Entspannung ist alles

Püttlingen. 40 Leute trommeln, zwei blasen Didgeridoos. Viele tanzen sich in Trance. Das Musikfestival Chilla auf dem Herchenbacher Sauwasen kennt keine Regie, keine Noten, keinen Zwang und keinen Gruppendruck - es funktioniert aber wie am Schnürchen

Püttlingen. 40 Leute trommeln, zwei blasen Didgeridoos. Viele tanzen sich in Trance. Das Musikfestival Chilla auf dem Herchenbacher Sauwasen kennt keine Regie, keine Noten, keinen Zwang und keinen Gruppendruck - es funktioniert aber wie am Schnürchen."Hier entfaltet sich eine starke musikalische Kraft", beteuert Martin, greift sich eine brasilianische Berimbau (eine Rahmentrommel) und folgt mühelos dem sich ständig ändernden Rhythmus der Gruppe, die sich bereits zusammengefunden hat - ohne Dirigent. Kinder schlagen dazu die Djembe-Trommeln, als hätten sie nie etwas anders gemacht. Posaunenspieler bemühen sich um Harmonie, Gitarristen und Flötenspieler ebenfalls, es gilt das Motto: "Wer will, der kann."

Drei Pfingsttage lang ist der Herchenbacher Sauwasen ein musikalisches Experimentierfeld. Gut tausend Menschen beteiligen sich entweder aktiv, als Zuhörer oder als Tänzer. Der Schwerpunkt liegt auf Hippie- und Ethno-Klängen. Möglichst handgemacht soll die Musik sein, ebenfalls handgemacht wirken oft die Kleider, Fruchtweine, Müslis, Brotaufstriche und so fort. Man schläft in Zelten oder angemalten Diesel-Transportern aus den Siebzigern, spielt Wikingerschach, Boule oder Federball, jongliert mit Keulen, Bällen, Tellern oder Diabolos, veranstaltet Papierflieger-Flugschauen und lässt Luftballons mit Botschaften fliegen.

Kinder flitzen über den Sauwasen, alle möglichen Hunde auch, Babys schlummern friedlich im Tragetuch an Mamas Brust oder an Papas Herz. Hier wird gestillt, da gegrillt, dort sitzt eine gesellige Runde beim Bier. Und überall wird Musik zum Mittelpunkt gemacht.

Auch viele Kurse werden angeboten. Da lernt man zum Beispiel, Berimbaus zu bauen oder die richtigen Lippenbewegungen zu beherrschen für das Didgeridoo (großes Blashorn der australischen Ureinwohner). In weiteren Workshops lernt man den Pois-Feuertanz, orientalischen Bauchtanz, den Samba auf der Batucada-Trommeln zu begleiten oder die afrikanische Djembe in der Gruppe zu schlagen. Alle duzen sich.

Ganz entspannt mit Tommel...
...und einem Melodika-ähnlichem Instrument.

Kinder beteiligen sich am Survival-Waldtraining, am Malen ohne Zahlen oder spielen Versteck im benachbarten Keltengräber-Wald, der bei diesem tollen Frühlingswetter etwas Magisches hat. Und Ines aus Mannheim resümiert: "Chilla ist lustvolles Experimentieren mit Musik, Entspannung pur, besonders bei diesem herrlichen Wetter an diesem schönen Platz mit vielen Gleichgesinnten - ich komme immer gerne her."