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Mittelaltermarkt in Köllerbach
Eine spannende Zeitreise

Die Burg Bucherbach in Köllerbach bildete die perfekte Kulisse für den Mittelaltermarkt über Pfingsten.
Die Burg Bucherbach in Köllerbach bildete die perfekte Kulisse für den Mittelaltermarkt über Pfingsten. FOTO: Iris Maria Maurer
Köllerbach. Mittelalterfreunde zubern, spinnen, kreuzen Klingen, beschwören die Geister – auf Burg Bucherbach. Von Walter Faas

Die Marketenderin Tina aus dem Finsterbrunnertal trägt ihr Dekolleté offenherzig. Dem Reporter gefällt das. Anderen Männern wahrscheinlich auch. Wir schlendern am Pfingstwochenende über den Mittelaltermarkt des Völklinger Vereins „Die Tafelrunde“, in Köllerbach. „Wir sind ganz normale Leute. Aber zum Markt verkleiden wir uns. Es gibt nichts Schöneres“, sagt Musicus Herbert. Wikinger scheinen Trumpf zu sein. „Alles relativ“, korrigiert Volker. Der kommt als Druide, wie Miraculix im Comic, als gewiefter Kräuterkundler. Den passenden Zaubertrank gibt’s nebenan, die Auswahl ist groß. Hexen­elixier, Met, Alien-Bräu, Steinbrecherschnaps.


Schon werden wir abgelenkt, weil die Spielgemeinschaft Teufelsburg das Märchen „Rapunzel“ auf die Bühne bringt. Das Mädchen trägt meterlanges Haar. Die Böse zeigt sich mit Hexenhütchen, Schiefzahn, galligen Sprüchen. Der Königssohn sticht sich die Augen blind. Während die Teufelsburger die Mär zum Happy End bringen, setzt Regen ein. „Wir haben hier in der Burg ja ein herrliches Fleckchen Erde, aber den Regen hätten wir nicht gebraucht“, schimpft Gerhard, der sein Spinnrad „von Hand zu Fuß“ dreht „wie seit 3000 Jahren üblich“.

Ludwig Heil,, Vorsitzender des Ausrichtervereines „Die Tafelrunde“, relativiert: „Wir nehmen jedes Wetter hin. Es wird gleich auch wieder schöner.“ Recht hat er, ein Viertelstündchen später setzt die Dusche von oben aus. Gleichwohl: Den „Freyen von Artemis“ ist über dem Regen das Feuer erloschen. Während die „Seeräuber“ ihre Glut am Prasseln gehalten haben. Und im offenen Töpfchen der Teufelsburg-Schauspieler brodelt schon gar ein mittelalterliches Laufhuhn auf Salbeisoße, riecht toll. Ein Schmied namens Bernd bringt seinen selbst gebauten Tiegel mit Riesenblasebalg („Auch selbst gebaut nach Darstellungen aus alten Büchern“) mächtig zum Glühen, bis dass die Funken fliegen. Hinein damit mit alten Bronzeteilen und schönes neues Kunstgewerbe gegossen!



„Jeden Morgen fragt mich die kleine Raveena: Gehn wir heute wieder zubern?“, sagt Melanie lachend. Das ist „Die mit der großen Klappe“, eine fröhlich wirkende Frau, die sich nun mit ihrem Stefan, Raveena und Quietsche­entchen ins mittelalterliche Badehaus begibt. Es handelt sich dabei um einen Riesenzuber aus Holz. Dampf steigt auf. Melanie: „Das Wasser ist echt, das Wasser ist schön heiß, und üblicherweise hopsen wir nackisch rein.“ Dazu klingt die Fiedel, tönt der Dudelsack, zwitschern die Flöten. Madame prophezeit uns, für kleines Geld, die Zukunft. Ein spezieller Modevertrieb aus dem saarländischen Ottweiler, „natura + historia“, präsentiert am Abend mittelalterliche Mode. Die beginnt an den Beinlingen, heute würde man Strapse sagen. Setzt sich fort über die Bruche, eine linnerne Unterhose, das Leibhemd, über Tuniken und Kotten bis hin zu diversen Kopfbedeckungen.

Die Besucher üben sich im Armbrustschießen. Konzentration, Präzision, Zielwasser sind hier gefragt. Bei der Seifensiederin duftet es intensiv nach Bergamotte, Kaffee, Honig und so fort. Kinder reiten auf Ponys um die Burg Bucherbach. Die abendliche Feuershow zaubert Farben in die Burg. Die ganze Veranstaltung spiegelt eine Sehnsucht nach Verlorenem, Ursprünglichem, Natürlichem. Hier darf die Suppe noch über dem offenen Feuer brodeln, ist es erlaubt, mit den Fingern zu essen, darf man nach dem Mahl tun, was Martin Luther mit deftigen Worten beschrieben hat. >Seite C6: Fotoseite zum Mittelaltermarkt