum ihres Autos durch die Stadt zu rasen. Die überwiegende Zahl der Püttlinger freut sich unterdessen eher still über das Erreichen des Halbfinales durch eine außergewöhnliche Vorstellung ihrer Nationalelf. In den Gärten, die vom Gewitter verschont geblieben sind, zünden Fußballfans und Grillgourmets das Holz ihrer Schwenker an. So lässt es sich gemütlich über Fußball fachsimpeln und in aller Ruhe das Abendspiel Spanien gegen Paraguay abwarten kann. "Die Party ist noch lange nicht vorbei. Jetzt werden wir Weltmeister!" prophezeit am Ende eines langen Fußballsamstags Roman Jager, der, wie viele, vom atemberaubend schnellen Spiel unserer Elf begeistert ist: "Die Beste, die wir je hatten".