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Drei Schafe grasen am Mühlengrund: Diese „Mädels“ fressen zehn Stunden am Tag

Drei Schafe grasen am Mühlengrund : Diese „Mädels“ fressen zehn Stunden am Tag

Drei vom Aussterben bedrohte Waldschafe in Püttlingen, im Bereich Mühlengrund, sollen der Verbuschung entgegenwirken.

„Um Vogelschutz zu betreiben, muss man Landschaften gestalten,“ sagt Christof Scherer, Vorsitzender des Natur- und Vogelschutzvereins (NVV) Püttlingen. Ihn trafen wir dieser Tage mit Mitstreitern beim neuesten NVV-Projekt: Hier, in der Straße Im Mühlengrund, zwischen Köllerbach, Kläranlage und Völklinger Straße, hatte die Natur in den vergangenen Jahrzehnten überhand genommen. Weil es kaum noch Landwirte gibt, die die Wiesen mähen und weil auch die im vorigen Jahrhundert noch beliebten Ziegen aus der Mode gekommen sind. Um den Wildwuchs zu begrenzen, hat der NVV im vergangenen Jahr bereits schottische Hochlandrinder hierher gebracht — die Saarbrücker Zeitung berichtete. Mit Erfolg: Die kleine Herde hält ihren Beritt in der Tat „besenrein“. Oberhalb des Zuweges zur Kläranlage sah es dagegen aus wie vor Dornröschens Zauberschloss. „Wo wir hier stehen, befand sich bis vor wenigen Wochen noch ein undurchdringlicher Brombeerdschungel“, sagt Theo Schröder, 2. Vorsitzender des Vereines.

Weil der Regionalverband Saarbrücken als Hüter von Streuobstwiesen, die Stadt Püttlingen (sowie weitere Grundstückseigner) als Besitzer der Fläche hohes Interesse an einer extensiven Bewirtschaftung des rund 1,1 Hektar großen Geländes haben, ließ der Verein das Gebiet erst häckseln, dann einzäunen.

Zum Vergleich: Robben und Ribery umdribbeln in der Allianzarena München ihre Gegner auf einem 7 140 Quadratmeter großen Spielfeld. Hier, im Mühlengrund, auf 10 000 Quadratmetern trippeln lediglich die drei Schafe. „Waldschafe fressen zehn Stunden am Tag“, erklärt Scherer. Und: „Ziel ist es, die Artenvielfalt im Gebiet zu erhören, um Insekten, Spinnen, Kleinsäugern und Vögeln einen Lebensraum zu bieten.“

Die Wahl sei auf das Waldschaf gefallen, das schon auf der Roten Liste der „Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen“ mit dem Vermerk „Stark gefährdet“ stehe, so der Vorsitzende. „Zur Zeit besitzt der NVV Püttlingen die einzigen Waldschafe im Saarland“, betont Mithelfer Johannes Altmeyer. Die Grundstücksverhandlungen, so Scherer, mit der Stadt und sechs weiteren Eigentümern hätten bereits im September 2015 begonnen. Weitere Anwohner hätten sich mittlerweile von selbst gemeldet, um ebenfalls in das Projekt mit einbezogen zu werden. Ein zweitägiger Lehrgang zur Schaf- und Ziegenhaltung beim dafür zuständigen Landesverband sei von Vereinsaktivisten erfolgreich absolviert worden. Scherer: „Weitere ehrenamtliche Helfer sind willkommen und können sich gerne beim NVV Püttlingen unter Telefon (01 57) 87 72 92 78 melden.“

Allein bleiben die drei „Mädchen“ in Püttlingen wohl auch nicht, die Anschaffung eines Bockes wird für den Herbst oder das kommende Frühjahr bereits angestrebt. Und: „Um Anfragen besorgter Anwohner zu beantworten: Wir haben einen Wildwechsel angelegt, den Rehe oder andere Tiere problemlos überspringen können, nicht aber unsere Waldschafe“, versichert Altmeyer.