Ein Garten, der lebt

Die Pracht eines Gartens spiegelt die Liebe zur Natur. Bei Familie Wolsdorfer in Püttlingen konnte man es beim Tag des offenen Gartens deutlich spüren. Wer so schön im Grünen lebt, braucht keinen Urlaub mehr.

Wie nähert man sich einem Garten? Erst mal Platz nehmen im Hof von Familie Maurer in Köllerbach . Die Augen rund gehen lassen, um wahrzunehmen. Man sieht: Rustikale Bänke, Milchkannen, Sense und ein altmodisches Alusieb am Staketenzaun, Sandspielkasten, Basketballkorb, eine Schaukel - hier ist eine Familie zu Hause.

Eine Familie mit Faible für den eigenen Garten: "Als wir vor elf Jahren hierher gezogen sind, war alles mit riesigen Tannen und meterhohen Brombeerhecken überwuchert, das ganze Gelände", sagt die Hausfrau Kristina Maurer.

"Das ganze Gelände", das ist schnell gesagt, umfasst aber schätzungsweise 3500 Quadratmeter. Viel Arbeit, schönes Ergebnis! Überall blüht und gedeiht es jetzt. Hinter jeder Hecke warten Überraschungen auf die Besucher beim Tag des offenen Gartens.

Skulpturen gibt es hier, interessant aussehende Wurzelstöcke, mehr oder weniger behauene Sandsteine und Sitzecken. Am schönsten ist es zweifellos im Rosengarten: Hier plaudern zwei Freundinnen beim Kaffee miteinander, Aloisia Groß und Irene Schwarz. "Wunderbar angelegt ist dieser Garten", urteilen die zwei Frauen.

Neben ihnen steht Michelangelos David - natürlich als Nachbildung. Wenige Meter weiter piepen vier Küken, der Hahn kräht, die Hennen gackern, scharren und sorgen fürs Frühstücksei. Im Kartoffelacker blüht es vielversprechend. Im selbst gebauten Gewächshaus, 25 Quadratmeter groß, warten Tomaten aufs Wasser. Im Obstgarten wachsen Exoten wie Zitronenapfelbaum, Williams Christbirne, Blutapfel oder der Littau-Peppinger-Tafelapfel.

Kristina und Karl-Heinz Maurer mit den Kindern Marie-Louise, Ann-Kathrin und Roland sowie Oma Irene - Mutter und Großmutter stammen aus Lettlands Hauptstadt Riga - lassen ihren Garten bewusst naturbelassen. Passend dazu bieten sie ihren Gästen leckere Spezialitäten aus eigener Herstellung an: naturtrüben Apfelsaft und Chutneys aus "Tomate/Lavendel" oder "Grünen Tomaten /Aprikose". Brot gibt's dazu und die Aufforderung: "Probieren erlaubt!"

Beim Tag des offenen Gartens flanieren immer wieder Besucher hindurch. Das Fazit zieht Heinz Obermann: "Dieser Garten ist nicht mit dem Maßband angelegt, ist aber ein Ort zum Wohlfühlen und Entspannen. Bewundernswert die Energie, die dahinter steckt." "Mein erster Eindruck: Heimelig wie zu Hause", urteilt Karin Veit aus der Landeshauptstadt Saarbrücken am vergangenen Sonntag beim Tag des offenen Gartens in Püttlingen. Erich Strauß, Ilse und Bärbel Wolsdorfer haben eingeladen, um zu zeigen, was sie innerhalb eines Vierteljahrhunderts geschaffen haben. Als erstes strebt unsereins, als Schreiber, die ruhige Sitzecke an, zum stillen Beobachten. Es handelt sich um eine Art "Blauer Salon" im Grünen, mit Bänken, Japanschirm und sogar einer Bücherecke, die mit Fachliteratur zum Schmökern einlädt. Alles hier ist in Blau gehalten. Unmöglich, nicht entspannt zu sein.

Der Blick geht rund, man sieht weiße Rosen am Stock, Lachsrosen im Beet, rosarote Ramblerrosen "Maria Luisa", die den Klar-Apfelbaum durchwuchern und damit interessante Farbkontraste schaffen. Hier das grüne Farnkraut, da blüht es lila, dort gelb, nebenan rot und blau - man mag gar nicht nach den Namen der vielen Blumen fragen.

"Muss man auch gar nicht. Die Blumen brauchen keine Namen. Sie wollen einfach nur bewundert werden. Es ist äänfach ebbes Herrliches", sagt Besucherin Gisela Hauprich.

Nicht nur die vielen Blumen , auch der Gemüse-, Salat- und Obstgarten findet seine Bewunderer. In den rückenschonenden Hochbeeten fühlen sich Kohlrübe, Kopfsalat & Co. offensichtlich wohl. Selten hat man solche Köpfe gesehen. Sogar Heidelbeeren wachsen hier, tragen bereits Früchte. Die Tomatenstöcke wirken gesund. Ob das an der Naturnähe liegt? "Wir kommen hier ganz ohne Spritzmittel aus", sagt Bärbel Wolsdorfer. Man arbeite im Garten viel mit und nie gegen die Natur. Dazu gehören Totholzhaufen, etwa für Igel.

In den so genannten Wildbienenhotels finden nützliche Insekten ihren Lebensraum. Ein Teil der Wiese darf stehen bleiben, anstatt ständig auf Zentimetermaß gemäht zu werden, zum Blühen und Verblühen. Brennesselhecken sind gut für Schmetterlinge. An Bäumen und Sträuchern hängt Stroh in Behältern, als Unterschlupf für nützliche Krabbeltiere. "Ich bin erstaunt über diese Vielfalt", urteilt Besucher Hans-Georg Müller, selbst ein bekennender Gartengestalter mit anerkannt "Grünem Daumen".

Hinten und vorne wird gefachsimpelt, was das Zeug hält, und es bleibt die Erkenntnis von Besucherin Sandra Rupertus: "Dieser Garten ist mit Herzblut angelegt und macht viel Freude." Kristin Schulte und ihr Lebensgefährte Angelo Valentini aus Köllerbach-Sellerbach, deren Garten wir bereits im Vorfeld vorgestellt hatten, freuten sich am Tag der offenen Gartentür über die große Schar der Besucher. Ganz besonders erfreut war die Besitzerin über das große Interesse an ihrem Lieblingsstück, dem 200 Jahre alten Birnbaum. Sie schildert: "Zwischen 10 und 18 Uhr hatten mein Freund und ich alle Hände voll zu tun, die vielen Leute durch den weitläufigen Garten zu führen und dabei die Blumen , die Bäume, das Gewächshaus sowie die Terrassen und Ruheplätze zu erklären. Der Garten hat sich den Besuchern von seiner schönsten Seite präsentiert. Es war ein richtig schöner Tag."