Die nicht ganz letzte Ruhe

Dass nach einigen Ruhejahren Gräber erneut genutzt werden, ist üblich. Dass dabei Skelett-Reste an die Oberfläche gelangen und sichtbar liegen bleiben, sollte nicht sein, aber lässt sich wohl auch nicht zu 100 Prozent vermeiden, wie jetzt in Köllerbach zu sehen war.

Köllerbach. Von einer makabren Beobachtung, die ihn sehr aufgewühlt habe, berichtete ein Leser, der regelmäßig über den Köllerbacher Friedhof spaziert: "In der oberen Grabreihe, in der Nähe der Trauerhalle, ist immer noch ein Erdhügel vorhanden, aus dem menschliche Knochenteile, wohl Gerippe, herausragen." Weiter schildert er: "Ebenfalls sind noch die Überreste einer Armbanduhr zu finden. Das Ganze etwa zwei Meter von der nächsten Grabstätte entfernt. Ich empfinde so etwas als pietätlos."Wir haben uns am Donnerstagnachmittag selbst ein Bild davon gemacht und die Beobachtung des Lesers bestätigt gefunden, allerdings stechen die Rippen nicht sehr deutlich aus dem Hügel hervor. Als wir uns daraufhin weiter umgesehen haben, entdeckten wir noch neben einem Weg einen - nur bei genauem Hinsehen erkennbaren - Hals- oder Rückenwirbel, allerdings auch einen Oberschenkelknochen, der auf einem weiteren Lehmhügel recht deutlich sichtbar lag. Der große Erd- und Lehmhügel, zwischen neu angelegten Gräbern gelegen, stammte offenbar aus dem Aushub von Gräbern.

Die entdeckten Knochen müssen also aus alten Gräbern stammen, deren Liegezeiten abgelaufen waren. Der Oberschenkelknochen ist inzwischen entfernt. Wie Klaus Nickels, beim Eigenbetrieb der Stadt Püttlingen unter anderem für die Friedhöfe zuständig, gestern schilderte, wurde er ebenfalls über den Knochenfund informiert und hat ihn gleich am Freitag entfernen lassen.

"Grundsätzlich haben unsere Mitarbeiter die Anweisung, sehr sensibel mit solchen Funden umzugehen", so Nickels. Sollte ein Knochen an die Oberfläche kommen, dann soll er gleich wieder abgedeckt oder bei nächster Gelegenheit in einem offenen Grab wieder beigesetzt werden. Nickels bittet aber auch um Verständnis, dass es sich wohl nie zu hundert Prozent vermeiden lasse, dass es zu Knochenfunden kommt. Knochenteile seien im Lehm manchmal nicht zu erkennen, und wenn es dann regnet, werden die Überreste abgespült und sind erst danach deutlicher sichtbar.

Was nun den großen Oberschenkelknochen betrifft, so geht Nickels, nach Befragen der Mitarbeiter, davon aus, dass er erst in dem Erdhügel verborgen war und dann zum Vorschein kam, als Erde aus dem Hügel entnommen wurde. Nickels betont, dass die Friedhofsmitarbeiter wüssten, dass sie in einem sensiblen Bereich arbeiten, man werde den Fund aber zum Anlass nehmen, nochmals über das Thema zu reden.

Manche Gräber auf dem Köllertaler Friedhof sind inzwischen schon zum dritten Mal belegt. Grundsätzlich bestehe, wie auf anderen Friedhöfen, an manchen Stellen das Problem, dass auch nach Ablauf der Liegezeit noch Überreste vorhanden sind.

Zwischen Mai und September 2008 war auf dem Köllerbacher Friedhof im Bereich der Rasengräber (Grabfeld 1) eigens sehr aufwendig für knapp 200 000 Euro der Boden ausgetauscht worden, der dort besonders problematisch war. 75 Leichen wurden damals exhumiert und in einem gemeinsamen Grabfeld nebeneinander noch einmal bestattet. Gleichzeitig wurde der Lehmboden durch eine Mischung aus Holz, Kies und Mutterboden ersetzt.

Allerdings lassen sich nicht nur Überreste von Skeletten finden. Unser Leser berichtete, dass er bereits im vorigen Jahr an einer Stelle des Köllerbacher Friedhofs, an der offenbar Aushub zusammengetragen worden sei, ein künstliches Hüftgelenk und einen Herzschrittmacher gesehen habe.