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Uhrenbörse
Faszination mit Zeigern – echte Hingucker im Uhrmachers Haus

Hermann Splitter aus Landau repariert ebenfalls Uhren.
Hermann Splitter aus Landau repariert ebenfalls Uhren. FOTO: Carolin Merkel
Köllerbach. Auch die 30. Auflage der Uhrenbörse in Köllerbach hatte wieder allerhand Interessantes aus der Welt der tickenden Schätzchen zu bieten.

Mit ganz ruhigen Händen öffnete Wolfhard Langner aus St. Ingbert die Armbanduhr. Eine Lupe brauchte der Uhrmacher und eine Pinzette. Und wenn auch das Licht nicht allzu gut war hinter seinem Stand in Uhrmachers Haus, die Arbeitsabläufe sitzen – schnell war das Problem behoben, und die Uhr tat wieder ihren Dienst. „Ihr Uhrmacher wird 80 und denkt ans Aufhören“, hatte er auf ein gelbes Plakat über seinen Stand geschrieben. „Natürlich hat mir mein Beruf viel Spaß gemacht, doch nun ist es Zeit, ans Aufhören zu denken“, sagte er. Die Uhren- und Schmuckbörse, die am vergangenen Sonntag zum 30. Mal in Uhrmachers Haus in Köllerbach gleichermaßen viele interessierte Käufer und Verkäufer anlockte. Der Verein Freundeskreis alter Uhrmacherkunst hat schon lange einen treuen Aussteller- und Besucherstamm für die Uhrenbörse.



Für Langner war die Börse eine gute Gelegenheit, sich von etlichen Uhren zu trennen. Ebenso mit Teilen seiner Sammlung, vor allem Taschenuhren und Reiseweckern aus verschiedenen Jahrzehnten, war Manfred Neufang aus Schweich an der Mosel nach Köllerbach gekommen. Wann und warum er mit dem Sammeln angefangen hat, kann er gar nicht mehr genau sagen, doch es sei jetzt an der Zeit, sich auch wieder von Teilen zu trennen. „Mir ist es wichtig, dass diese Stücke in gute Hände kommen, die sie wertschätzen. Und hier in Köllerbach sind immer viele Kunden, die sich richtig gut auskennen“, wusste Neufang aus Erfahrung.

Das konnte am Sonntag auch Kay Jäger aus Landau nur bestätigen. Er hatte gleich neben dem Stand von Sammler Manfred Neufang seine Unikate aufgebaut, die preislich im oberen Sektor angesiedelt sind. Bei ihm gab es wohl eher keine Spon­tankäufe, aber viele staunende Gesichter. „Es geht mir nicht darum, dass ich etwas verkaufe. Ich möchte viel lieber diesen rührigen Verein unterstützen. Als der Anruf kam, habe ich sofort zugesagt“, erklärte Jäger. Mit dabei war erstmals sein Schwiegersohn Jerome Losse. „Ich bin interessiert an Uhren, das Uhrmacherhandwerk hätte mir sicher gefallen – ein bisschen bastele ich hobbymäßig“, verriet er. Er hat sich am Sonntag auch das ebenfalls geöffnete Uhrenmuseum angeschaut und dabei allein eine Stunde vor einem einzigen Uhrwerk zugebracht und sich von der Faszination für das gute Stück an den Ort bannen lassen.

Auf der Suche nach dem Besonderen waren Hermann und Kai Lillig aus Schwalbach. „Wir kommen seit vielen Jahren hierher“, erzählte Hermann Lillig. Mit den Uhren als Wertanlage, sagte er, sei das so eine Sache, bisher habe er nur einige Exemplare, die er auch trage. Bei Johannes Schmitt aus St. Ingbert fachsimpelten Vater und Sohn und hatten schnell Raritäten der Edelmarke Rolex ins Visier genommen.

Gleich nebenan gab es bei Hermann Splitter neben Uhren auch allerlei Material aus Werkstatt-Auflösungen zu kaufen. Auch Splitter kommt aus Landau und ist, wie er betont, immer gerne in Köllerbach zu Gast.

Nicht ganz glücklich mit dem Termin – „da gibt es einfach so viele Konkurrenzveranstaltungen“ – zeigte sich der Vereinsvorsitzende Ferdinand Mesarosch. Daher gab es unter den Händlern eine kleine Umfrage zum Thema „guter Termin“ für die Uhrenbörse. So wie Uhrmacher Langner, verriet der Vorsitzende, gehe es auch dem Verein. Mittlerweile habe man noch knapp über 100 Mitglieder, Tendenz sinkend.

Mit 2200 Objekten entführt das Museum in die Geschichte der Uhren und der Uhrmacher. Und während die Börse bereits auf 30 Veranstaltungen zurückblicken kann, bereitet sich der Freundeskreis alter Uhrmacherkunst auf sein 25. Vereinsjubiläum im kommenden Jahr vor – dann soll es auch ganz besonderen Aktionen geben.

Kai und Hermann Lillig aus Schwalbach interessierten sich für die Raritäten von Johannes Schmitt.
Kai und Hermann Lillig aus Schwalbach interessierten sich für die Raritäten von Johannes Schmitt. FOTO: Carolin Merkel
Wolfhard Langner, fast 80-jähriger Uhrmacher aus St. Ingbert.
Wolfhard Langner, fast 80-jähriger Uhrmacher aus St. Ingbert. FOTO: Carolin Merkel