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Diamantener Meisterbrief
Schreinern seit Generationen

Reinhold Dincher (rechts) aus Püttlingen ist seit dem Tag, als er vor 60 Jahren seine Firma gründete, auch Schreinermeister. Schon der Vater des heute 86-Jährigen war Schreiner, und sein Sohn, Peter Dincher (links, hier im Familienbetrieb auf der Ritterstraße) ist es ebenfalls.
Reinhold Dincher (rechts) aus Püttlingen ist seit dem Tag, als er vor 60 Jahren seine Firma gründete, auch Schreinermeister. Schon der Vater des heute 86-Jährigen war Schreiner, und sein Sohn, Peter Dincher (links, hier im Familienbetrieb auf der Ritterstraße) ist es ebenfalls. FOTO: BeckerBredel
Püttlingen. Tischler Reinhold Dincher aus Püttlingen ist seit 60 Jahren Handwerksmeister.

Um einen Diamantenen Meisterbrief zu bekommen, muss man 60 Jahre lang den Meistertitel im Handwerk tragen. Reinhold Dincher aus Püttlingen hat das geschafft. Der 86-jährige Handwerker hat als Tischler am 11.11.1958 die Meisterprüfung abgelegt und am gleichen Tag auch seinen Betrieb gegründet. Daheim im Keller fing er an. Bei seinen Eltern in Ottenhausen richtete er die erste Werkstatt ein, die wurde dann schnell zu klein.


Nach saarländischer Art wurde erst angebaut, dann die Chance genutzt, einen Betrieb in Köllerbach zu übernehmen. Dort war ein Handwerker gestorben, sein kleines Unternehmen stand zum Verkauf, der Umzug der Firma Dincher in das Köllertal somit fest. Dort ist die Schreinerei heute noch, wenn auch nochmals umgezogen, nämlich ins Gewerbegebiet auf der Ritterstraße, wo Reinhold Dincher schließlich Werks- und Wohngebäude neu erbaute. Sein 60. Meister-Jubiläum ist also zugleich Firmenjubiläum der Schreinerei, die heute seinem Sohn Peter Dincher gehört, und der als Handwerksmeister in die Fußstapfen des Vaters getreten ist. Auf 1300 Quadratmetern beschäftigen die Dinchers heute 13 Mitarbeiter, sie bilden ständig Nachwuchs aus und investieren demnächst einen sechsstelligen Betrag in eine neue, computergestützte Maschine.

Die Schreinerei Dincher hat gut zu tun, die Auftragsbücher sind gefüllt. „Wir sind breit aufgestellt, bauen selbst Haustüren, machen Innenausbau, bauen Möbel, Küchen und Läden“, sagt der Juniorchef. Lediglich selbst Fenster und Treppen zu bauen, sei heute nicht mehr Teil des Angebots. Das habe der Vater noch gemacht, doch da sei heute die Industrie nicht mehr zu schlagen. Vier der Dincher-Lehrlinge haben im Betrieb selbst den Meister gemacht, zwei dieser Fachkräfte sind schon in Rente, zwei arbeiten noch immer auf der Ritterstraße.



Für Reinhold Dincher war der Beruf auch Berufung: „Mich hat nie einer gezwungen. Ich wollte unbedingt Schreiner werden, wie schon mein Vater, der war Schreiner bei der Eisenbahn“, erzählt der Senior. Der Beruf habe ihm immer Spaß gemacht, auch wenn er früher ohne elektrische Bohrmaschine auskommen musste und er heute über die Hochtechnologie in seinem Handwerk staunt. „Wir hatten eine Werkzeugkiste, mein Sohn braucht einen Lieferwagen“, sagt er.

Teile seines alten Werkzeugs sind noch da, haben einen Ehrenplatz in der Ausstellung des Unternehmens und geben Zeugnis von der Veränderung des Berufsbildes. Und gleich daneben hängt der Diamantene Meisterbrief.

(bub)