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Es gibt nichts, was es hier nicht gibt

Es gibt nichts, was es hier nicht gibt

Gestern, zum Herz-Jesu-Fest in Köllerbach, kam der Jahrmarkt bei optimalen äußeren Bedingungen prima in Schwung. Herz Jesu gibt Pfarramt, Fest und Frühkirmes den Namen. Das zieht immer wieder viel Publikum und exotische Händler an.

Da wurde mancher Hals ganz grün! Kinder der Grundschule Köllerbach bemalten gestern, beim Wandertag aus Anlass der Kirmes, im Handumdrehen das große Schaufenster des Ateliers "Pigmente" in Köllerbach mit bunten Acrylfarben. "Das Bemalen durch die Kinder hat Tradition. Kommt immer gut an, nur mein Fensterputzer freut sich nicht so richtig", sagt "Pigmente"-Chefin Sieglinde Theobald.

"Darf ich mitmalen?", fragt Walburga Folz. Natürlich! Im gestern autofreien unteren Teil der Sprenger Straße bauten die fliegenden Händler bereits früh am Morgen auf, was einen Jahrmarkt auszeichnet. Das breitgefächerte Angebot bietet immer wieder Überraschungen. Moorcreme, Beinwellsalbe, Brennesselextrakt, Pferdegel, Tigerbalsam, als gelobte Mittel gegen jedes Zipperlein, hier kriegt man sie auf kleinstem Raum. Bürsten- und Schneidwaren in Hunderten von Variationen, Hornhauthobel, Sparschäler, daneben liegen Wellness-Sneaker, zu deutsch Socken, im Fünferpack zu je sechs Euro. Kappen, wie sie Altkanzler Helmut Schmidt trug, Beretmützen französischer Art, Jägerhüte mit Borste - die Jahrmarkthändler sind für jeden Kopf gerüstet. Das Publikum auch: Staubsaugertüten, als Muster, werden mitgebracht, und mit dem Angebot abgestimmt. Sitzt und passt! Sowohl auf dem Kopf wie im Staubsauer.

Ganz Clevere vergleichen erst die Preise und das Aussehen ihres Wunschproduktes, bevor sie, auf dem Rückweg, ihre Kaufentscheidung treffen. Immer beliebt ist die Bonbontheke mit ihren althergebrachten Pastillen, die so gut gegen Halsweh oder Schluckbeschwerden helfen, mindestens aber prima schmecken. Sie möchten selbst eingelegten Bratfisch pikant würzen? Den Hasenbraten nach Thüringer Art bereiten? Oder mal Schweinefilet mexikanisch scharf essen? Kein Problem, die Jahrmarkt-Gewürzhändler sind für jedes ausgefallene Rezept gerüstet.

Italiener verkaufen kalt gepresstes Olivenöl, Balsamico in gedrehten Flaschen, Antipasti, Pasta in allen Formen und Farben, Pfälzer neuartig wirkende Scheibenputzer fürs Auto.

Das Sozialkaufhaus, mit neun Mitarbeitern um seine Geschäftsführerin Pia Pfister, nutzt die Gelegenheit zur Werbung in eigener Sache. Pfister: "Unser Projekt mit seinem großen Angebot wird von der Bevölkerung gut angenommen. Und gleichzeitig helfen wir, einen weiteren Leerstand im Ortskern zu vermeiden."

Die Kirmes nebenan ließ sich am Morgen noch zögerlich an. Erste Kleinkinder fahren aber bereits Karussell. Die Sportfreunde unterhalten, schon seit Beginn der Kirmes am Samstag, einen kleinen Biergarten, aber auch das Frühschoppen-Angebot wird um diese Uhrzeit noch mäßig angenommen. Nicht so der erwähnte Jahrmarkt. "Jahrmarkt iss äänfach ebbes Herrliches", resümiert Kordula Speicher, die sich ihr "Märggd-schdigg", zu deutsch ihr Marktstück, schon gekauft hat, "Beschmonnsguddsja für meinen Monn", "Magenbrot für die Oma", und "einen neuen Sparschäler für mich selbst."