Die Tochter gewinnt das Familienduell

Die Tochter gewinnt das Familienduell

Mehr als 200 Zuschauer erlebten ein intensives und spannendes Derby in der Handball-Oberliga: Mit 20:16 führte die HSG Marpingen-Alsweiler nach 45 Minuten. Beim Schlusspfiff feierte der HSV Püttlingen einen 26:23-Auswärtserfolg – und Tochter Michelle Hartz einen Sieg gegen Vater Jürgen.

Jürgen Hartz, der Trainer des Handball-Oberligisten HSG Marpingen-Alsweiler, saß nach der Schluss-Sirene allein im Geräteraum der Sporthalle in Marpingen. "Es ist für mich nicht einfach zu erklären, warum wir das Spiel verloren haben", sagte er grübelnd. Auf dem Parkett feierte der HSV Püttlingen den 26:23 (10:11)-Derbysieg. Mittendrin, aber gefasst: Hartz-Tochter Michelle. Die 17-Jährige kam bei den Gästen zu einem Kurzeinsatz. "Ich bin froh, dass wir noch gewonnen haben", meinte sie lachend.

Die Liebe zum Handball liegt in der Familie. Jürgen Hartz hat vier Jahre lang seinen Sohn Maximilian trainiert. Jetzt ist seine Tochter Michelle an der Reihe. Seit einem Jahr betreut der ehemalige Nationalspieler die A-Jugend der JSG Süd-Ost Saar, in die der TV Niederwürzbach eingegliedert ist. Wie einst der mittlerweile 50-Jährige, spielt Tochter Michelle beim Oberliga-Tabellenführer im linken Rückraum. Auch am vergangenen Samstag fuhren Trainer und Spielerin wieder gemeinsam zur Sporthalle. Nur war diesmal alles anders.

Seit Saisonbeginn ist Michelle mit Doppelspielrecht auch für den HSV Püttlingen im Einsatz. Papa Jürgen trainiert seit Juli auch die HSG Marpingen-Alsweiler. Beim Saarderby standen Vater und Tochter erstmals auf zwei verschiedenen Seiten. Michelle sagte vor dem Spiel: "Es ist bestimmt komisch, wenn der Papa auf einer anderen Bank sitzt." Jürgen Hartz gestand vor der Partie: "Das ist für mich schon eine neue und ganz besondere Konstellation." Der 50-Jährige hatte schon einige HSV-Spiele gesehen und bei den Einsatzzeiten seiner Tochter genau hingeschaut. Er vergleicht: "Das Doppelspielrecht ist eine sinnvolle Sache, belastet sind die Spielerinnen auch nicht über. Die jungen Spielerinnen lernen, Verantwortung zu übernehmen und entwickeln sich dadurch besser. Es ist wie beim begleiteten Autofahren."

Die Mischung stimmt

Beim Vizemeister Püttlingen stimmt für den Ex-Nationalspieler die Mischung in der Mannschaft, denn die erfahrene frühere Moskitos-Akteurin Aleksandra Jelicic hilft ab und an aus. "Die Mannschaft ist mit den vielen gestandenen Oberliga-Spielerinnen sehr gut eingespielt", sagt Jürgen Hartz, der nach dem Saarderby auf der gemeinsamen Heimfahrt von Marpingen nach Niederwürzbach mit seiner Tochter wohl viel zu besprechen hatte. Denn seine Mannschaft hatte es versäumt, sich deutlicher als mit 7:4 (15. Minuten) von Püttlingen abzusetzen. HSV-Trainer Hans-Werner Müller hatte der Auftritt seiner Spielerinnen überhaupt nicht gepasst. "Was ihr in der Abwehr spielt, ist Schlafwagen-Handball", hatte er lautstark während einer Auszeit bemängelt.

Nur Torfrau Kathrin Lill, die fünf Großchancen der HSG Marpingen-Alsweiler abwehrte, hatte Püttlingen den knappen 10:11-Pausenrückstand zu verdanken. Zudem kam der HSV mit insgesamt neun zugesprochenen Siebenmetern bei der Regelauslegung der Unparteiischen besser weg als die Moskitos (drei Strafwürfe).

Bis zum Stand von 13:13 bewegten sich beide Mannschaften im Gleichschritt, ehe die Gastgeberinnen einen 4:0-Lauf zum 17:13 (39. Minuten) hinlegten. Hartz hatte Jugendspielerin Seline Kunrath eingewechselt, der von der Rechtsaußenposition vier Tore gelangen. Mit einer Einzelleistung von Sara Urhahn hielten die Moskitos beim 20:16 (45. Minute) ihren Vier-Tore-Vorsprung. "Wir haben dann aber ein paar unglückliche Entscheidungen getroffen und waren hinten nicht mehr so wach", beklagte Hartz. Die Folge: Marion und Karoline Müller sowie Kira Martin nutzten dies zum 20:20-Ausgleich. "Entscheidend war, dass wir die Nerven behalten haben", lobte HSV-Trainer Hans-Werner Müller. Marion Müller, die mit elf Treffern beste Torschützin des HSV Püttlingen war, glich mit ihrem achten verwandelten Strafwurf-Tor zum 21:21 aus. Und Karoline Müller traf aus 25 Metern zum 22:21 (54. Minute) in das leere Tor, weil die HSG Marpingen-Alsweiler im Angriff mit der siebten Feldspielerin für Schlussfrau Christine Herrmann spielte und sie nach einem Fehler nicht mehr rechtzeitig ins Tor zurückkam. Nach Urhahns Ausgleich verpassten Lea Helle und die Müller-Schwestern den in Unterzahl auf dem Feld stehenden Gastgeberinnen den entscheidenden Schlag zum 25:22.

"Es hätte genauso umgekehrt ausgehen können", resümierte Püttlingens Trainer Hans-Werner Müller, dessen Mannschaft Rang fünf belegt und am kommenden Sonntag um 17 Uhr beim Tabellenzehnten TV Moselweiß spielt.

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