Ein zauberhaftes Sommerfest

Heiter ging's zu beim Sommerfest des Vereins „Kinder von Tschernobyl“ im Püttlinger Espenwald. Wie seit Jahren ermöglicht der Verein jungen Weißrussen einen Ferien-Aufenthalt im Köllertal.

Magierin Natalie zaubert mit ihrer Kindershow nicht nur bunte Blumen aus schwarzen Papprohren. Sie zaubert quasi nebenbei ein Funkeln in die Augen ihrer jungen Zuschauer und obendrein ein Lächeln ins Gesicht. Und weil sie dazu nicht viele Worte braucht, macht es auch keinen Unterschied, ob ihr Kinder aus Deutschland oder aus Weißrussland zuschauen. Das verstehen alle, das macht allen Spaß, dafür applaudieren alle.

Die Zauberin ist eine der Attraktionen beim Kinderfest des Vereins "Kinder von Tschernobyl" auf der Anlage im Püttlinger Espenwald am vergangenen Sonntag. 23 Kinder aus Weißrussland sind derzeit bei elf Gastfamilien in Püttlingen untergebracht, das Kinderfest ist eines von vielen Erlebnissen, die die Jungs und Mädchen mit nach Hause nehmen sollen.

Hilde und Gottfried Holzer sind die Vereinsgründer, und sie erklären, wie Tschernobyl und Weißrussland zusammen passen: "Tschernobyl liegt in der Ukraine, aber nahe der Grenze zu Weißrussland." Dort gibt es also auch viele Menschen, die noch immer unter dem Reaktorunglück von 1986 zu leiden haben. Der Püttlinger Verein besteht und hilft seit 2000. Zuvor waren die Holzers in einem ähnlichen Verein in Rheinland-Pfalz tätig.

"Die dauernden Fahrten nach Bad Dürkheim wurden uns aber irgendwann zu viel, und wir haben unseren Verein gegründet", berichten sie. Anfangs mit 50 Gleichgesinnten, aktuell zählt der Verein 220 Mitglieder. Gut 15 000 Euro benötigt der Verein für seine Hilfen, unter anderem schickt er jährlich zwei Hilfskonvois mit Möbeln, Kleidung und Hilfsgütern los. Ein Konvoi allein koste schon rund 7000 Euro.

Kein Platz für trübe Gedanken

Das Geld erwirtschaftet der Verein durch Mitgliedsbeiträge, Spenden und Veranstaltungen wie das Kinderfest im Espenwald. Die Kommunikation zwischen Gästen und Gastfamilien funktioniert. Bei den gemeinsamen Unternehmungen sowieso, weil dann ja die beiden russischsprachigen Betreuerinnen dabei sind. Und zusätzlich noch eine der Gastfamilien Russisch spricht. Und bei den Gastfamilien klappt es auch meist irgendwie, sich auszutauschen. In Notfällen eilen die stets in Bereitschaft stehenden Betreuerinnen kurz nach einen Handy-Anruf herbei, um zu übersetzen.

Das Unglück, das Tschernobyl weltbekannt und zum Sinnbild für den Super-Gau (Größter anzunehmender Unfall) gemacht hat, ist beim Austausch kein Thema mehr. Auch nicht in der betroffenen Region. Gottfried Holzer: "Das wird dort gern unter den Teppich gekehrt." Für trübe Gedanken ist beim heiteren und sonnigen Sommerfest auf der Anlage des Handball-Sportvereins Püttlingen sowieso kein Platz.

Alle freuen sich über Tombolagewinne und auf den Trommelworkshop mit dem aus Afrika stammenden Max Busso. Und die Magierin kommt inzwischen zum Ende ihrer Vorführung. Zunächst verwandelt sie Ringe mit weißen Fransen in Ringe mit bunten Fransen. Schließlich singt sie ihr Schlusslied und freut sich über den Applaus ihres internationalen jungen Publikums.

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