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Die Ruhe vor dem Rock

Köllerbach. Die große und nicht ganz unkomplizierte Bühne wächst empor, auch alles andere liegt im Zeitplan: Das Open-Air-Gelände in Köllerbach wird für das Riesen-Rock-Spektakel vorbereitet. Andreas Lang

Entspannt sitzt der Macher des größten Rock-Festivals im Saarland und darüber hinaus in seinem eigenwilligen grünen Gefährt. Drei Achsen, sechs Reifen mit relativ niedrigem Luftdruck, und niedrig ist auch der Schwerpunkt dieses "Raptors", wie das geländegängige Vehikel heißt. Thilo Ziegler, geschäftsführender Gesellschafter der "Presented for People GmbH", hat am Dienstag - zwei Tage vor Beginn des 18. Rocco del Schlacko auf den Herchenbacher Sauwasen - durchaus Zeit zum Plauschen, denn alle Arbeiten liegen gut im Zeitplan.


Waren es bei der Premiere noch gut 600 Zuschauer pro Konzerttag, sind es inzwischen 24 000 - und dementsprechend ist es natürlich mehr Arbeit. Das Skelett der Hauptbühne steht bereits. Stolze 17 Meter hoch. "Das muss so sein", sagt Ziegler. Denn bei vielen Bands ist es mit simplen Auftritten nicht mehr getan, sogar der Begriff "Show" passt oft schon nicht mehr. Denn die Bands zeigen regelrechte Produktionen, zu denen auch die entsprechende Kulisse gehört. Und diese Blickfänge benötigen eben eine hohe Bühne.

Auch die Tiefe der Hauptbühne ist enorm, denn der ganze fliegende Aufbau wird über die drei Festival-Tage zum Verschiebebahnhof. Nur eine halbe Stunde Umbauzeit zwischen den "Kulissen" gibt der enge Zeitplan vor. Da muss vieles schon vorbereitet sein und pünktlich auf die oder von der Bühne geschoben werden. Etwa die rollenden Podeste mit den bereits aufgebauten und verkabelten Schlagzeugen - sie stehen, so lange sie nicht gebraucht werden, in den so genannten Seitenhäusern der Bühne. Die schon erwähnten fahrbaren Kulissen sind bis zu ihrem Einsatz hinter dem schwarzen hinteren Bühnenvorhang verborgen.



Auch im Umfeld der Bühne wird gearbeitet. Schon fertig ist das Zeltdorf - unter anderem mit Cateringbereich, den Umkleiden für die Stars und dem Elektrikerzelt. Die Container für die ganzen Verkaufsstände daneben werden noch aufgebaut. Sie sind zum Teil sogar mehrgeschossig, ein großer fahrbarer Kran stapelt die Containerelemente übereinander. "Die hier müssen wir noch größer machen", ordnet Ziegler an und zeigt auf die Bretterverschläge für den Bonverkauf. Die Öffnungen sind derzeit nur groß wie Schießscharten, da muss die Motorsäge noch mal ran.

Über das Gelände vor der Hauptbühne sagt er: "Das steigt von der Bühne aus nach hinten leicht an." Ideal, weil so die hinten Stehenden einen besseren Blick auf das Geschehen haben als auf niveaugleichen Plätzen. Videoelemente werden trotzdem noch an die Bühnenseiten montiert.

Ein Sattelzug trifft ein. "Ich hab die Dixie-Klos dabei", sagt Trucker Willi. "Die sind hier falsch", sagt Ziegler und zeigt ihm den rechten Platz.

Für ihn ist es dann wieder Zeit zum Stellungswechsel, er fährt zur Nebenbühne. "Die nutzen wir nachmittags, dann bespielen wir lieber einen kleinen, vollen Platz als einen großen, halb vollen." Er kommt gerade zur rechten Zeit. Die Wellenbrecher vor der Bühne sollen noch ein Stückchen vor - wird erledigt. Die Zeltplätze im Umfeld des Bühnen-Geländes sind nicht weniger wichtig. Die Äcker zum Campen sind gemäht, das komplette Gelände ist umzäunt. Zehn Kilometer Zaun, mehr als ein Kilometer Abwasserleitung ins Dorf. In Sachen Frischwasser gibt es eine Verbesserung: "Drei Entnahmestellen mehr", so Thilo Ziegler, macht in der Summe dann vier. "Das Campen ist Kult und gehört einfach dazu, und einige zelebrieren das auch richtig", schildert der Veranstalter, der auch für Abwechslung zwischen Zelten und Musik sorgt: "Wir haben einen Shuttleservice zu den Schwimmbädern in der Nähe eingerichtet." Ein Rucksackverbot wird es beim Rocco nicht geben. "Wie soll denn das gehen, wenn auch gezeltet wird?", fragt er rhetorisch. Wer in den Veranstaltungsbereich will, müsse sich jedoch der üblichen Körperkontrolle unterziehen.