Drei Schwänke mit Würstchen

Püttlingen. Die Atmosphäre macht's. Bei den Aufführungen der Neuen Püttlinger Volksbühne in Jansens Eck kommen nostalgische Gefühle auf. Es ist wie eine kleine Zeitreise. Man nimmt den Seiteneingang, steigt die Treppe hinauf, und schwupps landet man in den 50-er Jahren, als es noch überall schöne Säle mit Bühnen gab. Diese gemütlichen Aufführungsorte haben heute Seltenheitswert

Püttlingen. Die Atmosphäre macht's. Bei den Aufführungen der Neuen Püttlinger Volksbühne in Jansens Eck kommen nostalgische Gefühle auf. Es ist wie eine kleine Zeitreise. Man nimmt den Seiteneingang, steigt die Treppe hinauf, und schwupps landet man in den 50-er Jahren, als es noch überall schöne Säle mit Bühnen gab. Diese gemütlichen Aufführungsorte haben heute Seltenheitswert. Umso schöner, dass die Püttlinger Amateurtheatertruppe die Chance nutzt und was draus macht. Am Samstag lud der Verein zum "Wienerabend", am Sonntag folgte der "Theaterkaffee".Bei den Aufführungen ist das stilvoll inszenierte genüssliche Drumherum die halbe Miete. Das Publikum wählt mit Erwerb der Eintrittskarte gleichzeitig das Beiprogramm für Leib und Magen. Am Sonntagnachmittag sorgte ein Buffet mit zig selbst gebackenen Kuchen und schön verzierten Torten für Kaffeetafel-Stimmung.

Der Vorspann auf der Bühne gehört dem Schauspielernachwuchs: Die Bühne ist ganz deutsches Wohnzimmer. Mit Couch und Fernseher, Bildern an der Wand und Anrichte in der Ecke. Ein junges Paar schaut sich ein Fußballspiel an. Er: Fan mit Fähnchen. Sie: Frau mit Null Fußball-Ahnung.

Während sich das Publikum beim Sketch "Der Ball ist rund" warmlacht, wandern im Saal gegenüber die Würstchen in den großen Topf. Franz-Josef Mai sitzt am Tisch und geht noch mal den Text für die "Gerichtsverhandlung" durch. Er spielt den Raufbold Mückenfett. Kornelia Jochum, im Stück seine möchtegern-elegante Schwiegermutter, schaut dem "Angeklagten" über die Schulter.

Es sei ganz schön schwierig gewesen, die Rollen zu besetzen, so Regisseurin Petra Stockart. Es handle sich zwar um eine Komödie, aber vom Milieu her wäre es etwas anders als gewohnt. Da wurden aus den Darstellern neue Seiten rausgekitzelt. Auch die Arbeit am Text war aufwendig, denn der musste vom Bayrischen ins Saarländische übersetzt werden.

Doch ehe es ins Gaunermilieu geht, ist Eleganz angesagt: Ilse Thome und Günter Pfeiffer warten in der Diele auf ihren Einsatz als Silberhochzeiter. Sie mit Pelz, Hütchen und dunkelblauem Kostüm, er mit Schlips und Kragen. "20 Minuten Spielzeit - das macht zwei Din-A-4-Seiten-Text", verrät Souffleuse Helga Jungmann. "Das können wir rauf und runter", sagt der Darsteller. Seine Bühnenpartnerin, Darstellerin und Regisseurin in Personalunion, meint: "Aber hoffentlich sind alle Requisiten da, wo sie hingehören." Keine Bange. Dafür sorgt Benjamin Michels. Eben noch als Spielleiter der Jugend in Aktion, gibt er nun im Schwank "Die Silberhochzeit" den Oberkellner. Er bestückt das Vertiko mit silbernem Sektkübel, trägt Blumen, Weingläser, Besteck herbei. Doch von wegen schön essen gehen: Der Herr Gemahl hat kein Portemonnaie dabei und benimmt sich aus taktischen Gründen wie eine Kombination aus Ekel Alfred und Heinz Becker. Sein Plan geht auf, denn zur Bestellung kommt es nicht.

Wenig später greift Theaterchef Detlef Stockart zum Mikro und kündigt den "Höhepunkt der Veranstaltung" an. Die Tür geht auf. Man fühlt sich wie im Sterne-Restaurant: Eine ganze Galerie von Bedienungen schreitet herein. Hübsch nacheinander. Jeder balanciert vornehm einen weißen Teller auf der Rechten. Drauf drapiert sind zwei Wienerle mit Weck und einem Klacks Senf. Und danach geht es ins Gaunermilieu.

Hintergrund

Drei Schwänke gab's auf der Bühne, die 13 Darsteller waren: "Der Ball ist rund": Fabian und Svenja Schienke. "Die Silberhochzeit": Günter Pfeiffer, Ilse Thome. "Die Gerichtsverhandlung": Nadine Leschik, Tamara Zimmer, Melanie Kuhnert, Franz-Josef May, Yvonne Stockart, Kornelia Jochum, Heinrich Heinz, Christoph Leschik, Doris Stockart. hof

Auf einen Blick

Nächsten Sonntag, 29. April, lädt die Neue Volksbühne nochmals zum Theater-Kaffee in Jansens Eck, Einlass ab 14 Uhr, Beginn um 15 Uhr. Der Eintritt, inklusive Kaffee & Kuchen, beträgt 8,50 Euro. Karten gibt es in der Buchhandlung Balzert, bei Schreibwaren Konrad, Tabakwaren Grün, Schreibwaren Schikofsky (Köllerbach) und in Jansens Eck. hof