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Die Schotten kommen

Im Mühlengrund bereitet der Natur- und Vogelschutzverein Püttlingen-Ritterstraße das Gelände für Hochlandrinder vor. Auf dem Traktor: Projektleiter Christoph Scherer. Foto: Jenal
Im Mühlengrund bereitet der Natur- und Vogelschutzverein Püttlingen-Ritterstraße das Gelände für Hochlandrinder vor. Auf dem Traktor: Projektleiter Christoph Scherer. Foto: Jenal FOTO: Jenal
Püttlingen. Schottische Hochlandrinder im Köllertal: Das Beweidungsprojekt des Natur- und Vogelschutzvereines Püttlingen-Ritterstraße kommt in Gang. Im April könnten die ersten Tiere im Mühlengrund grasen. Walter Faas

Dieser Tage im Püttlinger Mühlengrund: Neblig ist es und kalt. Wildwuchs der großen Wiese hin zur Kläranlage: Eiche, Weißdorn, Schlehe, Walnussbaum, Linde, uralte Apfelbäume wachsen hier. Und riesige Brombeerhecken, dazu direkt am Köllerbach Weide, Pappel, Schwarzerle und Esche.

Es sind drei Hektar Gelände - das würde für sechs Fußballfelder reichen. Hier will der Natur- und Vogelschutzverein Püttlingen-Ritterstraße (NVV) schottische Hochlandrinder ansiedeln. Von der Idee bis zu den Pachtverträgen sei schon alles unter Dach und Fach, versichern der Vereinsvorsitzende Hermann Josef Ludwig und NVV-Projektleiter Christoph Scherer. 260 Zaunpfosten aus langlebiger Robinie und rund 1000 Meter Elektrozaun hat der Verein bereits gesetzt, "aus eigener Kraft und auf eigene Kosten, ohne öffentliche Zuschüsse".

An Beweidungsprojekten und den eingesetzten Tieren gibt es auch Kritik. Das wissen die Verantwortlichen. "Welche Tiere zur natürlichen Beweidung von Auen und Tälern eingesetzt werden, spielt aber eigentlich keine große Rolle", so Projektleiter Scherer. Und Hochlandrinder böten Vorteile, etwa "als Spezialist für kühle und nasse Feuchtwiesen wie hier im Mühlengrund" komme das aus den schottischen Highlands stammende Rind bestens zurecht. Robuste Tiere, die im Prinzip ohne Stall und großartige Pflege auskommen. Und auch einem friedlichen Zusammenleben mit Biber oder Storch (die die Naturschützer ebenfalls gerne im Mühlengrund sehen würden) stehe nichts im Weg. Die Flora und Fauna im Gelände profitiere vom Projekt - die Rede ist vom Erhalt vieler Pflanzen- und Tierarten wie Hahnenfußgewächsen, Schmetterlingsblütern, Vögeln, Fledermäusen, Sandbienen, Ameisen, Smaragdeidechsen bis hin zur seltenen Ödlandschrecke. Projektleiter Scherer widerspricht der Annahme, mit der Beweidung solle die Verbuschung im Mühlengrundgelände unterdrückt werden. Angestrebt sei vielmehr ein Mosaik, eine Mischung aus Busch, Wald, Tümpel und Wiese. "Das Robustrind trägt, genauso wie der Biber, zu dieser selten gewordenen Landschaftsform bei", so Scherer. Im Übrigen weist der Verein darauf hin, dass durch die bereits erfolgte Einzäunung der natürliche Wildwechsel nicht gefährdet werde. Weder die Fasane noch Wildschweine werden beeinträchtigt. Der Naturschutzverein und seine Freunde seien schon gespannt auf den Tag, wenn die Tiere ihr neues Zuhause besiedeln - "wir hoffen im April".



Zum Thema:

Hintergrund Der Natur- und Vogelschutzverein Püttlingen-Ritterstraße, gegründet 1955, ist immer wieder mit arterhaltenden Projekten tätig geworden, etwa durch die Pflege einer Orchideenwiese im Püttlinger Stadtteil Bengesen, und in diversen Fledermausprojekten. Wer helfen möchte, erfährt mehr bei Christoph Scherer, Tel. (0 68 98) 96 45 54, oder Theo Schröder, Tel. (0 68 06) 4 57 27. et

Hochlandrind mit Kind. Foto: pm
Hochlandrind mit Kind. Foto: pm FOTO: pm