Ein vielsaitiges Konzert

Die Gitarristen Frank Brückner und Dietmar Kunzler gaben unter dem Titel „Vielsaitig“ nicht nur ein Konzert in der Köllerbacher Martinskirche, sondern führten dabei auch viele Gitarren-Arten und ungewöhnliche Verwendungsmöglichkeiten vor.

Als studierter Musiker verzieht er bei diesem Gedanken leicht pikiert das Gesicht: "Bach auf dem Banjo, das macht man nicht." Sitzt Frank Brückner allerdings als Saitenspieler neben seinem Musiker-Kollegen Dietmar Kunzler, ist dieser Gedanke überhaupt nicht mehr abwegig. Mit seinen Stahlseiten und dem Plektrum-Anschlag klingt das urige Saiteninstrument schließlich einem Cembalo ähnlich, argumentiert das Gitarrenduo - so auch beim Auftritt unter dem Motto "Vielsaitig" am Sonntagnachmittag in der idyllischen Köllerbacher Martinskirche.

Klassik hatten beide vorab versprochen. Jedoch nicht nur klassisches von Bach, sondern auch aus Südeuropa und Südamerika. Zunächst lieferten beide feurige spanische Klassik - wie den "Tanz des Müllers". Aus Felix Mendelssohn-Bartholdys Sammlung "Lieder ohne Worte" hatten sie eine venezianische Melodie rausgesucht. Brückner schwärmte: "Das besitzt eine Romantik, die keinen kalt lässt." Komisches gab es auch. "Es gibt tatsächlich Komponisten mit Humor, Carlo Domeniconi war so einer, er hat ein Quartett für vier Gitarren, vier Gläser und eine Flasche Wein geschrieben", so Brückner. Und bedauerte: "Leider sind wir kein Quartett, deshalb spielen wir von ihm ,Szenen aus dem Zirkus'." Das amüsierte auch die Zuhörer im gut besuchten Kirchenschiff - gerade, weil es jetzt nicht nur auf filigranes Saitenspiel ankam. Sondern auch darum, den Instrumenten zum Teil bizarre Töne zu entlocken.

So auch bei "Flick, dem Andenfloh". Die Szene "Wachsfigurenkabinett" trägt den Untertitel "Treffen mit alten Bekannten". Das bezieht sich in diesem Fall auf bekannte, leicht veränderte Melodienfragmente. So ist am Schluss deutlich Jacques Offenbachs "Can-Can" herauszuhören.

"Vielsaitig", das bezieht sich bei Brückner und Kunzler vor allem auf die Vielzahl der gespielten Instrumente. Neben klassischen Konzertgitarren und dem bereits genannten Banjo auch die Gitarre , die mehr Ukulele ist und die Kunzler "kleine Freundin" nennt: Eine brasilianische Cavaquinho, die meist bei der Shoro-Musik eingesetzt wird. Oder eine Charango, die Kunzler so charakterisiert: "Sie hat eine verrückte Stimmung, damit lassen sich aber herrliche Terzen spielen." Den musikalischen Beleg für diese Aussage blieb er selbstverständlich nicht schuldig.