Ein Biopionier gibt Tipps

Köllerbach. "Obst? Kaufen? Ich?" Josef Himbert muss schmunzeln. "So was gibt's bei uns gar nicht aus dem Geschäft. Das kennen wir nicht

Köllerbach. "Obst? Kaufen? Ich?" Josef Himbert muss schmunzeln. "So was gibt's bei uns gar nicht aus dem Geschäft. Das kennen wir nicht." Zum dritten Mal schon hat der 75-Jährige nun seinen Garten geöffnet im Rahmen der Aktion "Tag der offenen Gartentür", und in jedem Jahr besuchen ihn mehr Menschen, um sich seinen Garten anzusehen und zu hören, was der ehemalige Hüttenarbeiter über seine grüne Oase zu erzählen hat."Angefangen haben wir auf unseren 30 Ar im Jahr 1963, mit Obst und Gemüse, das unglaublich stark gedüngt und mit Pestiziden gespritzt werden musste", berichtet Himbert. Aber schnell wurde ihm klar: Das kann nicht der richtige Weg sein. "Wir haben dann nach und nach angefangen, auf chemikalienfreien Anbau umzustellen. Das Einzige, was aus der Chemiezeit übrig ist, sind die Obstbäume. Aber auch die haben wir so veredelt und umgeschnitten, dass alles rein natürlich ablaufen kann." Auf die Frage, ob man ihn als Pionier des Bioanbaus bezeichnen kann, sagt er: "Ja, kann man. Heute ist das ja etwas, worauf man stolz sein kann. Früher war das etwas, wofür man ausgelacht wurde." Denn es ist nicht leicht, auf alle Chemie zu verzichten. Und selbst wenn es gelingt, sind die Erträge niedriger als im konventionellen Obst- und Gemüseanbau. "Man muss viele Faktoren beachten und so nahe wie möglich an ein perfektes natürliches Gleichgewicht herankommen", verrät er den vielen Zuhörern bei einem kleinen Rundgang durch den großen Garten.Da sind zunächst die Beerengewächse, bei denen Himbert vor allem auf sehr robuste, aber nicht unbedingt sehr ertragreiche Sorten setzt. "Allein drei verschiedene Himbeersorten haben wir hier. Die werden zu verschiedenen Zeiten reif, nicht alle auf einmal, dann hat man mehr davon." Für seine am Boden wachsenden Früchte und Gemüse nutzt er engmaschige Netze, die über die Pflanzen ausgelegt werden. "Dann haben Schnecken und Fluginsekten gar nicht erst Kontakt mit den Pflanzen. Außerdem halten die Netze Flüssigkeit und verbessern so die Bewässerungssituation." Zu kaufen gibt es den Stoff aber nicht im Saarland, den muss Himbert aus dem Badischen importieren. Entsprechend groß ist der Andrang auf die Adresse des Herstellers.Mit diesen Maßnahmen kann der Hobbygärtner die Schädlinge auf seinem Grundstück zwar nicht gänzlich vertreiben, aber ihre Zahl so gering halten, dass die Natur selbst mit Himberts Kontrahenten fertig wird: In einem Verschlag ("wegen des Fuchses und der Greifvögel") hält er Enten und Hühner, die sich gern um die verbleibenden Schnecken und andere Insekten kümmern.Als weitere Wunderwaffen gibt es bei ihm Hummeln, Honig- und Wildbienen. "Den Wildbienen biete ich mit durchlöcherten Baumscheiben überall auf dem Grundstück schon mal eine ideale Behausung. Damit sie das ganze Jahr über hier bleiben und ihre Arbeit in der Schädlingsbekämpfung verrichten, brauchen sie aber mehr, und zwar blühende Pflanzen." Die Obstbäume allein genügen dafür aber nicht, sie blühen zu kurz. Deshalb pflanzt Himbert zwischen den Bäumen gezielt Pflanzen, die über das Jahr verteilt blühen.Bis sich so ein komplexes Ökosystem eingespielt hat, vergehen Jahre und sogar oft Jahrzehnte. "Aber ich mache das ja auch schon seit Jahrzehnten", freut sich Himbert. Viele einstige Kritiker haben begonnen, dem Köllerbacher nachzueifern. Bis sich deren Ökosysteme eingespielt haben, müssen sie ungespritztes Obst aber weiterhin im Laden kaufen. Das hat Josef Himbert längst hinter sich.