Er rennt mit 72 Jahren 73 Kilometer

Er rennt mit 72 Jahren 73 Kilometer

Mit 48 Jahren ist er seinen ersten Marathon gelaufen. Mit 55 Jahren hat er seinen ersten Ultra-Marathon bewältigt. Danach hat er mit den 100 Kilometern angefangen. Nun strebt Werner Mootz den Europacup an. Im Alter von 72 Jahren.

Werner Mootz hat ein persönliches Erfolgsrezept. "Ich stehe auf Bananen ", erzählt der 72 Jahre alte Leichtathlet von den LTF Köllertal: "Morgens lege ich Wert auf Bananenbrot. Und bevor ich auf einen Lauf gehe, trinke ich meistens einen halben Liter Apfelsaftschorle. Seitdem ich das mache, habe ich beim Laufen immer ein gutes Gefühl."

Kürzlich ist Mootz' Erfolgsrezept aufgegangen. Bei der deutschen Meisterschaft im Ultra-Marathon machte er sich in Plettenberg im Sauerland auf die 73 Kilometer lange Strecke. "Das Profil war enorm. Man ist durch ausgetrocknete Gebirgsbäche gelaufen, durch den Wald und immer wieder Hänge rauf und runter", erzählt der pensionierte Autoschlosser. Knapp 2000 Höhenmeter und 10:44,09 Stunden später stand fest: Der 72-Jährige darf sich deutscher Ultra-Marathon-Meister in seiner Altersklasse M 70 nennen.

"Ich war noch nie irgendwo Meister. Ich wurde oft Zweiter oder Dritter, aber deutscher Meister - das war schon ein Höhepunkt", freut sich Mootz. Dass es zu diesem Erfolg kommen konnte, hat er einem kaputten Knie zu verdanken. "Ich habe früher hobbymäßig Fußball gespielt, bis ich mich 1987 am Knie verletzt habe - da war ich 45. Dann habe ich mir gesagt: Jetzt reicht es", erzählt er. Er hörte mit Fußball auf. Mootz schloss sich einigen Arbeitskollegen an, die beim LTF Köllertal aktiv waren, und ist seitdem Mitglied in dem Verein.

1990, im Alter von 48 Jahren, lief Mootz seinen ersten Marathon. Sieben Jahre später lief er seinen ersten Ultra-Marathon. "Der war damals 80 Kilometer lang. Als ich fertig war, habe ich mir so für mich gedacht: Du könntest eigentlich noch weiterlaufen. Deswegen habe ich mit den 100 Kilometern angefangen", erzählt Mootz. Mittlerweile, so schätzt er, ist er bereits so viele Ultra-Marathons gelaufen, dass die Strecke zusammen 25 100 Kilometer ergibt. Der 72-Jährige ist das ganze Jahr über fast jede Woche auf einem Lauf - egal ob zehn Kilometer lang, 80 oder 100. "Ich laufe alles, wie es kommt."

Eine große Motivation ist für den 72-Jährigen sein Konkurrenzdenken. "Bei den Ultras sind oft die gleichen Läufer dabei, man kennt sich irgendwann", erzählt Mootz, der in Selchenbach bei Kusel wohnt. Er ergänzt: "Das Ziel ist dann immer, dass man die packt. Bei einer deutschen Meisterschaft hat mich mal so einer in der letzten Runde auf den zweiten Platz verwiesen. Der war, als ich im September Meister wurde, auch dabei, und da habe ich ihn um eine Stunde übertroffen. Da ist man dann schon so ein bisschen stolz auf sich." Pläne, einen Gang herunterzufahren, hat Mootz nicht. "Im Moment geht's mir noch gut. Im kommenden Jahr will ich meinen Meister-Titel verteidigen und vielleicht beim Europacup der Ultra-Marathons mitmachen", sagt er. Bananen und Apfelschorle werden dann bestimmt nicht fehlen.