Die heitere Seite des Mittelalters

Köllerbach. Hunderte von Leuten, Gewandete und Touristen, tauchten über Pfingsten in der Burg Bucherbach in längst vergangene Zeiten ein. Offiziell eröffnet wurde der Mittelaltermarkt am Samstagnachmittag von Püttlingens Bürgermeister Martin Speicher. Auch wir haben uns in das bunte Treiben gestürzt und einiges gesehen

Köllerbach. Hunderte von Leuten, Gewandete und Touristen, tauchten über Pfingsten in der Burg Bucherbach in längst vergangene Zeiten ein. Offiziell eröffnet wurde der Mittelaltermarkt am Samstagnachmittag von Püttlingens Bürgermeister Martin Speicher. Auch wir haben uns in das bunte Treiben gestürzt und einiges gesehen.Carsten Hülsmann serviert für einen Taler Minztee in orientalischem Zelt-Ambiente, - der Berufskraftfahrer aus Kleinrosseln nennt sich hier Graubart. Er trägt einen Kaftan und hat sich eine Hintergrund-Geschichte ausgedacht. Also: "Wir sind nordische Händler und als Reisende vom Nordkap bis zur Seidenstraße unterwegs. Jetzt sind wir auf der Höhe von Samarkand und passen uns den Gepflogenheiten des Landes an." Vor fünf Jahren habe hier, in der Burg Bucherbach, seine Mittelalter-Karriere begonnen: "Ich bin als Tourist gekommen, habe im Markthotel übernachtet, mir eine Kutte gekauft und bin als Mönch gegangen."

Der Mittelaltermarkt bietet Platz für Rollenspiele. In der Mitte haben die Händler ihre Stände aufgebaut. Hinter der Burgruine, in der Handwerkergasse, stieben die Funken: Mit Blasebalg und Muskelkraft wird dort Bronze gegossen.

Manfred Pfleger stellt sich als Druide vor. Ein Kojoten-Fell ziert seinen Lederhut. Die Füße stecken in Holzschuhen. "Turnschuhe gehen gar nicht, und Tupperware darf nicht auf den Tisch", erläutert er. Pfleger, genauer gesagt: sein mittelalterliches zweites Ich, gehört dem Volk der Kerpen an.

Mitten im Lager kräht ein Hahn. Auch ein kleiner schwarzer Widder und Ponys wirken beim Marktgeschehen mit.

Die Spielgemeinschaft Teufelsburg räumt gerade die Requisiten vom Erbsenzähler-Schwank zusammen und trägt das Simulanten-Sterbebett des Söldners Fullbrett von der Freilichtbühne. Vorher haben sie schon das Dornröschen gegeben. Auch das in geballter Kurzform: "Länger als 15 Minuten darf es bei Laufpublikum nicht sein", erläutert Spielleiterin Birgit Müller und lächelt schelmisch unter ihrem blauen Jungfernkranz.

Baden im Holzbottich

Marktbesucher, die noch nichts Mittelalterliches auf dem Leib tragen, können sich hier eindecken mit Gewändern, Geschmeide und Kopfbedeckungen, etwa spitze Feenhütchen mit Tüllschleier oder Barbarenhelme mit Pferdehaar "zum Einschüchtern". Armin Agne baut Bögen aus Eschenholz und Eibe. Der Großhandelskaufmann und Turnierschütze aus der Pfalz hat vor fünf Jahren das Hobby zum Beruf gemacht: 30 bis 40 Märkte bereist er im Jahr. In Köllerbach gefällt es ihm. "Prima Lage, super organisiert, toll von der Musik her, vieles für die ganze Familie", sagt er und weiter: "Es geht hier familiär zu. Jeder kennt jeden, und wenn man jemand nicht kennt, lernt man ihn kennen." Organisator Ludwig Heil, Vorsitzender des Völklinger Vereins "Die Tafelrunde", schwirrt als Gaukler Giacomo über den Markt. Er schwingt ein Diabolo und tränkt Bälle mit Brennspiritus für die Feuershow.

Die Gruppe Pipes'n'Strings spielt einen schnellen Tanz im Dreivierteltakt. Flöten, Dudelsack und einen ganzen Korb mit allerlei Instrumentarium vom elften Jahrhundert bis heute haben die Spielleute aus Trier mitgebracht. Paul der Bader gönnt sich noch ein Päuschen. Denn wenn die Marktleute Feierabend haben, dann ist das Badehaus im Zelt ausgebucht und die Marktleute steigen in den Zuber. Sechs auf einen Streich passen in den großen runden Holzbottich.