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Ein ganzes Volk gerettet

Das Bienenvolk, ohne schützendem Haus in einem Apfelbaum, ist inzwischen gerettet. Foto: Imker
Das Bienenvolk, ohne schützendem Haus in einem Apfelbaum, ist inzwischen gerettet. Foto: Imker FOTO: Imker
Püttlingen. Wer kann schon von sich behaupten, Tausende Leben gerettet zu haben? Der Püttlinger Imker Hans-Jürgen Schmidt hat ein ganzes Volk gerettet: Honigbienen, die in freier Natur einen ungeschützten Stock gebildet hatten und schon total ausgehungert waren, bekamen ein neues, geschütztes Zuhause. Hans-Joachim Schmidt

Was geschieht eigentlich mit einem Schwarm Honigbienen, der nicht entdeckt wird und von keinem Imker in einem neuen Bienenstock geschützt wird? Das bekam ein Gartenbesitzer auf der Folsterhöhe in Saarbrücken zu sehen, der in einem seiner Apfelbäume eine Überraschung entdeckte - und zwar eine ziemlich große in Form mehrerer ineinander übergehender Wabengebilde.



Offenbar schon seit ihrer Schwarmtätigkeit im Mai hatten die Bienen damit begonnen, Regen und Sonne ausgesetzt, auch ohne schützende Hülle Waben zu bauen und Nektar zu sammeln. Die Königin legte zudem Eier und versuchte, mit Hilfe ihrer Ammenbienen das Volk zu vergrößern. Dennoch hatte das Bienenvolk bei seiner Entdeckung kaum mehr Futter und musste hungern. Die Varroa-Milbe hätte das Volk vermutlich schon bis zum Winter ausgelöscht.

Für den Püttlinger Imker Hans-Jürgen Schmidt, der zu Rate gezogen wurde, war es klar, dass er dem Schwarm helfen musste. Aber er musste zunächst auf feuchtes Wetter warten, denn bei Nieselregen ist wenig "Flugbetrieb" in einem Bienenvolk. Bekleidet mit seinem Schutzanzug schnitt er dann die Waben vom Ast ab und stellte sie in einen neuen Bienenkasten.

Auch die wenigen Flugbienen, die gerade trotz Feuchtigkeit unterwegs waren, fanden schnell zu ihrem Volk im neuen Bienenkasten zurück. Dort bekamen die Bienen zunächst sechs Kilogramm Zuckersirup, den sie auch begierig annahmen. Inzwischen haben die Baubienen sogar schon neue Waben gebaut, und die Königin hat begonnen, neue Eier in die Waben zu legen, um das Volk zu vergrößern. Im September steht jetzt die Varroabekämpfung an, so dass das Volk gute Chancen hat, den Winter zu überstehen.

Zum Thema:

Hintergrund Honig von Wildbienen wurde schon in der Steinzeit erbeutet. Eine 8000 bis 12 000 Jahre alte Höhlenmalerei nahe der spanischen Stadt Valencia zeigt einen Honigsammler, der aus einem Loch in einem Baum Honig entnimmt. Der Ursprung der Hausbienenhaltung ist nicht ganz geklärt. Er könnte im heutigen Anatolien (Türkei) liegen und auf das 7. Jahrtausend vor Christi Geburt zurückgehen. red