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Flüchtlingsfrage: Püttlingen hat's im Griff

Flüchtlingsfrage: Püttlingen hat's im Griff

Konzeptionell sieht sich die Stadt Püttlingen in Sachen Flüchtlingsarbeit gut aufgestellt. Experten der kommunalen Abteilung Bildung, Soziales und Integration haben auf Anfrage der Saarbrücker Zeitung die aktuelle Lage erläutert.

Nachdem ab Herbst 2015 und zu Beginn des Jahres 2016 viele Flüchtlinge nach Deutschland gekommen waren, hatte die Stadt Püttlingen im Stadtrat oder in Ratsausschüssen über die neuen Zahlen informiert. Dass dies irgendwann eingestellt wurde, mag ein Indiz dafür sein, dass es in der Stadt, dank des Wirkens vieler, nie größere Probleme gegeben hat.

Wir erkundigten uns nach dem Stand der Dinge. "Aktuell leben 250 Flüchtlinge in Püttlingen , darunter 77 Kinder", nennt Carmen Helfgen, Leiterin der Abteilung Bildung, Soziales und Integration in der Püttlinger Stadtverwaltung, die neuesten Zahlen (im März 2016 waren es noch 280 Flüchtlinge gewesen, Anfang 2016 waren es 245).

Alle Flüchtlinge sind privat untergebracht, in Wohnungen, die die Stadt Püttlingen zum größten Teil (37 Wohnungen) angemietet hat oder selbst besitzt (sechs Wohnungen). Die Wohnungssituation ist also gelöst, aber nur ein Dach über dem Kopf, ist noch lange keine gelungene Integration. "Der allererste Schritt dazu ist das Erlernen der deutschen Sprache ", sagt Jamal Eldin Rachid.

Rachid ist Syrer, lebt seit 30 Jahren in Deutschland, ist Universitätsdozent für Psychologie und Soziologie gewesen "und ein gebildeter Mann, der bei allen Flüchtlingen hohes Ansehen und Respekt genießt", sagt Carmen Helfgen über ihren Mitarbeiter.

Sprachen lernen Erwachsene, Jugendliche und Kinder ("Kinder am schnellsten") im Lerncafé in der Völklinger Straße. "Hier bieten wir in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule und mit ehrenamtlichen Helfern Online-Sprachkurse, Alphabetisierungskurse, Frauensprachkurse und Auffrischungslehrgänge an, an jedem Vormittag der Woche", berichtet Dienststellenleiter Max Kuhnert. Die Kurse würden auch alle gut angenommen, und demnächst "gibt es auch Unterrichtseinheiten in arabischer Sprache , für die bereits ein hohes Interesse besteht", sagt Kuhnert.

Zweiter Schwerpunkt der angestrebten Integration sei das Vermitteln von deutscher Kultur und europäischen Werten - dies geschehe bereits in den Püttlinger Grundschulen sowie in der Kita Berg durch ehrenamtlich tätige Lehrerinnen. Oder auch im Lerncafé selbst, wo Mitarbeiter Rachid seinen Landsleuten beziehungsweise auch Flüchtlingen aus anderen Ländern das "Leben in Deutschland" zum Beispiel anhand von Vorträgen, Diskussionsrunden oder auch Besichtigungen nahebringen will.

Carmen Helfgen ergänzt: "Das Thema Familie ist ein weiterer Schwerpunkt unserer Arbeit." Dabei gehe es beispielsweise um das Rollenverständnis von Frauen und Mädchen, um patriarchalische Strukturen, aber auch um vermeintlich selbstverständliche Dinge wie Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Mülltrennung, Kehr- und Streupflicht oder richtigen Umgang mit Energie.

"Ohne Arbeit keine Integration", führt Sozialberater Rachid die Erklärungen fort: "Sobald die Menschen einigermaßen die deutsche Sprache beherrschen, versuchen wir, sie in Arbeit zu vermitteln. Dazu bieten wir pro Woche rund 50 Beratungen an. In zehn Fällen haben wir bereits einen sichtbaren Erfolg erzielt."

Weil Flüchtlinge von den deutschen Ausländerbehörden eine Anerkennung, sei es für ein oder für drei Jahre, erhoffen, begleiten sie die Mitarbeiter der Püttlinger Integrationsstelle zu Anhörungen in Lebach oder Saarbrücken. Oder sie knüpfen Kontakte zu Anwälten, die sich auf Asylverfahren spezialisiert haben. Carmen Helfgen: "Alles in allem haben wir das Gefühl, mit unserem Konzept gelungene Integrationsarbeit in Püttlingen zu leisten. Das bestätigen uns auch viele positive Rückmeldungen." > Ein wichtiger Stützpfeiler der Integration ist auch der Verein "Püttlinger Freundeskreis für Integration und Migration", Bericht folgt.

puettlingen.de