Der Lobbyist der Bischöfe

Peter Prassel ist der Verbindungsmann der katholischen Kirche zur Landesregierung und zu gesellschaftlichen Organisationen und auch Unterstützungspfarrer in Püttlingen. Der 65-jährige Rheinländer, dem es in der Wahlheimat Saarland gut gefällt, ist bemerkenswert präsent. Er hat ein Ohr für Untertöne – und die Rolling Stones.

Sitzungen des saarländischen Landtages werden von den Abgeordneten oder Regierungsvertretern schon einmal versäumt. Einer aber lässt sich die öffentlichen Debatten nie entgehen, wenn er auch "nur" im Zuschauerraum Platz nimmt und nicht selbst das Wort ergreifen darf: Peter Prassel.

Der 65-Jährige ist weder Politiker noch Mitarbeiter der Regierung, sondern Priester. Peter Prassel nimmt sozusagen als Lobbyist Gottes und der katholischen Kirche teil und achtet darauf, dass die Anliegen der Bischöfe aus Trier und Speyer in der saarländischen Politik angegemessen berücksichtigt werden. Im katholischsten Bundesland Deutschlands verlangt diese Arbeit nicht unbedingt Pioniergeist, bei sinkender Kirchenbindung gilt aber auch schon die Verteidigung des Bestehenden als lohnende Aufgabe.

Peter Prassel, Doktor der Theologie, nimmt diese Arbeit bemerkenswert genau, will "auch die Untertöne hören". Seiner Präsenz kann man nicht nur dann sicher sein, wenn im Hohen Haus über Gott, sondern auch wenn über sehr weltliche Dinge gesprochen wird. "Ich will, dass man sieht: Wir sind immer da und zeigen Interesse an allem, was geschieht", beschreibt er den Anspruch.

Der Arbeitsplatz des gebürtigen Rheinländers und "Begierde-Saarländers" ist das Katholische Büro des Saarlandes am Rand der Innenstadt. Prälat (Vorsteher) Prassel teilt es mit einem Justiziar, einer Mitarbeiterin und einer Sekretärin. Dieses "Kommissariat der Bischöfe von Speyer und Trier" ist erklärtermaßen eine "stille Dienststelle", die sozusagen aus der zweiten Reihe arbeitet, fast im Stil einer konsularischen Vertretung. Hier empfängt der Vorsitzende regelmäßig Gäste, um die Beziehungen zur Politik und zu gesellschaftlichen Gruppen zu pflegen, gedanken über Interessen auszutauschen, hin und wieder auch, um härter zu verhandeln. Etwa wenn es um Investitionen in Kliniken, Schulen und Kindergärten geht. "Nicht einmal alle unsere Priester wissen, dass es uns gibt und was wir tun", schmunzelt der Vorsitzende, der das Amt seit 2008 innehat.

Nebenher ist er an seinem Wohnort Püttlingen übrigens auch noch unterstützender Priester (Subsidiar). Peter Prassel war 1979 zum Priester geweiht worden, arbeitete in der Theologenausbildung, als Militärseelsorger und war als Leiter des Katholischen Auslandssekretariats für die katholischen deutschen Gemeinden in aller Welt zuständig.

Während das Katholische Büro in Saarbrücken bisweilen von klassischer Musik beschwingt wird, bevorzugt der Privatmann Peter Prassel Rockmusik von Jimi Hendrix und den Rolling Stones, die er auch schon live erlebte.