| 20:21 Uhr

Burg Bucherbach digital
Eine ganze Burg im Smartphone

Diese Perspektive hatten die alten Burgherren nie: Die Burg Bucherbach – per Fotodrohne aufgenommen – aus der Luft.
Diese Perspektive hatten die alten Burgherren nie: Die Burg Bucherbach – per Fotodrohne aufgenommen – aus der Luft. FOTO: BeckerBredel
Köllerbach. Wie ein kleines Hörspiel: Besucher können sich jetzt jederzeit per Handy durch die Burg Bucherbach führen lassen. Von Marco Reuther

Der Louvre in Paris hat sie, das Metropolitan Museum in New York hat sie – und die Burg Bucherbach in Köllerbach hat sie jetzt auch: eine digitale – und kostenlose – Führung durch die Anlage. Besucher müssen sich nur über Smartphone oder Tablet-Computer anmelden (audioguide.burgbucherbach.de), dann bekommen sie, unterlegt von zarten Gitarrenklängen und passender Geräuschkulisse, eine gesprochene Führung durch die Burganlage, mit detaillierten Erklärungen. Die Führung ist, einschließlich der Ortswechsel, eine knappe halbe Stunde lang. Für Hörgeschädigte wird zudem der entsprechende Text eingeblendet.


Und wer möchte, der kann das Programm auch in den eigenen vier Wänden am heimischen Computer abrufen, um sich über die Burg zu informieren.

Mit viel Einsatz – der auch für vergleichsweise geringe Kosten sorgte – hat die Interessengemeinschaft Burg Bucherbach eine kostenlose digitale Führung per Smartphone auf den Weg gebracht. Der Vorstand der IG und weitere Mitwirkende (von links): Beisitzer Pascal Comtesse, der 2. Vorsitzende Patrik Roether, Schatzmeisterin Andrea Himbert, Schriftführer Armin Görres, der 1. Vorsitzende Kunibert Jost, Hans Ebert (Firma AFV), Beisitzer Paul Schneider und Michael Müller (Vorsitzender Heimatkundlicher Verein). (Es fehlen die Beisitzer Henning Stüdemann und Johanna Himbert).
Mit viel Einsatz – der auch für vergleichsweise geringe Kosten sorgte – hat die Interessengemeinschaft Burg Bucherbach eine kostenlose digitale Führung per Smartphone auf den Weg gebracht. Der Vorstand der IG und weitere Mitwirkende (von links): Beisitzer Pascal Comtesse, der 2. Vorsitzende Patrik Roether, Schatzmeisterin Andrea Himbert, Schriftführer Armin Görres, der 1. Vorsitzende Kunibert Jost, Hans Ebert (Firma AFV), Beisitzer Paul Schneider und Michael Müller (Vorsitzender Heimatkundlicher Verein). (Es fehlen die Beisitzer Henning Stüdemann und Johanna Himbert). FOTO: Andreas Engel


Die Interessengemeinschaft Burg Bucherbach (IG) hat das moderne Führungsprogramm mit großem Aufwand auf die Beine gestellt – und dabei nicht nur an die Erwachsenen gedacht: Für Kinder im Grundschulalter lassen sich (bisher sechs) Kurzgeschichten der Püttlinger Autorin Eva Dörr-Vieregge als Hörspiele abrufen, die nicht nur unterhaltsam sind, sondern auch das Leben für Kinder im Mittelalter lebendig werden lassen – einschließlich gackernder Hühner und mähender Schafe.

Stolz ist man im Vorstand der IG, dass das schon länger geplante Projekt nun umgesetzt ist – und das nicht zuletzt deshalb, weil man dafür ganz neue Wege einschlagen, neue Verbindungen knüpfen musste und dadurch auch aus einer Not eine Tugend gemacht hat: Es gibt nicht viele Unternehmen in Deutschland, die solche digitalen Führungen herstellen, „wir hatten Kontakt mit einer Firma in Freiburg, aber da war gleich klar, dass das viel zu teuer für uns werden würde“, schildert der stellvertretende IG-Vorsitzende Patrik Roether.

Doch man kennt sich im Saarland oder kennt jemanden, der jemanden kennt, und so gelang es, das Projekt mit ausschließlich Püttlinger und Saarbrücker Kräften zu stemmen: Das technische Grundgerüst hat Dr. Robert Kolatzek von der Saarbrücker Firma Vigneron-Management entwickelt – eigentlich eine Web-Design-Firma, die nun selbst Neuland betreten hat. Ähnlich erging es der Püttlinger Firma AFV von Hans Ebert, die in der Regel Radiowerbung macht, jetzt aber für die Vertonung der Führung zuständig war und mit Michael Bernsdorf auch den Sprecher stellte.

Ein willkommener Nebeneffekt: Die beiden auf diese Weise miteinander bekannt gewordenen Unternehmen sehen nun Chancen, auch weitere gemeinsame Projekte zu starten und sich so neue Marktfelder zu erschließen.

Für die historischen Erklärungen im Rahmen der Führung sind ohnehin „Einheimische“ zuständig: Der Vorsitzende des Heimatkundlichen Vereins Püttlingen und langjährige Stadtarchivar Michael Müller und Professor Joachim Konrad, Pfarrer der Köllerbacher Martinskirche, Kirchenhistoriker und profunder Kenner der regionalen Geschichte.

„Aber auch ohne die Unterstützung der Stadt ginge das alles nicht“, so der IG-Vorsitzende Kunibert Jost. So hatte die Stadt, auf den entsprechenden Ratsbeschluss hin, auch in der Burganlage einen sogenannten Hotspot eingerichtet, über den man für eine halbe Stunde kostenlos, schnell und das eigene Datenvolumen schonend ins Internet kann.

Alles in allem, so Jost, hat die Verwirklichung des digitalen Führers die IG, dank des Entgegenkommens aller Beteiligten, nur etwa 5000 Euro gekostet – was im Verhältnis zum Aufwand und zur investierten Zeit überaus günstig ist und auch günstig sein musste, denn die IG mit ihren etwa 100 Mitgliedern finanziert sich nur durch die kleinen Mitgliedsbeiträge (1 Euro pro Monat), Spenden und die Einnahmen vom Weinfest („und weitere Mitglieder sind sehr gerne willkommen“, so Jost). Die Stadt Püttlingen hatte zudem – mit einem 1000-Euro Scheck – auch bei der Finanzierung des Projektes geholfen.

Die technische Seite der digitalen Führung ist so angelegt, dass sie der Verein selbst warten kann, was Vorstandsmitglied Pascal Comtesse übernimmt, der sich auch schon in die Entwicklung des Projektes eingebracht hatte. Über eine Weiterentwicklung wird bereits nachgedacht, etwa über eine entsprechende Führung für die historische Martinskirche oder das Saarländische Uhrenmuseum, beides nahe der Burg gelegen, so dass eine digitale Führung für das „komplette Paket“ nicht ausgeschlossen ist.

Seit etwa einem Jahr gibt es schon eine ganz klassische Beschilderung an den Burgtürmen – in drei Sprachen. Für die digitale Führung soll es ebenfalls Übersetzungen geben, so dass sich auch französische oder englischsprachige Gäste per Smartphone durch die Burg führen lassen können.